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05.11.2014

13:02 Uhr

Soros beim Handelsblatt Deutschland Dinner

„Die wahre Gefahr ist eine Deflation“

VonKatharina Schneider

Von Inflation will George Soros beim Deutschland Dinner nichts wissen. Die EU fordert er zum Handeln gegen Russland auf. Er erklärt seinen Spekulationserfolg – und dann entweicht ihm ein Kommentar zum Euro-Dollar-Kurs.

Handelsblatt Deutschland Dinner

Starinvestor George Soros im Interview mit Gabor Steingart

Handelsblatt Deutschland Dinner: Starinvestor George Soros im Interview mit Gabor Steingart

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DüsseldorfWenn sich George Soros zu den Finanz- und Devisenmärkten äußert, kann das schnell zu Kursturbulenzen führen. Mit konkreten Investment-Tipps hält sich der Starinvestor deshalb auch beim Handelsblatt Deutschland Dinner lieber zurück. Hilfreiche Denkanstöße gibt er trotzdem. Er erklärt, wie er als Spekulant so erfolgreich wurde, was er vom Kräftemessen zwischen der Europäischen Union und Russland hält und wie er die Zukunft des Euro sieht.

Ein philosophischer und menschenfreundlicher Spekulant sei er, sagt Soros im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Was zunächst widersprüchlich klingt, wird durch seine Erklärung schnell plausibel. Er habe stets versucht, die Welt und die Wirklichkeit zu verstehen. Und das sei gar nicht so einfach, denn „die Wirklichkeit wird durch das eigene Denken beeinflusst“. Deshalb müsse man sich jeden Tag kritisch damit auseinandersetzen, ob die eigene Idee von der Wirklichkeit tatsächlich stimme.

Dass persönliche Überzeugungen einen großen Einfluss auf die Märkte haben können, hat Soros unter anderem mit seiner berühmten Wette gegen das Pfund bewiesen. 1992 setzte er auf den Absturz der Währung, brachte sie mit massiven Devisenverkäufen unter Druck und zwang so die britische Notenbank dazu, sich von den festen Wechselkursen des Europäischen Währungssystems (EWS) zu lösen. Ihm selbst brachte das über Nacht eine Milliarde Dollar ein.

Kein Wunder also, dass viele Handelblatt-Leser diesen Mann einmal live erleben wollten. Rund 400 kamen am Dienstagabend ins Düsseldorfer Ständehaus K21 und hörten dem Amerikaner, der in Ungarn geboren wurde, aufmerksam zu. Soros Vermögen wird vom Forbes Magazin aktuell auf rund 23 Milliarden Dollar geschätzt. „Das ist ungefähr richtig“, bestätigt er im Gespräch mit Steingart. Als junger Mann hatte er sich einst vorgenommen, innerhalb von fünf Jahren 500.000 Dollar zu verdienen und sich dann zur Ruhe zu setzen. Das finanzielle Ziel hatte er schnell übererfüllt, auf ein Rentnerleben scheint er noch immer keine Lust zu haben.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

George Soros mischt sich gerne ein, besonders in die Politik. Und auch an diesem Abend scheut er sich nicht vor klaren Bekenntnissen. Eine eindeutige  Meinung hat er beispielsweise zur Zukunft des Euro: „Solange es die Europäische Union gibt, wird es auch den Euro geben. Wird er doch mal abgeschafft, liegt das an der Politik und nicht am Finanzmarkt.“ Doch aktuell werde die EU durch Russland bedroht – und das obwohl Russland „kein sonderlich attraktives Land“ sei.

Kommentare (42)

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Herr Heinz Schroeder

05.11.2014, 13:15 Uhr

Aufs falsche Pferde gesetzt!
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So scheint es so gar nicht nach den Vorstellungen
und Wetten von George Soros in der Ukraine zu
laufen und er mit der momentanen Entwicklung eine
Menge Geld verlieren wird!

Frau Pia Paff

05.11.2014, 13:21 Uhr

Jetzt steckt den senilen Soros wieder in die Mottenkiste!
Es bleibt einem auch nichts erspart.

G. Nampf

05.11.2014, 13:25 Uhr

„Die wahre Gefahr ist eine Deflation“

... und Elvis lebt.

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