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06.01.2010

10:43 Uhr

Staatsanleihen

Deutschland eröffnet Emissionsreigen

VonAndrea Cünnen, Gerd Höhler

Deutschland hat sich am Mittwoch als erstes Land im Euro-Raum im neuen Jahr an den Bondsmarkt gewagt und die zehnjährige Bundesanleihe um sechs Mrd. Euro aufgestockt. Analysten und Investoren schauten mit Spannung auf die Emission, gilt diese doch als Startschuss für eine wahre Ausgabeflut innerhalb der Euro-Zone.

Die ausgegebenen Staatsanleihen fanden reges Interesse. ap

Die ausgegebenen Staatsanleihen fanden reges Interesse.

FRANKFURT. Die erste Platzierung einer Staatsanleihe im Euro-Raum in diesem Jahr ist am Mittwoch ordentlich über die Bühne gegangen. Deutschland stockte seine zehnjährige Anleihe um sechs Mrd. Euro auf und bekam dafür Kaufaufträge über 7,6 Mrd. Euro. Damit war die Anleihe solide überzeichnet, und die Durchschnittsrendite der Auktion von 3,38 Prozent lag leicht unter dem Niveau vor der Aufstockung. Analysten und Investoren hatten die Platzierung gespannt erwartet, weil sie der Auftakt für die Rekordemissionen in diesem Jahr ist. Staaten müssen sich so viel Geld beschaffen wie nie, um die massiven Stützungsprogramme für die Konjunktur- und Bankenrettungsprogramme zu refinanzieren. Für den Euro-Raum rechnen Strategen mit Anleiheemissionen über knapp eine Billion Euro. Das wären um die sieben Prozent mehr als 2009 und ein Viertel mehr als 2008.

Deutschland ist traditionell das erste unter den Euro-Ländern, dass die Kapitalmärkte zu Jahresbeginn anzapft. Stets am ersten Mittwoch eines Jahres begibt der Bund eine Anleihe. Deutschland ist zugleich das einzige Land, dass jedes Quartal vorab genaue Termine für Bond-Auktionen festlegt. Damit will der Bund den Anlegern Sicherheit bei der Planung ihrer Investitionen geben.

„Die Auktion war in Ordnung, ist aber noch kein Indiz dafür, dass es im ganzen Jahr so gut weitergehen wird“, sagt Helge Bouchain, Zinsstratege bei der HSH Nordbank. Angesichts der Probleme in Ländern wie Griechenland oder Island seien Bundesanleihen als sicherer Anlagehafen derzeit bei Investoren wieder sehr gefragt. Insgesamt profitierten die Staatsanleihen zudem davon, dass die Investoren – dank der massiven Liquiditätszufuhren der Notenbanken – viel Geld anzulegen hätten. Wenn diese Liquiditätsschwemme abebbe, könne die Refinanzierung für die Staaten schnell teurer werden, meint Bouchain.

Die HSH Nordbank erwartet, dass zehnjährige Bundesanleihen am Ende des Jahres mit 4,25 Prozent rentieren werden. Damit ist sie für die Entwicklung der Bundesanleihen pessimistischer als die meisten anderen Häuser. Im Schnitt erwarten 37 Banken, die das Handelsblatt befragt hat, bis zum Jahresende einen Renditeanstieg auf knapp 3,8 Prozent. Dies läge noch immer unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

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