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12.10.2016

12:35 Uhr

Sorgen um Kapitalstärke

Deutsche Bank holt sich weitere Milliarden am Kreditmarkt

Die Deutsche Bank sammelt derzeit viele Milliarden Dollar über private Platzierungen ein. Offenbar wäre der öffentliche Kapitalmarkt zu risikoreich. Der Kupon für die Papiere kann sich aber auch sehen lassen.

Die Anleiheemissionen waren die ersten für die Deutsche Bank, nachdem das US-Justizministerium von ihr 14 Milliarden Dollar haben will, um Vorwürfe im Zusammenhang mit Hypothekenpapieren (RMBS) beizulegen. AP

Deutsche Bank in Frankfurt

Die Anleiheemissionen waren die ersten für die Deutsche Bank, nachdem das US-Justizministerium von ihr 14 Milliarden Dollar haben will, um Vorwürfe im Zusammenhang mit Hypothekenpapieren (RMBS) beizulegen.

Die Deutsche Bank AG hat im Rahmen einer Privatplatzierung 1,5 Milliarden Dollar aufgenommen – weniger als eine Woche nachdem sie Investoren bereits mit einer Privatplatzierung im Volumen von drei Milliarden Dollar angezapft hatte. Die Renditen waren mehr als doppelt so hoch wie für Anleihen vor einem Jahr.

Die Bank platzierte die Papiere überwiegend bei denselben Investoren, die auch die Abnehmer in der vergangenen Woche waren, wie Bloomberg von einer Person erfuhr, die mit den Vorgängen vertraut ist. Allerdings konnte die Bank die Risikoprämie, die sie bieten musste, bei der jüngsten Platzierung etwas verringern – sie lag bei 290 Basispunkten über der Benchmark, wie weiter verlautete. Bei der Emission am 7. Oktober lag die Renditeprämie bei 300 Basispunkten.

Die Anleiheemissionen waren die ersten für die Deutsche Bank, nachdem das US-Justizministerium von ihr 14 Milliarden Dollar haben will, um Vorwürfe im Zusammenhang mit Hypothekenpapieren (RMBS) beizulegen. Die Forderung hatte Sorgen über die Lebensfähigkeit der Bank und ihre Kapitalstärke hervorgerufen, und der Aktienkurs ist in diesem Jahr um mehr als 45 Prozent eingebrochen.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

„Es wäre für die Deutsche Bank teuer geworden, mit der Emission jetzt an den öffentlichen Kapitalmarkt zu gehen, da sie eine erhebliche Prämie bezahlen muss, und das könnte das Vertrauen der Investoren erschüttern“, sagte Ben Sy, Leiter Fixed Income bei der Privatbankensparte von JPMorgan Chase & Co. in Hongkong. „Die Privatplatzierung zeigt, dass die Bank immer noch Zugang zum Markt für beträchtliche Finanzierungen hat.“

Amy Chang, eine Sprecherin der deutschen Bank in Hongkong, konnte nicht sofort eine Stellungnahme abgeben. Die Bank habe entschieden, die Emission aufzulegen, nachdem sie Anfragen von Investoren erhalte habe, die sich höhere Renditen sichern wollten, die die Bank nun bietet, verlautete weiter.

„Kurzfristig ist es gut für die Deutsche Bank, dass sie Geld beschafft, auch wenn sie dafür einen höheren Aufschlag zahlen muss als sie möchte“, sagte Jonathan Rochford, Portfoliomanager bei Narrow Road Capital in Sydney. „Es schafft Vertrauen bei den Leuten, dass sie Finanzierungen bekommt. Aber die langfristigen Probleme haben sich nicht geändert. Sie sind immer noch unterkapitalisiert.“

Die Papiere im Volumen von 4,5 Milliarden Dollar bieten einen Kupon von 4,25 Prozent und werden 2021 fällig, wie aus Daten hervorgeht, die Bloomberg zusammengestellt hat.

Kommentare (8)

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12.10.2016, 13:31 Uhr

Natürlich wird so eine System unrelevante Bank auch noch von unseren Steuergeldern gerettet. Das einzige was in dieser Bank noch Deutsch ist ist der Name. Dauernd sind irgendwelche Nicht-Deutsche ander Führungsspitze die unsere Mentalität, wie auch meine, gar nicht kennen können. Aber Murksel bezahlt die Zeche, istso noch so von früher gewöhnt. Deshalb aufpassen beim Kreuzchen machen.

Herr Helmut Metz

12.10.2016, 13:38 Uhr

Ein paar Milliardchen sind - mit Verlaub - GAR NICHTS!! (oder "Peanuts", um in der Diktion der DB-Banker zu bleiben).
Das eigentliche Problem der Deutschen Bank ist ihr HEBEL: der ist mit ca. 1:44 jenseits von gut und böse:
"Bereits im Jahre 2011 verfasste der ehemalige IWF-Chefökonom Simon Johnson eine Brandrede, in der er die Deutsche Bank wegen ihres damaligen Hebels von 1:44 als gefährlichste Bank der Welt einstufte. Ein Hebel von 1:44 bedeutet, dass die Deutsche Bank für jeden Euro Eigenkapital 44 Euro Fremdkapital in ihren Büchern stehen hat."
http://www.nachdenkseiten.de/?p=34486
Wenn der Hebel nun in die andere Richtung ausschlägt, nennt man das DELEVERAGING.
Und wenn es beim "Elephant in the Room", der ein geschätztes Derivaten-Exposure von 55 Billionen EUR hat, zu einem massiven Deleveraging kommt, sind ein paar Milliardchen nun einmal lächerlich. Da würde wohl sehr rasch die Summe des deutschen BIP erreicht werden. Und das heißt schlicht und ergreifend: diese Bank ist "too big to bail out".
http://www.zerohedge.com/news/2014-04-28/elephant-room-deutsche-banks-75-trillion-derivatives-20-times-greater-german-gdp
Das wissen die Finanzmärkte, die sind nämlich alles andere als bescheuert, aber Klartext wird in den Medien trotzdem nicht geredet...

Account gelöscht!

12.10.2016, 13:43 Uhr

@H.Metz
haben Sie Wikipedia auswendig gelernt?
Schöne Ansammlung von Fremdworten!
Wen wollen Sie damit beeindrucken?

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