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09.06.2015

19:08 Uhr

Siltronic-Börsengang

Wacker Chemie muss Abstriche machen

Am Donnerstag soll Siltronic sein Debüt an der Frankfurter Börse feiern. Die Wafer-Tochter soll in die Eigenständigkeit entlassen werden. Doch der Mutterkonzern muss beim Börsengang Abstriche machen.

Der Münchner Konzern stellt sogenannte Wafer her – Halbleiter-Scheiben, die in der Mikroelektronik, Photovoltaik und Mikrosystemtechnik eingesetzt werden. ap

Siltronic

Der Münchner Konzern stellt sogenannte Wafer her – Halbleiter-Scheiben, die in der Mikroelektronik, Photovoltaik und Mikrosystemtechnik eingesetzt werden.

FrankfurtDer Münchener Spezialchemiekonzern Wacker Chemie muss beim Börsengang seiner Wafer-Tochter Siltronic laut Insidern Abstriche machen. Die Aktien sollen Finanzkreisen zufolge am unteren Ende der Preisspanne ausgegeben werden, die von 30 bis 38 Euro reichte. Am Dienstag teilten die beteiligten Banken den Investoren mit, dass die Papiere wohl zwischen 30 und 32 Euro zugeteilt würden, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen am Dienstag sagten. Damit muss sich Wacker Chemie mit einem Erlös von 230 bis 245 Millionen Euro begnügen. Am oberen Ende der Spanne hätte der Konzern 290 Millionen Euro zu erwarten gehabt. Siltronic selbst fließen unabhängig vom Ausgabepreis 150 Millionen Euro zu, wenn der Börsengang über die Bühne geht. Je nachdem werden mehr oder weniger neue Aktien ausgegeben.

Die Aktien können noch bis Mittwoch gezeichnet werden, am Donnerstag soll Siltronic sein Debüt an der Frankfurter Börse feiern. Der drittgrößte Hersteller hauchdünner Siliziumscheiben (Wafer) für die Produktion von Mikrochips soll in die Eigenständigkeit entlassen werden. Siltronic will die Erlöse aus dem Börsengang vor allem zum Abbau von Schulden verwenden. Ob die Anleger für 2015 schon mit einer Dividende rechnen können, lässt das Unternehmen offen. Wacker Chemie will mittelfristig die Mehrheit abgeben, bleibt nach dem Börsengang aber mit rund 60 Prozent beteiligt. Mit dessen Organisation betraut sind die Banken Citi, Credit Suisse, Commerzbank, HSBC und Unicredit.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Es hatte fast eine Woche gedauert, ehe die Emission einmal überzeichnet war. Für einen erfolgreichen Börsengang müssen einer Faustregel zufolge doppelt so viele Orders vorliegen wie Aktien ausgegeben werden sollen.

Von

rtr

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