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06.12.2012

11:11 Uhr

Skandal-Broker FX-direkt

„Die Bumslisten müssen verschwinden“

VonAnnina Reimann
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Blauäugige Banken, verschwundene Aufnahmen und leichtfertige Ermittler. Die Geschichte des Internet-Brokers FX-direkt befleckt den Ruf der gesamten Branche. Die Bank verzichtet bereits auf Dementis.

Ein Broker am Arbeitsplatz. dapd

Ein Broker am Arbeitsplatz.

Die E-Mail an die Mitarbeiter der FX-direkt Bank klang eindringlich: "Ich bitte Sie darum, umgehend alle Schreibtische und Büros aufzuräumen", hieß es in der Ansage unter dem Betreff: "Besuch". Vor allem die "Bumslisten" müssten "vorübergehend verschwinden". Bumslisten, so sollen in der Bank die Listen von zahlungskräftigen Kunden genannt worden sein, die von Kundenbetreuern zum Handeln auf der Plattform des Online-Brokers gedrängt werden sollten.

In den letzten Wochen dürfte bei FXdirekt wieder so einiges verschwunden sein. Die Finanzaufsicht BaFin ließ sich außerplanmäßig in Oberhausen blicken. Sie habe, heißt es aus Kreisen der Bank, gerade eine weitere Sonderprüfung im Haus beendet. Im Kern ging es um die Frage, ob Händler des Online-Brokers die Preise für außerbörsliche Produkte im Rahmen halten – oder ob sie es mit der Preisstellung zum Nachteil der Kunden übertreiben. FXdirekt ist Market Maker, das heißt, die Bank stellt die An- und Verkaufskurse für ihre Kunden.

Aufseher waren informiert und reagierten nicht

Die WirtschaftsWoche hatte über zweifelhafte Geschäftsmethoden bei dem Finanzinstitut berichtet, das Kunden ausgeplündert haben soll. Die Bank hatte Unregelmäßigkeiten in einer Stellungnahme zum ersten Bericht Anfang Oktober bestritten. Seither hat sie Fragen der Redaktion nicht mehr beantwortet.

Der Fall FXdirekt wirft Schatten auf die Arbeit von Aufsehern und Staatsanwälten. Sie sind offenbar seit Jahren über Probleme bei der Bank informiert – und taten im Ergebnis nichts. Staatsanwälte ermittelten wegen Betrug und Unstimmigkeiten bei einer Brokerwahl und stellten die Verfahren wieder ein.

Wann Anleger misstrauisch werden sollten

Vorsicht Vermittler

Viele Finanz- und Versicherungsvermittler haben vor allem eines im Sinn: Die eigene Provision. Die Verbraucherzentrale NRW zeigt, wann Anleger misstrauisch werden sollten.

Interessen kennen

Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine kostenlosen Beratungen gibt. Aufgrund des Provisionsinteresses ist jede „Beratung“ durch eine Bank oder einen Finanzvertrieb in Wirklichkeit ein Verkaufsgespräch.

Gier vermeiden

Lassen Sie sich von den angepriesenen Renditechancen nicht blenden, sondern hinterfragen Sie kritisch auch die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken.

Heitere Gelassenheit

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn man Ihnen keine Zeit lassen will, um das Angebot nochmals zu überdenken und zu prüfen, dann hat der Anbieter etwas zu verbergen.

Gefährliche Formulierungen

Prüfen Sie das Beratungsprotokoll und achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Formulierungen enthalten sind, mit denen Ihnen im Streitfall die Verantwortung zugeschoben wird – beispielsweise mit Formeln wie „auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden“ oder Risikohinweisen, die im Gespräch überhaupt nicht auf den Tisch gebracht worden sind.

Schneller Rücktritt

Nutzen Sie beim Abschluss eines Vertrags in den eigenen vier Wänden die Widerrufsfrist, um das Geschäft nochmals zu überdenken. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, von Ihrem Rücktrittsrecht auch Gebrauch zu machen.

Ausdauer

Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, wenn Sie das Finanzprodukt nicht voll und ganz verstanden haben.

Fürsorge

Helfen Sie mit, ältere Menschen vor Finanzhaien zu schützen, indem Sie innerhalb Ihrer eigenen Familie Aufklärungsarbeit leisten und Ihren Eltern bei ihren Finanzgeschäften Unterstützung anbieten.

Initiative

Machen Sie sich in Finanzfragen nicht von externen Beratern abhängig, sondern eignen Sie sich Grundwissen über die wichtigsten Anlageformen an. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu leicht verständliche und praxisnahe Ratgeber.

Strategie

Stellen Sie immer die Finanzplanung an die erste Stelle und entscheiden Sie erst danach, welche Produkte überhaupt infrage kommen. So vermeiden Sie spontane Anlageentscheidungen, die langfristig nicht zu Ihrer Lebensplanung passen. Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Verschwundene Bänder

FXdirekt-Mitarbeiter sollen die BaFin-Prüfer nach allen Regeln der Kunst an der Nase herumgeführt haben. Kurz bevor die angemeldeten Prüfer anrückten, sollen gut informierte Mitarbeiter versetzt worden sein. Andere sollen dazu gedrängt worden sein, sich krankschreiben zu lassen, damit Prüfer nicht mit ihnen sprechen konnten.

Interessiert waren Aufseher an Aufzeichnungen der Telefonate mit Kunden. Sie wollten prüfen, ob Kundenbetreuer der Bank Anleger beraten haben. Anlageberatung war dem Broker verboten. In den FXdirekt-Büros soll es Apparate gegeben haben, deren Gespräche nicht aufgezeichnet wurden. Mitarbeiter sollen gewusst haben, welches Telefon zu benutzen war, wenn wieder mehr Umsatz gebraucht wurde. Offenbar stellten Führungskräfte vor einem Besuch der Aufseher Mitarbeiter ab, die Bänder abhören sollten. Bänder von Gesprächen, in denen Kunden beraten worden seien, sollen abhanden gekommen sein, sagen Insider.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

06.12.2012, 11:32 Uhr

Ich frag mich immer wieder, wie dumm (oder verzweifelt ?) diese Menschen sein müssen, die bei solch windigen " Brokern " ein Konto eröffnen, und quasi darum betteln ihr Geld verlieren zu dürfen, mit so einem Scheiß wie CFDs, Optionsscheinen, etc.

Wenn ich an der Börse handeln und mein Geld verdienen will, dann sucht man sich einen Anbieter mit direkten Börsenzugängen (EUREX und XETRA sind da selbstverständlich Standard), einer Handelsmaschine/plattform die die Orders in Nanosekunden duchroutet, incl Algorithmen und eine faire auf meine individuellen Bedürfnisse maßgeschneiderte und transparente Gebührenstruktur hat.

Oder abe ich lasse es andererseits sein, und spende mein Geld besser gleich bedürftigen Menschen in der Welt.

Account gelöscht!

06.12.2012, 12:33 Uhr

der Spread ist niedrig, die Kommission gleich null. Wer eins und eins zusammenrechnet erkennt schnell, dass die Broker nur als Market Maker ihr Geld verdienen können. Schaut man sich dann noch die alljährliche Werbeshow auf den einschlägigen Messen an, so ein Stand kostet sicher mal schnell mehrere 10.000€ plus Arbeitseinsatz der Mitarbeiter, der bekommt ein weiteres Indiz das man nur vom Spread als Broker nicht leben kann. Ein weiteres Anhaltspunkt für die lukrativen Geschäfte als Market Maker, der die Gegenposition der Trades einnimmt, die Anzahl der neuen Broker in den vergangenen 36 Monaten. Wer ein wenig Geld und ein geschultes Verkaufspersonal zur Hand hat, kann ohne weiteres einen Broker eröffnen und sich auch an den hohen Gewinnmargen erfreuen. Am Ende ist es nicht anders als ins Casio zu gehen. Einziger Nachteil bei den Brokern, sie tun allerhand um nicht als "Bank" erkannt zu werden, gegen die man "spekuliert".

SirHenry

06.12.2012, 15:07 Uhr

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, was den Vorteil des Handels über die Börse angeht. Aber der Vergleich mit den Optionsscheine und CFDs hinkt. Ich setze Optionsscheine sowohl Spekulativ als auch zu Absicherungszwecken seit über 10 Jahren ein. VOR dem Kauf eines Optionsscheines muss ich mir Gedanken über meine Markterwartung machen, Laufzeit und Basispreis festlegen, WKN ermitteln und eben nicht nur auf ein buntes Knöpfchen drücken. Ich kann die Optionsscheine über eine Börse mit zugehöriger Börsenüberwachung jederzeit handeln. Meine Limite sind dem Emittenten nicht bekannt. Und das aller wichtigste Argument gegen CFDs ist: MAN KANN NICHT MEHR VERLIEREN ALS MAN EINSETZT. Das Verlustrisiko eines CFS bzw. Futures ist auch gegenüber Aktien unendlich und hat schon vielen Privatanlegern das Genick gebrochen bzw. sprichwörtlich Haus und Hof gekostet.

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