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25.03.2013

11:02 Uhr

Spanische Krisenbank

S&P stuft Bankia herab, Aktie stürzt weiter ab

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit der spanischen Bankia um eine Stufe gesenkt. Die Kapitalmaßnahmen seien „nicht so großartig“ wie erwartet. Der Aktienkurs halbierte sich zwischenzeitlich.

Im Visier der Ratingagenturen: Die spanische Bank wird von S&P schlechter bewertet. Reuters

Im Visier der Ratingagenturen: Die spanische Bank wird von S&P schlechter bewertet.

London/MadridStandard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit der spanischen Bankia gesenkt. Die Ratingagentur begründete den Schritt mit Besorgnis, dass die Kapitalmaßnahmen der Bank nicht die erwartete Effektivität haben werden. Das Langfrist-Rating setzte S&P um eine Stufe auf „BB-“ herab. Das liegt drei Stufen unterhalb der Kategorie „Investment Grade“.

Die Bankia-Gruppe hatte für 2012 einen rekordhohen Nachsteuerverlust in Höhe von 21,2 Mrd. Euro ausgewiesen. Die Bank hat Aktiva in der Größenordnung von 22 Milliarden Euro auf eine Bad Bank übertragen, um die Bilanz zu bereinigen.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Die Rating-Entscheidung bringe die Einschätzung zum Ausdruck, dass die Maßnahmen zur Stärkung des Kapitals durch Umwandlung von Hybrid-Anleihen im Volumen von 6,5 Milliarden Euro in Eigenkapital „nicht so großartig sein wird, wie wir zuvor erwartet haben“, teilte S&P mit.

Darüber hinaus senkte S&P auch die langfristige Kreditwürdigkeit von Banco Financiero y de Ahorros, der Konzernmutter von Bankia, um eine Stufe auf „B-“. Den negativen Ausblick für beide Ratings begründete S&P mit „dem schwierigen geschäftlichen Umfeld und dem Risiko, dass sich der Restrukturierungsplan der Bank als nicht erfolgreich erweisen könnte“.

Die Bankia-Aktie fiel an der Börse Madrid am Montag Vormittag um bis zu 52 Prozent.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.03.2013, 11:43 Uhr


im dreiviertel Takt schlägts ein. so wie in Cyprus kurz nach dem Regierungswechsel ( reiner Zufall ). hallo Italia, hallo Slovenia, hallo Ungaria, hört ihr alle die zu rufenden Geisterbanken ?.

Sebastian

25.03.2013, 12:30 Uhr

Ist diese Bank überhaupt noch was wert?!Erstaunlich,dass dieses Papier immer noch gehandelt wird!

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