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09.03.2011

14:55 Uhr

Staatsanleihen

Die Schuldenkrise schlägt wieder zu

Für die Schuldenstaaten wird es wieder eng. Aus Sicht von Experten liegt das auch am Schlingerkurs der europäischen Politik. Lange geht das nicht mehr gut, sagen sie.

Portugal rückt wieder in den Fokus der Märkte. Quelle: dpa

Portugal rückt wieder in den Fokus der Märkte.

LissabonPortugal hat sich am Mittwoch am Finanzmarkt eine Milliarde Euro geliehen, musste dabei jedoch hohe Zinsen in Kauf nehmen. Bei der Emission zweijähriger Staatsanleihen verlangten Investoren eine Durchschnittsrendite von 5,993 Prozent und damit deutlich mehr als bei der vergangenen Auktion, als das Land noch mit 4,086 Prozent davongekommen war. Die Nachfrage überstieg das Angebot um das 1,6-Fache. Portugal reizte bei der Schuldenaufnahme die zuvor genannte Spanne von 750 Millionen Euro bis eine Milliarde Euro voll aus.

Das südeuropäische Land versucht, sich aus eigener Kraft auf dem Kapitalmarkt zu finanzieren. Das Stigma, um Hilfe bitten zu müssen, will man um jeden Preis vermeiden. "Ich würde es einen symbolischen Schritt nennen", sagte Dirk Poelman, Anleihefondsmanager bei KBC Asset Management, gegenüber Bloomberg. "Sie machen gute Miene und sagen 'Wir können immer noch an den Markt gehen'. Allerdings sind die Bedingungen, speziell für länger Laufzeiten, kaum noch zu stemmen."

"Dieser Zins ist nicht durchzuhalten", sagte auch Norbert Aul, Stratege der Royal Bank of Canada in London. "Die nächsten Finanzierungsrunden im April und Juni werde noch schwieriger, so dass es immer wahrscheinlicher wird, dass Portugal um Hilfe bitten muss."

Nicht nur für Portugal, auch für andere hochverschuldete Staaten hat sich die Lage zuletzt wieder verschärft. Irlands Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wird zurzeit mit einem Zinsaufschlag von gut sechs Prozentpunkten zur deutschen Benchmark-Anleihe gehandelt. Das sind 70 Basispunkte mehr als Anfang Februar. Ein ähnliches Bild ergibt sich für griechische oder spanische Papiere.

Aus Sicht von Experten liegt das auch am Schlingerkurs der europäischen Politik.Nach dem Schreck der Griechenland- und Irlandkrise, die eine Kapitalflucht aus Schuldverschreibungen schwächerer EU-Staaten ausgelöst hatte, hatte sich die Politik die Messlatte ziemlich hoch gelegt. So kündigte EU-Währungskommissar Olli Rehn eine "überzeugende und umfassende Strategie" an, um die Schuldenkrise zu beenden. "Deutschland und Frankreich sind fest entschlossen, dass 2011 das Jahr des neuen Vertrauens in den Euro sein wird", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch beim EU-Gipfel am 4. Februar versprochen. Doch passiert ist bislang wenig.

Kommentare (7)

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Bronski

09.03.2011, 15:18 Uhr

Was heißt da Schlingerkurs? Der Euro ist gescheitert. Es wäre sinnvoll, sich nach Alternativen umzusehen ohne dass die EU als solches noch größeren Schaden nimmt. Alles Andere ist einfach nur nicht nachvollziehbarer Wolkenkuckucksblödsinn. Schade eigentlich, weil die Politiker, die die Situation verschuldet haben, keinen Weg zurück gehen können. Den weiteren Schaden, den sie damit überall anrichten, geht ins Unermessliche. Wirklich bedauerlich.

r.lenkewitz@ocmts.de

09.03.2011, 16:08 Uhr

Die Schulden müssen komplett abgeschrieben werden. Eine Rückzahlung über das BNE und Einsparungshärten gefährdet die Menschen immer mehr! Die Wirkungen der erhöhten Geldmengen und Bankenrettungen sehen wir bereits überall. Lesen sie meinen Blog: Re-Design des Finanzsystems http://www.freiewelt.net/blog-2969/re-design-des--finanzsystems-als-neue-grundlage.html

Thomas

09.03.2011, 17:04 Uhr

Das der Euro von vornherein eine Totgeburt war und ist, hat nichts mit Populismus oder Papageien-Plapperei der "geistigen" Unterschicht zu tun. Jeder der einigermaßen volkswirtschaftlich gebildet ist, weiß das feste Wechselkurse zwischen unterschiedlichen, eng verflochtenen Volkswirtschaften (wie es sie in den 1920er per schlecht implementierten Goldstandard oder heutzutage per Euro gab/gibt) früher oder später zum Chaos führen muß. Das hat auch nur für kurzsichtige Leute was mit Nationalismus zu tun. Weder den Griechen, noch den Iren oder Portugiesen ist mit einer starken Währung, wie sie Deutschland benötigt, geholfen. Eine Währung spiegelt langfristig die Stärke einer Wirtschaft wieder. Ansonsten bauen sich erhebliche volkswirtschaftliche Divergenzen auf. Die Folgen können nun live und Farbe betrachtet werden.
Im Endeffekt ist weder den schwachen Ländern mit zu starker Währung noch den starken Ländern mit zu weicher Währung (und zu niedrigen Zinsen -> Inflation, erst in Assetklassen, dann Realwirtschaft) gedient. Der Euro war niemals ein ökonomisch sinnvolles Konstrukt, sondern rein politisch motiviert, um Deutschland bzw. dessen Wirtschaft im Zaum zu halten. Deswegen mußte Kohl damals Mitterrand die Teilnahme am Euro zusagen, um die Erlaubnis für die Wiedervereinigung durch die Veto-Macht Franksreichs (als Mitglied der vier Siegermächte) zu erhalten.

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