Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.10.2012

09:57 Uhr

Spanien in der Euro-Krise

„Wer zögert, der ist verloren“

VonChristian Panster

Während Anleihe-Gläubiger darauf warten, dass Spanien Finanzhilfen beantragt, lassen sich die Südeuropäer alle Zeit der Welt. Bei vielen Investoren kommt das gar nicht gut an. Sie drohen und warnen vor den Folgen.

Spanische Euro-Münze: Wie lange wartet Rajoy? dpa

Spanische Euro-Münze: Wie lange wartet Rajoy?

DüsseldorfDie Nachricht ist eindeutig: Wenn es so weiter geht, schreibt Justin Knight in einer Mitteilung an seine Kunden, werde das hochverschuldete Spanien schon bald den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren. Womöglich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres. Knight ist Stratege bei der Schweizer Großbank UBS. Und so richtig glücklich ist er nicht darüber, was gerade in Spanien, genauer gesagt: in dessen Hauptstadt Madrid vor sich geht.

Denn Mariano Rajoy, der spanische Regierungschef, weigert sich hartnäckig, einen Rettungsantrag bei der EU in Brüssel zu stellen. Ein solcher ist Voraussetzung dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) über den Sekundärmarkt spanische Staatsanleihen kaufen und so die Refinanzierungskosten des hochverschuldeten Landes drücken zu können. Linderung zu verschaffen.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Rajoy hat seine Gründe. Er will nicht als Bittsteller auftreten; je länger er pokert, umso nervöser werden die Euroretter in Brüssel. Rajoy kann Bedingungen stellen, zumindest hofft und glaubt er das. Eigentlich habe Spanien die Hilfen gar nicht nötig, das ist die Botschaft, die der Regierungschef aussenden mag. Nach Brüssel, vor allem aber an die Investoren in aller Welt. Spanien könne es aus eigener Kraft schaffen. Bei der EU und an den Börsen will man stattdessen vor allem Klarheit. Denn Klarheit bringt Ruhe.

Dass der Regierungschef irgendwann den Hilfsantrag einreichen wird, daran zweifelt niemand. Dennoch fühlen sich viele Investoren hingehalten von Senior Rajoy. Bill Gross etwa, der mächtige Fondsmanager von Pimco, ist einer von ihnen. Über Twitter hat er kürzlich die Spanier aufgefordert, doch möglichst bald einzulenken. „Wer zögert, der ist verloren“, schrieb der weltweit als Bondkönig bekannte Amerikaner. „Spanien sollte seinen Stolz herunterschlucken und jetzt um Hilfe bitten!“ Groß befehligt bei Pimco den größten Anleihefonds der Welt. Seit Wort hat Gewicht an den Börsen.

Spanische Reformbilanz in Zahlen.

Spanische Reformbilanz in Zahlen.

Knight von der UBS fürchtet, dass sich die Spanier noch mindestens bis zum kommenden Jahr Zeit lassen könnten und damit für zunehmende Verunsicherung an den Märkten sorgen würde. Die Renditen für Spanien-Bonds dürften in einem solchen Falle erneut deutlich anziehen, meint der Banker – zuletzt rentierten zehnjährige Anleihen bei etwa 5,5 Prozent. Eine Situation, wie vor wenigen Monaten, als Investoren für diese Bonds mehr als 7,5 Prozent Rendite forderten, sei nicht ausgeschlossen, sondern sogar wahrscheinlich, meint Knight.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.10.2012, 10:04 Uhr

Wenn man den Bankensektor in Spanien betrachtet, stellt man fest, daß nicht nur 10% der Hypotheken-Kredite notleidend sind, sondern auch, daß man den Fehlbetrag in Spaniens Banken auf gut und gerne 600 Milliarden € schätzen kann.

Angesichts der kommenden Euro-Rezession wird sich die Situation in Spanien viel schlimmer entwickeln, als in Griechenland.

Es gibt weitere gravierende Risiken wie Italien und Frankreich.

Ich glaube, das Euro-Debakel tritt langsam in die finale Phase.

Man müßte eigentlich fordern, daß die Regierung noch vor den Wahlen 2013 geschlossen zurücktritt.

Das Problem ist nur, dann kommen wir vom Regen in die Traufe.

Schlaumeier

25.10.2012, 10:08 Uhr

Draghi kauft ja auch zuküftig (nageblich) nicht, ESM hat jedoch nur 500 Mrd. Italien und Frankreich kommen ja nächstes Jahr auch noch (als Bittsteller - sorry, sind ja zu stolz dafür). Wie soll das gehen? Mal ein Lehrsatz an alle Volkswirte. "Je stolzer ein Land, desto pleiter ist es". Stimmt nicht ganz: USA sind garnicht so stolz, dafür aber besonders PLEITE. Alles kapito??

Account gelöscht!

25.10.2012, 10:10 Uhr

Also ich habe Respekt vor allen Rajoy's.
Ein Land will es aus eigener Kraft schaffen, und bekommt dafür Schelte?
Das muß man mir mal erklären. In einer Zeit, wo alles über zuviel Geld, zuviele Schulden, zuviele Banken etc. jammert, wird einem Land, welches ohne noch weitere Kredite, und das sind die Hilfen vom ESM nun mal, auskommen will, eben ohne weiteres fremdes Geld auskommen will, bekommt es die "Keule"?
Ja, was wollt ihr denn? Griechenland müßte ja ein Paradies sein, aber das wollt ihr auch nicht?
Sparen sollen alle schon, aber bitte nicht bei den Krediten?
Alles echt schlaue Leute, diese Anlageberater und Ökonomen, wirklich schlau - lol.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×