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21.07.2013

19:24 Uhr

Sparkurs

Stuttgarter-Börse setzt auf die Cloud

Die Börsenbetreiber weltweit sind auf Sparkurs. Mit Fusionen oder Personalabbau versuchen viele, Kosten zu verringern. Die Börse Stuttgart will andere Wege gehen, sagt Vorstandschef Christoph Lammersdorf im Interview.

Christoph Lammersdorf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stuttgarter Börse. Angesichts sinkender Handelsumsätze feilt die Stuttgarter Börse an ihrer Kostenstruktur. dpa

Christoph Lammersdorf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stuttgarter Börse. Angesichts sinkender Handelsumsätze feilt die Stuttgarter Börse an ihrer Kostenstruktur.

StuttgartDie schlechte Stimmung an den Märkten zwingt Börsenbetreiber weltweit zum Sparen. Die auf Privatanleger spezialisierte Börse Stuttgart denkt deshalb nun darüber nach, sogar ihre sensible IT in die Cloud auszulagern.

Die Handelsumsätze in Stuttgart sind 2012 um 18 Prozent dramatisch eingebrochen. Wie läuft es in diesem Jahr?
Derzeit laufen die Geschäfte im Plan - also auf Vorjahresniveau. Wir entwickeln derzeit Konzepte, die unser Geschäftsmodell langfristig erfolgreich machen, selbst wenn das Niveau der Handelsumsätze vorerst niedrig bleiben sollte. Das ist auch die Voraussetzung, unsere Mitarbeiter zu halten - unsere wichtigste Ressource.

Wenn sie keine Mitarbeiter entlassen, wo setzen Sie an?
Wir haben im letzten Jahr begonnen, Fixkosten steuerbar zu machen. Die großen Kostenblöcke bei uns sind Personal und IT-Infrastruktur. Unsere IT nutzt bereits heute intern flexible Serverstrukturen - die sogenannte Cloud. Das geschieht im Moment über kurzfristige Leasing-Verträge, aber wir denken darüber nach, externe Dienstleister zu beauftragen. Bei denen kann man morgens Serverkapazität buchen und sie abends wieder abbestellen.

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Machen Sie sich keine Sorgen um die Sicherheit?
IT-Sicherheit ist für uns als Börse ein zentrales Thema. Wir arbeiten hier mit zwei Rechenzentren. Das macht uns extrem ausfallsicher, da wir jederzeit auf das andere System umschalten können. Die Diskussion um die Aktivitäten des US-Geheimdiensts NSA trägt dazu bei, die Anforderungen an die IT-Service-Anbieter noch weiter zu erhöhen.

Im ersten Halbjahr gingen die Handelsumsätze leicht zurück. Bleibt das Niveau im Jahresverlauf so niedrig?
Das zweite Halbjahr ist erfahrungsgemäß etwas schwächer als das erste, weil die Handelsaktivitäten in den Sommermonaten traditionell gering sind und die Marktteilnehmer im Dezember schon früh die Bücher schließen. Sollte sich die Marktlage nicht fundamental ändern, wird sich im zweiten Halbjahr gegenüber dem ersten nicht viel ändern.

An der Stuttgarter Börse werden vor allem verbriefte Derivate - dazu gehören auch Zertifikate - von Privatanlegern gehandelt. Läuft das noch - fünf Jahre nach der Lehman-Pleite?
Verbriefte Derivate haben sicherlich an Attraktivität verloren. Betrug der Handelsumsatz in Stuttgart im Jahr 2008 über 100 Milliarden Euro, so waren es 2012 rund 42 Milliarden Euro. Damit decken wir allerdings nach wie vor zwei Drittel des deutschen Gesamtmarktes ab und bieten Anlegern die höchste Liquidität.

Jüngst wurde berichtet, die Deutsche Börse in Frankfurt wolle ihren Präsenzhandel ankurbeln. Fürchten Sie, dass der größte deutsche Börsenbetreiber ihnen das Wasser abgräbt?
Ich sehe den Ankündigungen gelassen entgegen. Für eine Börse ist es grundsätzlich schwierig, den Handel durch Werbung anzukurbeln. Stellen Sie sich vor, Sie geben Nachlass beim Transaktionsentgelt. Die Anleger werden deshalb ihre Depots nicht umschichten. Eine Börse hat nur dann eine Chance, wenn bei ihr gute Preise gestellt werden.

Eine ihrer jüngsten Initiativen - Bondm, das Börsensegment für Mittelstandsanleihen - lief aber zuletzt verhalten.
Ich bin überzeugt, dass es weiterhin viele mittelständische Firmen geben wird, die Finanzierungsmöglichkeiten außerhalb der klassischen Bankfinanzierung suchen, ohne eine Aktiennotierung angehen zu müssen. Dabei gibt es Phasen, in denen drei Monate lang keine Emission stattfindet wie zu Beginn des Jahres. Und dann gibt es wieder Zeitfenster wie kürzlich, in denen kontinuierlich neue Emissionen kommen. Das hängt vom Zinsniveau und Marktumfeld ab.

In jüngster Zeit litt der Ruf der Mittelstandsanleihen wegen Problemen mittelständischer Firmen.
Bei Mittelstandsanleihen ist es sehr wichtig, die Chancen und Risiken abzuwägen. Es ist leider nicht immer auszuschließen, dass Anleger angesichts hoher Zinscoupons die Risiken aus den Augen verlieren. Hier kann eine kritische Berichterstattung einen erzieherischen Effekt haben.

Was planen Sie als nächstes?
Üblicherweise setzt die Branche ja auf Fusionen und Zukäufe, um die Auslastung zu erhöhen und Kosten zu senken. Oder aber die Wertschöpfungskette wird durch neue Services und Finanzprodukte ergänzt. Das ist die schwierigere Variante. Wir haben noch etwas in der Pipeline, aber da kann ich noch nicht drüber sprechen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

21.07.2013, 19:36 Uhr

Viel Spass......wie bescheuert muss man denn sein?

Account gelöscht!

21.07.2013, 20:19 Uhr

"Die schlechte Stimmung an den Märkten zwingt Börsenbetreiber weltweit zum Sparen. "

Der Dax steht bei 8332, knapp unterhalb seines Allzeithochs von 8557.....

Wie bekloppt ist denn diese Begründung um den Amis die Datenhoheit zu geben?

K.West

21.07.2013, 20:48 Uhr

Die Antwort steht weiter oben.

Sie müssen sparen.

In der Regel spart man am Datenschutz, was bei amerikanischen Firmen am Leichtesten ist. Dafür bietet sich auch die "Cloud" an. Für Geld geben selbst Bürger Alles - wenn es umsonst ist eben auch die Daten.

Bezüglich Firmen bleibt jedoch die Frage:
"Was darf ein Unternehmen verraten" bzw. verkaufen?
http://www.scilogs.de/chrono/blog/gute-gesch-auml-fte/allgemein/2013-07-08/was-darf-ein-unternehmen-verraten

Hier ist die Politik gefordert - die Strafen für Missbrauchsfälle, insbesondere auch bei den Wiederholungstätern ist zu niedrig. Sie deckt nicht mal einen Bruchteil der Portokassen.

Außerdem lachen bereits europäische Politiker über die Deutschen: http://www.eu-infothek.com/article/vom-bremser-zum-antreiber-stirnrunzeln-eu-ueber-deutschland

Sie werden die nächsten sein, die wir in den nächsten Jahren in der Datenbank für Datenskandale haben.

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