Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.03.2012

17:56 Uhr

Sorgen um Griechenland

Dax stürzt um mehr als drei Prozent ab

An den Märkten kommt Nervosität auf: Der Dax ist zum Tagesende mehr als 200 Punkte leichter. Auch der Euro verliert deutlich. Der Bankenverband IIF entwirft ein Horrorszenario. Kommt die Griechenland-Krise zurück?

Massive Verluste - Schuldenschnitt droht zu scheitern

Video: Massive Verluste - Schuldenschnitt droht zu scheitern

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDer Schuldenschnitt für Griechenland droht zu kippen: Zwei Tage vor Ablauf der Frist zum Umtausch griechischer Anleihen kommt Nervosität auf. Für Verunsicherung sorgen Gerüchte, dass sich nur wenige Gläubiger am "freiwilligen" Schuldenschnitt beteiligen. Börsianer spekulieren bereits über eine mögliche Verlängerung der Frist. Athen dementiert. Doch die Gerüchte halten sich.

Der deutsche Leitindex schloss 3,4 Prozent tiefer bei 6.633 Punkten und notierte damit so niedrig wie seit drei Wochen nicht mehr. Neben den Meldungen um die auf drei Billion Euro angeschwollene Bilanzsumme der EZB machten Händler für den Kursrutsch auch charttechnische Gründe verantwortlich. „Wir sind mehrmals an der Marke von 7.000 Punkten gescheitert, und jetzt geht es eben mal mit großem Volumen in die andere Richtung“, sagte ein Börsianer.

Ein anderer Händler sagte, eine starke Dax-Korrektur sei überfällig gewesen: „Wir dürfen schließlich nach der Rally der vergangenen Wochen nicht vergessen, wo wir hergekommen sind.“ Zugleich setzten Anleger wieder vermehrt auf Sicherheit und stiegen in Bundesanleihen ein. Der Bund-Future stieg auf ein Allzeithoch von 140,48 Punkten.

Der Tag an den Märkten (Stand: 17:48 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Die privaten Gläubiger müssen bis Donnerstag entscheiden, ob sie dem Anleihe-Tausch zustimmen - und damit auf Forderungen im Gesamtvolumen von rund 100 Milliarden Euro verzichten. Die griechische Regierung hat angedroht, dass sie die Gläubiger zum Schuldenschnitt zwingen könnte, falls nicht genügend freiwillig mitmachen. Das können die Griechen aber nur, wenn mindestens die Hälfte aller Anleihegläubiger auf das Umschuldungsangebot antwortet und davon zwei Drittel zustimmen. Sonst können die Umschuldungsklauseln nicht nachträglich angewendet werden. Im schlimmsten Fall droht der Schuldenschnitt zu scheitern. Die Folge: eine ungeordnete Pleite.

Wie der Schuldenschnitt funktioniert

Werden sich die Gläubiger freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen?

Dass alle dies tun, ist sehr unwahrscheinlich. Jedenfalls stellen sich die internationalen Finanzkontrolleure von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ auf einen erzwungenen Umtausch von griechischen Staatsanleihen ein. Entsprechende nachträgliche Klauseln (Collective Action Clauses/CAC), mit denen ein Verzicht privater Gläubiger erzwungen werden kann, hatte das griechische Parlament im Februar beschlossen.

Warum ist dieser Schritt denn umstritten?

Mit der Aktivierung der Zwangsklauseln würde aus der freiwilligen eine unfreiwillige Umschuldung, durch die auch Kreditausfallversicherungen fällig werden könnten. Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmaße angenommen hatte.

Wovon hängt die Aktivierung der Umschuldungsklauseln ab?

Grundsätzlich kann Griechenland den angestrebten freiwilligen Schuldenschnitt auf alle Gläubiger ausweiten, soweit zwei Drittel der Investoren den Umschuldungsklauseln zustimmen. Voraussetzung ist aber ein Quorum, wonach mindestens die Hälfte aller Anleihegläubiger auf das Umschuldungsangebot reagieren müssen, also überhaupt antworten. Grundsätzlich stimmt jeder Gläubiger, der auf das Umschuldungsangebot Athens eingeht, auch den Umschuldungsklauseln zu. Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Umschuldungsangebot nicht zu akzeptieren, aber der Aktivierung der Zwangsklauseln zuzustimmen. Von dieser Möglichkeit dürften insbesondere Gläubiger Gebrauch machen, die auf die Auszahlung ihrer Kreditausfallversicherungen spekulieren.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten für die angepeilte Umschuldung?

Im Grunde recht gut, wobei Erfolg oder Misserfolg von bestimmten Quoten abhängt, die Griechenland gesetzt hat. Demnach scheitert der Schuldenschnitt, falls mehr als 25 Prozent der Anleihebesitzer das Umschuldungsangebot Athens und zugleich die CAC-Aktivierung ablehnen. Stimmen hingegen mehr als 75 Prozent der Gläubiger dem Angebot zu, wird es komplizierter: Liegt die Zustimmung unter 90 Prozent, kommt es darauf an, ob sich Griechenland und seine öffentlichen Geldgeber mit der Entlastung durch den Schuldenschnitt zufriedengeben. Stimmen hingegen mehr als 90 Prozent der Gläubiger dem Angebot zu, soll der Schuldenschnitt auf jeden Fall durchgeführt werden.

Welche freiwillige Beteiligung wird erwartet?

Die von Griechenland und seinen öffentlichen Geldgebern anvisierte Zustimmung von mindestens 90 Prozent gilt als sehr hohe Zielmarke, die vermutlich nicht erreicht werden wird. Realistischer ist eine Zustimmung zwischen 75 und 90 Prozent sowohl zum Umschuldungsprogramm als auch zu den CACs. Dann würde die Entscheidung, ob die Umschuldung erfolgt und über die CACs auf alle Gläubiger ausgeweitet wird, letztlich bei Athen und seinen Partner-Staaten liegen. Was passiert, wenn mehr als ein Viertel der Gläubiger ablehnen? In diesem Fall soll die anvisierte geordnete Umschuldung nicht weiter verfolgt werden. Griechenland bliebe die Möglichkeit eines „harten“, ungeordneten Schuldenschnitts. Die Konsequenzen sind aber kaum vorhersehbar, sowohl für Athen als auch für seine Gläubiger. Deshalb gilt dieser Fall unter Experten als unwahrscheinlich.

Welche Entlastung ergibt sich für Athens Schuldenstand?

Liegt die Zustimmung der Investoren über 75 Prozent, geht die italienische Großbank UniCredit von einer Schuldenreduzierung um bis zu 110 Milliarden Euro aus. Dieser Maximalwert wird aber nur dann erreicht, falls Athen die Zwangsklauseln aktiviert und den Schuldenschnitt auf alle privaten Gläubiger ausweitet. Sollten die CACs nicht gezogen werden und es zu einem rein freiwilligen Schuldenerlass kommen, hängt die Schuldenreduktion vom Ausmaß der Beteiligung ab.

Griechenlands Regierung hat sich am Dienstag erneut zuversichtlich über den Verlauf des Schuldenschnitts gezeigt. „Viele Halter von Staatsanleihen haben sich bereits gemeldet“, sagte ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos der Nachrichtenagentur dpa in Athen. Genaue Zahlen nannte er nicht. Im Ministerium sei man „optimistisch“. Die Banken und auch andere Geldinstitute hätten eine „einmalige Chance“ einen Schlussstrich unter die Ungewissheit zu ziehen. Hinter vorgehaltener Hand hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums, dass niemand riskieren werde, alles zu verlieren, sollte der angepeilte Schuldenschnitt nicht erfolgreich sein.

Zugleich tauchte heute ein vertrauliches Dokument vom 18. Februar auf, in dem der internationale Bankenverband IIF vor einer unkontrollierten Pleite Griechenlands warnt. Der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geführte Verband fürchtet drastische Folgen, sollte die Umschuldung scheitern. Es sei schwer, die daraus resultierenden Kosten für alle Beteiligten genauer zu beziffern, „aber es ist kaum absehbar, dass sie unter einer Billion Euro lägen“, heißt es darin laut Nachrichtenagentur Reuters.

Mit dem Schreiben untermauert der IIF seinen Appell an Banken, Versicherer und andere Anleihekäufer wie Hedge-Fonds, sich am Rettungspaket privater Gläubiger zu beteiligen. Der Bankenverband malt ein Horrorszenario: Wenn Griechenland falle, bräuchten Italien und Spanien externe Hilfe, um eine Ansteckung zu verhindern.

Kommentare (80)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.03.2012, 09:29 Uhr

K+S erst unter 36
Soll ja was bringen :-)

Realist

06.03.2012, 09:40 Uhr

Deltaone+KeepCool sind nach wie vor flexibel.

Account gelöscht!

06.03.2012, 09:51 Uhr

Stimmt für mein Teil. Aber manchmal muss ich auch Termine wahrnehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×