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03.06.2015

10:59 Uhr

Staatsanleihen

Anleiherenditen weltweit auf Rekordkurs

Die Renditen von Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand dieses Jahres geklettert – weltweit. Bessere Konjunkturaussichten und anziehende Preise sind aber nur ein Grund für die extreme Reaktion der Märkte.

In nur wenigen Wochen legten die Renditen europäischer Staatsanleihen spürbar zu. dpa

Kaum zu glauben:

In nur wenigen Wochen legten die Renditen europäischer Staatsanleihen spürbar zu.

DüsseldorfDie durchschnittliche Rendite von Staatsanleihen ist am Dienstag auf 1,34 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit dem 26. Dezember, wie aus Index-Daten von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Die Wertpapiere kommen für das laufende Quartal unter Berücksichtigung von Kuponzahlungen auf Verluste von zwei Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von Japan (BoJ) kaufen beide Staatspapiere in Rekordvolumina auf. Über die geldpolitische Lockerung (QE) versuchen sie, die Wirtschaft anzukurbeln. Die EZB hat ihre Anleihekäufe im Mai vor der Sommerferienzeit noch verstärkt. Die Bestände an Treasuries bei der US-Notenbank liegen nach einem Bondankaufprogramm in den Jahren 2008 bis 2014 nahe an einem Rekordvolumen.

Als Folge sind zwei Dinge geschehen: Die Investoren revoltierten gegen eine Rendite nahe null Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen; sie kippten sie aus ihren Beständen beziehungsweise wetteten auf Kursverluste. Die mangelnde Markttiefe – also zu wenig handelbare Anleihen am Markt – verstärkte dann das Ausmaß der Kursausschläge.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Das geht größtenteils von Europa aus”, sagte Yusuke Ito, Fondsmanager bei Mizuho Asset Management in Tokio. „Wegen der quantitativen Lockerung der EZB ist die Liquidität dort ziemlich knapp. In einer solchen Situation kann die Rendite leicht nach oben oder unten gehen.”

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist von einem Rekordtief bei 0,05 Prozent im April auf 0,72 Prozent gestiegen. Bei zehnjährigen Treasuries kletterte die Rendite von 1,64 Prozent im Januar auf 2,28 Prozent und bei zehnjährigen Japan-Bonds hat sich die Rendite seit Januar mehr als verdoppelt auf 0,46 Prozent.

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Die Renditen steigen angesichts von Anzeichen, dass die Weltwirtschaft auf die beispiellosen Anreize der Zentralbanken reagiert. Im Euroraum sind die Verbraucherpreise im Mai auf Jahresbasis erstmals in sechs Monaten gestiegen, in den USA verstärken sich die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe und die Bauausgaben, wie Daten aus dieser Woche zeigten. In Japan war die Wirtschaft das zweite Quartal in Folge gewachsen.

„Die Regulierungen, die von den Marktteilnehmern eine Verringerung ihrer Risiken verlangen, tragen zu dem Mangel an Liquidität im Markt bei“, sagte Hajime Nagata, Vermögensverwalter bei Diam in Tokio. Eine Folge sei, dass die Marktmacher weniger Bonds im Bestand halten, was zu übertriebenen Bewegungen bei den Wertpapieren führe. „Plötzlich fallen die Bondkurse.“

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Kommentare (2)

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Herr Oliver Klima

03.06.2015, 11:25 Uhr

„Wegen der quantitativen Lockerung der EZB ist die Liquidität dort ziemlich knapp. In einer solchen Situation kann die Rendite leicht nach oben oder unten gehen.”

Diese Aussage halte ich für wenig logisch. Gerade weil die EZB Anleihen als Sicherheit ankauft, sollte die Liquidität auf der Geldseite besonders groß sein. Fakt ist doch vielmehr auch, dass die Chinesen im erheblichen Umfang Anliehen im Dollar und EURO verkauft haben.

Und wie Wahrheit sollte doch auch eher sein, dass die EZB das auch wissen musste. Sie hat also nicht so sehr deshalb das Anleihekaufprogramm aufgelegt weil sie angeblich eine Inflation antreiben wollte, sondern weil der Markt die von den Chinesen gehaltenen Papiere nicht aufgenommen hätte. Und das wäre arg peinlich gewesen, wenn das sichtbar geworden wäre.

Herr Oliver Klima

03.06.2015, 11:38 Uhr

Es wäre doch sehr peinlich für eine Währung, wenn herauskommen würde, dass die Anleihen in Dollar und EURO Trashbonds sind.

Im Prinzip fungieren die Notenbank der USA und die EZB wie riesige Müllschlucker.

Und dies aus folgendem Grund: Man muss sich nur mal vorstellen, welchen Ansehensverlust eine Währung erleiden würde, wenn die Anleihezinsen alter Anleihen so stark steigen würden, dass dieser Anstieg einen sehr hohen Verlust im Vergleich zur Erstanschaffung im Primärmarkt bedeuten würde.

Das würde einen so hohen Vertrauensverlust für die am Markt tätigen Anleihegläubiger bedeuten. Die USA und die EZB mussten daher die Anleihen "ankaufen", wenn sie weiterhin zu günstigen Zinsen Anleihen im Primärmarkt aufnehmen wollen.

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