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30.08.2011

13:18 Uhr

Spekulanten

Das Geschäft mit dem Börsenabsturz

Quelle:WirtschaftsWoche

Niemand mag die Spekulanten, die von Aktiencrash und Schuldenkrise profitieren. Doch Verbote bringen nichts. Im Gegenteil: Die Wetten auf fallende Aktienkurse sind gut für die Märkte. So arbeiten die Spekulanten.

Die Anzeigetafel des Deutschen Aktien-Index DAX. dapd

Die Anzeigetafel des Deutschen Aktien-Index DAX.

Düsseldorf, London, New York, FrankfurtJames Chanos, so scheint es, macht mit allem Geld, was fällt. Er verdiente am Niedergang des Energiehändlers Enron vor zehn Jahren, profitierte vom Absturz des US-Immobilienmarkts 2007, der letztlich die Finanzkrise auslöste, und hat jetzt China ins Visier genommen: Alles aufgeblasen, sagt er – und wettet munter auf den Absturz von Chinas Immobilienwirtschaft.

Chanos, 53, dunkle Hornbrille, graue Haare, rundlich, Typ Harvard-Professor, ist Shortseller. Mit seinem sechs Milliarden Dollar schweren Hedgefonds Kynikos Associates setzt er bevorzugt auf fallende Kurse von Aktien, die er sich nur geliehen hat: Leerverkauf oder „Shorten“ nennt sich das. Und funktioniert nicht nur mit Aktien, sondern auch mit Staatsanleihen.

Spekulanten wie Chanos würden mit ihren Wetten Unternehmen, Banken und am Ende auch Staaten in den Ruin treiben, sagen Politiker. „Unsere Entschlossenheit, diese Phänomene zu bekämpfen, ist ungebrochen, unerschöpflich und umfassend“, tönte etwa Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Gipfel mit Angela Merkel in der vergangenen Woche. Als die Aktien französischer Banken abstürzten, verhängten Paris und mehrere andere europäische Regierungen ein Leerverkaufsverbot. Die Kurse beruhigten sich. Die aller anderen Aktien, für die es keine neuen Regeln gab, allerdings auch.

Leerverkäufer, sagt Chanos, sind nützlich. Sie bemerken früher als andere, wenn bei Finanzpapieren etwas faul ist. So schützen sie Investoren davor, Papiere zu teuer zu kaufen. Das Feindbild des kapitalistischen Aasgeiers bekommt bei ihm eine ganz andere Färbung. Was aber sind Shortseller nun wirklich, skrupellose Gierhälse oder nützliche Gesundheitspolizei? Sind sie so gefährlich, wie Manager, Banker und Politiker sagen? Oder führen Verbote von Leerverkäufen ins Leere, sind womöglich sogar schädlich und lenken von anderen, viel gefährlicheren Phänomenen ab?

Für die Politik, die die Schuldenkrise nicht in den Griff bekommt, ist klar: Spekulanten sind schuld am Kursverfall von Staatsanleihen und Aktien. Wirtschaftsminister Philipp Rösler verlangt, „dass hochspekulative Finanzgeschäfte nicht nur in Europa, sondern auch auf der Ebene der G7-Staaten verboten werden“. SPD-Chef Sigmar Gabriel stößt ins gleiche Horn.

Kommentare (12)

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Andreas

30.08.2011, 13:58 Uhr

Ich finde, die Frage sollte nicht sein ob man Shortselling verbietet, sondern wem man es verbietet. Da fallen mir alle Banken ein, die Kundengeld verwalten. Ausserdem sollte man die Möglichkeiten einschränken. Wozu braucht es tausende von Finanzvehikeln, die keiner versteht?

Account gelöscht!

30.08.2011, 13:59 Uhr

Leerverkäufe hin und her, man muss sich generell überlegen wieso das Streuen von Gerüchten überhaupt so einen Erfolg hatte. Dann kommt man nämlich ganz schnell zum eigentlichen Problem, nämlicher der mangelnden Transparenz!

Kein Anleger kann aus den Bankbilanzen herauslesen was für Risiken darin schlummern. Und diese Intransparenz überträgt sich dann aber 1:1 auf die Staaten, welche ja im Notfall Banken retten.

Walter Bagehot sagte hierzu 1873: "Wenn eine terra incognita Probleme hat, ist jede andere terra incognita sofort ebenfalls verdächtig". Wir brauchen also dringend Transparenz!

Man muss auch dringend unterscheiden zwischen Risiko und Ungewissheit (Frank H.Knight, 1921). Roubini bringt hier ein treffendes Beispiel: "Zwei Männer spielen Russisches Roulett mit einem sechsschüssigen Revolver. Eine Patrone befindet sich in der Trommel. Das ist Risiko. Jeder kennt zumindest die Wahrscheinlichkeit des Todes (1:6). Wenn nun aber ein Fremder den beiden Männern einen unbekannten Revolver in die Hand drückt, dann macht es keinen Sinn mehr von Risiko zu sprechen. Es herrscht Ungewissheit." Wenn dann noch jemand das Gerücht streut, der Revolver wäre voll geladen...

Fazit: Finanzmärkte brauchen Transparenz, damit Anleger die Risiken richtig einschätzen können. Ein Verbot von Leerverkäufen löst dieses Problem überhaupt nicht.

Account gelöscht!

30.08.2011, 14:03 Uhr

Das ist eine moderne Form der Geldhortung. Dieses System bindet durch hohe Transaktionsgeschwindigkeit Liquidität. Genau wie früher die Goldmünzen im Sparstrumpf. Man könnte das auch mit einem physikalischen Schwungrad vergleichen welches kinetische Engerie speichert.

Interessant wäre es sich mal zu überlegen was mit der Liquidität passiert wenn man Finanzderivate komplett verbieten würde, oder den Handel per Transaktionssteuer einschränkt.

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