Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.05.2014

14:46 Uhr

Staatsanleihen

Der Krisengewinner

VonJörg Hackhausen

Er gilt als einer der besten Anleihe-Fondsmanager der Welt, doch diesmal geht Michael Hasenstab eine heiße Wette ein: Er investiert Milliarden in ukrainische Staatsanleihen – obwohl das Land am Abgrund steht.

Die Lage in der Ukraine ist angespannt. Investoren hoffen dennoch auf gute Geschäfte.

Die Lage in der Ukraine ist angespannt. Investoren hoffen dennoch auf gute Geschäfte.

DüsseldorfWer wagt gewinnt – das ist wohl das Motto von Michael Hasenstab (40). In der Vergangenheit hat der Investor damit überraschende Erfolge erzielt. Hasenstab ist der Star von Franklin Templeton – und gilt als einer der besten Anleihe-Fondsmanager der Welt. Diesmal geht er noch einen Schritt weiter: Hasenstab investiert Milliarden in ukrainische Staatsschulden. Geht die Wette auf, ist er der große Gewinner. Doch das Risiko ist enorm.

„Wir mögen durchaus unpopuläre Situationen“, sagte Hasenstab am Rande eines Besuchs in Kiew vor wenigen Wochen. Und weiter: „Die Geschichte stellt sich ganz anders dar als womöglich in den westlichen Medien oder in der verbreiteten Marktmeinung.“ Seitdem sich die Lage noch einmal zugespitzt hat, hat sich Hasenstab nicht mehr geäußert. Er war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Die Berichte aus der Ukraine klingen besorgniserregend. Im Osten des Landes kämpft die ukrainische Armee gegen prorussische Separatisten, die sich von Kiew losgesagt haben. Auf beiden Seiten gibt es Tote. Ein Land kurz vor dem Bürgerkrieg. Und an der Landesgrenze stehen russische Truppen bereit. Sie könnten jederzeit in den Konflikt eingreifen. Russlands Präsident Putin hat erklärt, dass er der russisch-sprachigen Bevölkerung im Ernstfall auch mit Soldaten zur Hilfe zu kommen wird.

Michael Hasenstab ist Chef der Global Bond Group bei Franklin Templeton. dapd

Michael Hasenstab ist Chef der Global Bond Group bei Franklin Templeton.

Abgesehen von einem drohenden Krieg, ist die Ukraine finanziell schwer angeschlagen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte die Kreditwürdigkeit auf „CCC“. Staatsanleihen des Landes gelten damit als hoch spekulative Anlage. Der Internationale Währungsfonds musste gerade erst mit Notkrediten in Höhe von 17 Milliarden Dollar aushelfen. Eine Reihe von Experten rechnet damit, dass dem Land die Pleite droht.

Hasenstab ficht das nicht an. Er hat nach Angaben von Bloomberg ukrainische Staatsanleihen im Wert von 7,6 Milliarden Dollar aufgekauft. Das ist ein enorm großes Investment; selbst wenn man bedenkt, dass Hasenstab als Chef der Templeton Bond Group über ein Anlagevermögen von insgesamt 190 Milliarden Dollar herrscht.

Hasenstab hat aus Franklin Templeton einen der größten Gläubiger der Ukraine gemacht. Die meisten Anleihen hat der Fondsmanager schon vor längerer Zeit gekauft, doch auch in den vergangenen Monaten, als sich die Lage verschlechterte, hat er seinen Bestand noch ausgebaut. Der Anteil beläuft sich auf mehr als ein Viertel aller ukrainischen Staatsschulden, die auf Dollar oder Euro laufen.

„Die Ukraine hat uns aus mehreren Gründen angesprochen: erstens wegen ihres langfristigen Potenzials. Sie ist unglaublich reich an Humankapital und landwirtschaftlichen Ressourcen, und sie liegt strategisch bedeutsam zwischen Europa und dem Osten“, sagte Hasenstab. Das Land habe zwar kurzfristige Haushaltsprobleme, doch kaum Schulden. „Aus Sicht eines Anleiheinhabers war ein Engagement also ausgesprochen sinnvoll.“

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.05.2014, 15:15 Uhr

Mit Verlaub, ich halte derartiges Investitionsverhalten für zutiefst krank.

Account gelöscht!

08.05.2014, 15:18 Uhr

Gehen Sie mal in den Supermarkt ! Dort gibt es "immer mehr minderwertige Lebensmittel natürlich zu Dumping-Preisen". Mit Hilfe dieser Artikel wird der sogenannte "HARTZ4-Einkaufswagen" berechnet, aus dem die Inflation abgeleitet wird.

Heisst also, höherwertige teure Artikel kommen in der Inflations-Statistik garnicht vor.

Deshalb wird uns immer eingeredet, dass der EURO gleichwertig mit der D-Mark geblieben ist und es eine sogenannte "Deflations-Gefahr" gibt.

Es ist einfach eine statistische bewusset LÜGE !!

Inflation NULL Prozent oder gar Deflation stört niemanden, ausser die Aktienmärkte. Denn es MÜSSEN immer höhere Gewinne her - damit niemand verkaufen will und die Blase immer weiter wachsen kann.

---

Draghi als Goldesel von Goldman Sachs soll wieder Geld in den Markt pumpen, damit die Aktienmärkte "neues Futter" bekommen. Dow Jones und Nasdaq sind seine "heiligen Kühe". Um nichts anderes dreht sich sein tägliches Denken und Handeln.

Der ESM ist einsatzbereit (950 Milliarden EUR) und Draghi will ihn sofort PLÜNDERN damit der ganze Staats-Anleihe-Schrott aufgekauft werden kann. Der Mann gehört in einem Veruntreuungs-Prozess verklagt !!!

Account gelöscht!

08.05.2014, 15:20 Uhr

Vielleicht krank, aber nachvollziehbar. Er hat doch die Garantie der Einlösung durch die mindestens ebenso kranke EU. Für einen Investor also schon fast ein "MUSS", sich das Zeug ins Depot zu legen...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×