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20.08.2013

11:22 Uhr

Sicherheit gefragt

Schwache Konjunkturdaten helfen Bundesanleihen

Konjunktursignale aus Deutschland haben die Anleger enttäuscht. Investoren scheinen an der wirtschaftlichen Erholung zu zweifeln und kaufen Bundesanleihen. Dabei gab doch vorher noch gute Signale.

Jedes Mal, wenn es in der Euro-Zone kracht, sind Bundesanleihen im Trend. dpa

Jedes Mal, wenn es in der Euro-Zone kracht, sind Bundesanleihen im Trend.

FrankfurtDeutsche Bundesanleihen haben am Dienstag zugelegt. Konjunktursignale aus Deutschland waren überraschend schwächer ausgefallen als erwartet. Die relative Sicherheit der Papiere war auch angesichts der deutlichen Kurverluste an den Aktienbörsen weltweit stärker gefragt.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, sind die deutschen Erzeugerpreise im Juli um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. In einer Umfrage von Bloomberg hatten Ökonomen erstmals seit sechs Monaten mit einem Anstieg gerechnet, und zwar um 0,2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat lag der Preisanstieg mit 0,5 Prozent unter der Erwartung von 0,7 Prozent Erhöhung.

Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten zuletzt bei 1,86 Prozent vier Basispunkte niedriger. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 46 Basispunkte auf 140,39 Prozent.

Am Montag war die zehnjährige Rendite mit bis zu 1,92 Prozent auf den höchsten Stand seit dem 27. März 2012 gestiegen, nachdem sie in der Vorwoche um 20 Basispunkte geklettert war. Die Volkswirtschaft der Eurozone war im zweiten Quartal erstmals seit sechs Quartalen wieder gewachsen.

Die umstrittenen Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB

10. Mai 2010

Als die Schuldenkrise zum ersten Mal in Griechenland eskaliert, beschließt der EZB-Rat den Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder. Damit wirft die EZB erstmals in ihrer Geschichte de facto die Notenpresse an, um Krisenländern zu helfen und das politische Projekt der Gemeinschaftswährung nicht zu gefährden. In der Folge kauft sie für mehr als 200 Milliarden Euro Papiere von Griechenland, Irland und Portugal.

8. August 2011

Die EZB dehnt unter dem Druck der sich verschärfenden Schuldenkrise ihre Staatsanleihen-Käufe auf Spanien und Italien aus. Zudem wird bekannt, dass der damalige Notenbankchef Jean-Claude Trichet Briefe an die Regierungschefs dieser Länder, Silvio Berlusconi und Jose Luis Zapatero, geschrieben hat, in denen er ihnen Ratschläge für eine nachhaltige Finanzpolitik und Haushaltsführung erteilt. Der Brief an Berlusconi, den auch Trichets designierter Nachfolger - Italiens Notenbankchef Mario Draghi - unterzeichnet, wird zum Politikum.

2. August 2012

Draghi, mittlerweile EZB-Präsident, kündigt angesichts der immer weiter eskalierenden Krise ein neues Anleihen-Kaufprogramm an. Wenige Tage zuvor hatte er in London völlig überraschend erklärt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Heftiger Widerspruch kommt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

6. September 2012

Der EZB-Rat beschließt das von Draghi einen Monat zuvor angekündigte Anleihe-Kaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions). Es ist an Bedingungen geknüpft, etwa dass ein Land, um in den Genuss der Hilfe durch die Notenpresse zu kommen, unter den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen muss. Im Gegenzug erklärt sich die EZB bereit, theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Begründet wird das Programm, das im EZB-Rat gegen den Widerstand Weidmanns durchgesetzt wurde, mit einer Störung der Geldpolitik in den 17 Euro-Ländern.

12. September 2012

Das Bundesverfassungsgericht gibt in einem Eilverfahren grünes Licht für den ESM. Das Gericht kündigt zudem an, bei der Hauptverhandlung auch die Rettungspolitik der EZB unter die Lupe zu nehmen - und damit vor allem das Anleihe-Kaufpogramm OMT.

„Einige der Indikatoren waren stark, aber das muss in den nächsten Wochen und Monaten erst noch erhärtet werden”, sagte Werner Fey, Fondsmanager beim Frankfurt Trust Investment GmbH in Frankfurt.

Trotz des Renditeanstiegs haben sich deutsche Bundesanleihen angesichts der Aussicht auf eine Reduzierung der geldpolitischen Konjunkturanreize in den USA besser gehalten als US-Treasuries und britische Gilts: Bundesanleihen kommen dieses Jahr bis zum 16. August auf Verluste von 2,3 Prozent, während Treasuries um 3,6 Prozent abgerutscht sind und Gilts 4,7 Prozent eingebüßt haben.

Bei den Peripheriebonds pendelten die Kurse mit geringen Ausschlägen um die Vortagswerte. Zehnjährige spanische Anleihen rentierten zuletzt bei 4,39 Prozent, italienische Papiere bei 4,28 Prozent etwas höher, Portugal-Bonds bei 6,24 Prozent.

Am Markt für US-Staatsanleihen sind die Kurse deutlich gestiegen. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten zuletzt bei 2,81 Prozent sieben Basispunkte tiefer. Am Vortag war die zehnjährige Rendite auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren geklettert und technische Indikatoren signalisierten nun eine Trendumkehr. „Die Renditen haben ein Niveau erreicht, das nicht gerechtfertigt ist, bevor es nicht eine vorgezogene Zinserhöhung in den USA gibt”, sagte Hitoshi Asaoka, Leitender Stratege bei Mizuho Trust in Tokio. Da die Inflationsrate aber sehr niedrig sei, bestehe keine Notwendigkeit für eine Zinserhöhung, fügte er hinzu.

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