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24.06.2013

12:22 Uhr

Sinkende Steuereinnahmen

Spanien macht Tempo bei Bondverkäufen

Rekordarbeitslosigkeit, schleppende Konjunktur, weniger Steuereinnahmen: Die spanische Wirtschaftslage macht Ministerpräsident Rajoy zu schaffen. Als Antwort kurbelt er den Anleihenverkauf an.

Ministerpräsident Rajoy redet offen über die wirtschaftlichen Probleme seines Landes. dpa

Ministerpräsident Rajoy redet offen über die wirtschaftlichen Probleme seines Landes.

MadridAngesichts nachlassender Steuereinnahmen legt Spanien bei Anleiheverkäufen ein Tempo an den Tag wie seit 2003 nicht mehr. Daten der vom Finanzministerium zeigen, dass die Nettoeinnahmen aus Finanztransaktionen, insbesondere Anleiheverkäufen, in den ersten vier Monaten des Jahres auf 56,1 Milliarden Euro und damit den höchsten Stand seit mindestens einem Jahrzehnt gestiegen sind. Ein Jahr zuvor lagen sie noch bei 50,3 Milliarden Euro. Gegenüber dem Stand von 2012 von 11,8 Milliarden Euro haben sie sich vervierfacht. Dagegen sind die Nicht-Finanzeinnahmen, insbesondere Steuern, von 20,8 Milliarden Euro 2012 auf 15 Milliarden Euro zurückgegangen.

Der Engpass macht es Ministerpräsident Mariano Rajoy schwerer, durch Einnahmen die europäischen Sparziele einzuhalten. Sein Vorgänger Jose Maria Aznar fordert Steuersenkungen, die sich das Land Rajoy zufolge nicht leisten kann. Spanien hat seine Kassen gefüllt, bevor am heutigen Montag ein Anstieg der Kreditkosten die Rendite zehnjähriger Anleihen erstmals seit dem 2. April auf über fünf Prozent steigen ließ.

„Das Finanzministerium muss sich besonders anstrengen, um mit Bondverkäufen die fehlenden Steuereinnahmen auszugleichen und im Fall eines Anstiegs der Risikoaversion der Investoren auf der sicheren Seite zu sein”, sagte Arturo Bris, Finanzprofessor an der IMD Business School im Schweizerischen Lausanne.

In der letzten Woche führte Spanien die Kursverluste bei europäischen Staatsanleihen an, nachdem Fed-Chef Bernanke ein Ende der Anleihekäufe für das kommende Jahr angedeutet hatte. Ein Sprecher des spanischen Haushaltsministeriums in Madrid wollte sich nicht äußern.

Die Steuereinnahmen gehen zurück, seit Rajoy im Dezember 2011 die Abgaben auf Einkommen, Sparguthaben und Immobilien erhöht hat, um das Defizit von 11,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt 2009 zu verringern. Im Juli 2012 erhöhte er den Hauptsatz der Umsatzsteuer von 18 Prozent auf 21 Prozent.

Forderungen deutscher Banken und Versicherungen an Spanien

Deutsche Bank

Das größte deutsche Finanzhaus war Ende März laut Geschäftsbericht mit netto insgesamt 13,7 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Rund die Hälfte der Summe (6,6 Mrd.) steht als Unternehmenskredite in den Büchern. Staatsanleihen und Kredite an die öffentliche Hand beliefen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Weitere 3,6 Milliarden Euro verlieh die Bank an spanische Finanzinstitute. Hinzu kamen 1,9 Milliarden für den Bereich Retail.

Commerzbank

Die Bank bezifferte ihr Engagement Ende März auf mehr als 14 Milliarden Euro. Mit 2,9 Milliarden Euro standen Staatsanleihen in den Büchern. Gewerbliche Immobilienkredite beliefen sich auf 4,0 Milliarden Euro, Kredite an Unternehmen und sonstige auf 3,0 Milliarden. Auf 4,4 Milliarden Euro beliefen sich die Forderungen gegenüber Finanzinstituten.

DZ Bank

Das genossenschaftliche Institut hatte Ende 2011 Forderungen von 7,6 Milliarden Euro gegenüber der öffentlichen Hand sowie Unternehmen und Banken in Spanien. Rund 3 Milliarden entfielen auf Staatsanleihen. Der größte Teil mit rund 4 Milliarden Euro waren Wertpapiergeschäfte im nichtöffentlichen Bereich. Hinzu kamen Kredite an Unternehmen und die öffentliche Hand.

DekaBank

Das Institut war zum 31. Dezember 2011 mit insgesamt 1,35 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Auf rund 0,5 Milliarden Euro beliefen sich Forderungen gegenüber Banken und auf etwa 0,1 Milliarden Euro gegenüber den Staat. Der Rest entfiel im Wesentlichen auf Unternehmenskredite.

HRE

Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hält keine spanischen Staatspapiere, aber Papiere etwa von Kommunen oder staatsnahen Unternehmen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro. Dazu kommen 600 Millionen Euro für die Finanzierung gewerblicher Immobilien.

FMS Wertmanagement

Bei der Bad Bank der HRE sieht es anders aus: Die staatliche FMS Wertmanagement verfügt noch über spanische Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Euro. In die Bad Bank wurden im Herbst 2010 Altlasten der HRE in Höhe von 173 Milliarden ausgelagert.

Allianz

Die Allianz hatte zum Ende des ersten Quartals spanische Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

MunichRe

Der weltgrößte Rückversicherer ist laut Quartalsbericht in dem Land mit rund 1,4 Milliarden Euro in Staatspapieren engagiert. Weitere 4,6 Milliarden Euro stecken in Pfandbriefen. Bei spanischen Banken ist der weltgrößte Rückversicherer nur mit 14 Millionen Euro engagiert. Zur Höhe der Beteiligung etwa an spanischen Unternehmensanleihen, macht die MunichRe keine Angaben.

Bayrische Landesbank

Die Bayerische Landesbank hat keine spanischen Staatsanleihen in den Büchern. Allerdings summieren sich dem Geschäftsbericht 2011 zufolge die nach Spanien insgesamt vergebenen Kredite auf knapp 5,8 Milliarden Euro.

Norddeutsche Landesbank

Die Norddeutsche Landesbank war zum Ende des ersten Quartals (31. März) noch mit 499 Millionen Euro in Spanien engagiert. Details sollen voraussichtlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag bekanntgegeben werden.

Westdeutsche Landesbank

Die Engagements der WestLB in Spanien (Staatsanleihen) liegen bei 727 Millionen Euro, bei der Ersten Abwicklungsanstalt EAA in Düsseldorf sind es für den gesamten öffentlichen Bereich (public finance, also Staat, Gebietskörperschaften, Kommunen) 1,18 Milliarden Euro.

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank ist per Stichtag 31. März mit insgesamt 176 Millionen Euro in spanischen Staatspapieren engagiert. Das umfasst laut Bank klassische Staatsanleihen ebenso wie staatlich abgesicherte Kredite an staatsnahe Betriebe.

Zugleich schrumpft die Steuerbasis. Die spanische Industrieproduktion ging im April um 1,8 Prozent zurück, den 20. Monat in Folge. Seit sieben Quartalen schrumpft die viertgrößte Wirtschaft der Eurozone, obwohl die Exporte Rekordniveaus erreicht haben. „Steuern hängen nicht nur von Steuersätzen ab, sondern auch von der wirtschaftlichen Aktivität, die auf niedrigem Niveau ist”, sagte Michael Michaelides, Zinsstratege bei Royal Bank of Scotland Group Plc in London.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.06.2013, 13:10 Uhr

Spanien geht die Düse.Verschärft sich die Situation weiter,steigen wieder die Zinsen.Insofern versucht man noch die jetzige Phase der günstigen Zinsen zu nutzen,bevor es zu spät ist.Denn vergessen wir nicht,wieviel das Land noch vor einem Jahr,vor der Draghi-Rede in London bezahlen musste.

EUDSSR

24.06.2013, 14:23 Uhr

Noch mehr Schulden?

Was interessiert es die Spanier?

Am Ende zahlt der deutsche Steuersklave!

Dafür gibt es doch den ESM ( Europäischer Länderfinanzausgleich )

Wurde nicht im Maastrichter Vertrag vereinbart, dass kein Land für die Schulden anderer Länder haftet???

Lügen "unsere" Politiker?

Ich wähle die AfD!!!

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