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21.06.2012

13:15 Uhr

Spanien-Emission

Madrid muss mehr für seine Bonds bezahlen

Spanien hat erfolgreich neue Anleihen am Kapitalmarkt platziert. Die Bonds waren gleich mehrfach überzeichnet. Allerdings muss Madrid den Investoren einen hohen Zins zahlen für die Papiere.

Spanien muss seinen Anleihe-Gläubigern einen hohen Zins zahlen. dpa

Spanien muss seinen Anleihe-Gläubigern einen hohen Zins zahlen.

Am Rentenmarkt fassen die Anleger allmählich wieder etwas Mut. Nachdem Spanien zum zweiten Mal in dieser Woche von den Anlegern neues Geld bekam, setzten die Renditen der zehnjährigen Anleihen ihre Abwärtsbewegung fort und entfernten sich damit immer weiter von der als langfristig untragbar Zinshöhen über sieben Prozent. Dagegen nahmen Anleger bei deutschen Bundesanleihen Gewinne mit, so dass deren Renditen leicht anzogen.

Spanien nahm am Rentenmarkt gut zwei Milliarden Euro über zwei-, drei- und fünfjährige Anleihen auf. Dabei musste das Land den Anlegern zwar deutlich höhere Zinsen zahlen. Doch war die Nachfrage relativ hoch, und die Regierung in Madrid konnte sogar etwas mehr Geld einnehmen als ursprünglich geplant. "Eine größere Katastrophe ist ausgeblieben", erklärte Helaba-Analystin Viola Julien. "In Anbetracht der Umstände ist das eine ganz zufriedenstellende Auktion für Spanien, auch wenn die Kosten enorm hoch sind." Die Renditen der spanischen Zehnjährigen rutschten auf 6,53 von 6,77 Prozent am Vorabend.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Dennoch ist die Skepsis weiterhin groß: Italien und Spanien werden nach Einschätzung von Jamie Stuttard von Fidelity Investments in den nächsten 12 Monaten finanzielle Hilfe von außen in Anspruch nehmen müssen. Beide Staaten werden im nächsten Jahr wahrscheinlich über Anleiheauktionen ins Straucheln geraten, so dass Europa offizielle Hilfen für sie bereitstellen muss, um die Währungsunion zusammen zu halten, erläuterte Stuttard, Leiter internationales Bond-Portfolio Management bei Fidelity in London.

Die zwei großen Volkswirtschaften Südeuropas sind zusammen mit 2,8 Billionen Euro verschuldet, was viermal so viel wie die Gesamtsumme von Griechenland, Portugal und Irland ist und die Krisenverteidigung Europas überfordern könnte. Ein Sicherheitsnetz für die beiden Länder könnte sogar die Kreditwürdigkeit Deutschlands beeinträchtigen - es sei denn, die Verantwortlichen ließen eine Beschleunigung der Inflation zu, um den realen Wert ihrer Schulden zu senken, oder eine schwächere Währung würde die Exporte anschieben, sagte Stuttard.

Noch ein Rettungsanker für Spanien? Renditen sinken

Video: Noch ein Rettungsanker für Spanien? Renditen sinken

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Kommentare (2)

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so_what

21.06.2012, 13:50 Uhr

Spanien will die Ergebnisse der externen Prüfung des spanischen Bankensektors durch Wirtschaftsprüfer heute um 17.30 Uhr veröffentlichen.
vor 17 Min (12:49) - Echtzeitnachricht


Noch an diesem Nachmittag erwartet die Euro-Zone den offiziellen Antrag Madrids auf Rettungshilfen für die spanischen Banken.

Zuvor wollen die Beraterunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman der Madrider Regierung ihren Prüfbericht über den Finanzbedarf der Geldhäuser vorlegen.

In der vergangenen Woche hatte Madrid Hilfskredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für den angeschlagenen Bankensektor des Landes akzeptiert.

Spaniens Banken haben sich während eines jahrelangen Immobilienhypes mit Hypotheken verspekuliert – ähnlich wie die Institute in der US-Subprime-Krise. Nun sitzen die iberischen Finanzhäuser auf einem hohen Berg toxischer Kredite.

Wie viel Geld der Staat letztlich zuschießen muss, ist noch unklar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt den Bedarf auf 40 Mrd Euro und den Bedarf für eine umfassendere Rettung auf 80 Mrd Euro.

Die spanische Notenbank hatte die Zahl der in Verzug geratenen Kredite Anfang der Woche gar auf 150 Mrd Euro beziffert.

Die Gutachten der Beratungsunternehmen sollen nun herausstellen, wie viel von den in Rede stehenden 100 Mrd Euro an Rettungsgeldern tatsächlich für die Bankenrettung abgerufen werden müssen.

Die spanischen Regionen sind mit 145 MRD Euro verschuldet, meldet soeben n-tv


der_Mahner

21.06.2012, 14:08 Uhr

Was für ein Quatsch. Madrid zahlt überhaupt NICHTS.

Denn Spanien ist schlicht und ergreifend PLEITE. >40% Jugendarbeitslosigkeit, Faule Kredite im hohen 3 stelligen Mrd.Bereich und Target 2 Salden von 350 Mrd.€.

Der Boom der vergangenen Jahre wurde ausschliesslich über von der EU Subventionierte Immobilien ausgelöst. Der Markt steht vor jedoch vor dem völligen Kollaps.

Die Spanier sammeln reales Geld ein und verkaufen Ihren wertlosen Schrott (Staatsanleihen an die EZB oder die Bundesbank). Die Bürger der BRD garantieren mit Ihrem heutigen Vermögen und Ihrer Arbeitskraft. Die Altersvorsorge wird sich durch währungsreform oder versteckte Inflation praktisch über Nacht in Luft auflösen.

Welcher Privatmann würde ohne dt. Bürgen heute Spanien, Griechland, Zypern, Portugal, Italien, Frankreich usw. auch nur einen Euro leihen. Wohl KEINER

Die Idee von Europa ist gescheitert. Der Euro verhindert für schächere Volkswirtschaften eine fiskalische Steuerung über die eigene Währung. Selbst die schlimmsten befürchtungen der Kritiker wurden zwischenzeitlich übertroffen. Jedem auch nur ansatzweise normal denken Mensch musste klar sein dass dieses Projekt scheitern muss und wird.
Es ist nur zu hoffen dass das Ganze einigermaßen friedlich ablaufen wird. Zwischenzeitlich: allein mir fehlt der Glaube

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