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11.04.2014

15:48 Uhr

Staatsanleihen

Euphorie über Griechenland-Comeback verpufft

Erstmals seit Jahren hat Griechenland wieder Anleihen ausgegeben. Schon einen Tag später ist die Euphorie verflogen. Auch Bundesanleihen sind längst nicht mehr so gefragt wie früher.

Griechenland ist an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Für Jubel ist es aber noch zu früh. dpa

Griechenland ist an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Für Jubel ist es aber noch zu früh.

FrankfurtAm Tag nach der erfolgreichen Platzierung einer Anleihe ist die Euphorie über das Comeback Griechenlands am Kapitalmarkt wieder verpufft. Anleger warfen Bonds des Mittelmeer-Anrainers am Freitag wieder aus ihren Depots. Daraufhin stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Titel auf 6,333 Prozent von 5,858 Prozent am Vortag. „Es ist zwar großartig, dass Griechenland wieder gewissen Zugang zum Kapitalmarkt hat“, sagte Analyst Owen Callan von der Danske Bank. „Aber der Weg der Genesung ist noch lang.“

Die Rendite der am Vortag platzierten fünfjährigen Titel stieg dem Datenanbieter Tradeweb zufolge um 18 Basispunkte auf 5,13 Prozent. „Es ist ziemlich offensichtlich, dass viele der Käufer nicht zur 'Kaufen und halten'-Typus zählen“, sagte ein Börsianer. Vielmehr handele es sich um spekulativ orientierte Anleger.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Gestern war die Freude noch groß, als Griechenland erstmals seit Beginn der Schuldenkrise eine fünfjährige Anleihe am Markt platzieren konnte. Die Auktion hat drei Milliarden Euro eingespielt. Das waren 500 Millionen Euro mehr als Analysten erwartet hatten. Die Rendite lag bei 4,75 Prozent.

Die Griechen hätten wohl sogar noch deutlich mehr einnehmen können. Das Angebot sei „mindestens acht Mal überboten“ worden, frohlockte der griechische Vizeministerpräsident Evangelos Venizelos im griechischen Fernsehen. Der Zinssatz falle niedriger aus, als man ursprünglich erwartet hätte. Die Reaktion der Märkte sei „ermutigend“, sagte Venizelos.

Es sollen Gebote über 20 Milliarden Euro eingegangen sein, hieß es in Finanzkreisen. Die Emission wurde von der Bank of America Merrill Lynch, der Deutschen Bank, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan und Morgan Stanley organisiert, die die Anleihen direkt bei Großinvestoren untergebracht haben. Mehr als 500 Anleger sollen für die Papiere geboten haben.

Erst Irland, dann Griechenland - und im kommenden Jahr auch wieder Zypern: Die Euro-Krisenländer kehren Schritt für Schritt zurück an den Kapitalmarkt, von dem sie lange Zeit abgeschnitten waren. Auch Spanien und Italien kommen wieder leichter zu Geld.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

11.04.2014, 15:41 Uhr

Zitat: "Vielmehr handele es sich um spekulativ orientierte Anleger."

....und mit den Steuergeldern der EU-Bürger läßt es sich schließlich vortefflich spekulieren.
Mario Draghi sei dank!

Account gelöscht!

11.04.2014, 16:03 Uhr

Oh Mann wenn sie Steuergelder zahlen ist dieses Geld weg
es ist einfach weg. Ob damit nun Arbeitslose,Rentner oder
was auch immer bezahlt werden. Fakt ist für Sie es ist
weg. Sie haben keinen Anspruch mehr dadrauf.

Und wir haben doch gar keine Steuergelder weil alle immer
wieder neue Schulden machen.

Wichtig ist nicht wieviele Schulden man hat sondern bei
wem.

Ohne Schulden kein Wachstum weil einfach kein Geld da ist.

Account gelöscht!

11.04.2014, 17:44 Uhr

War da jemals Euphorie? Zumindest bei echten Experten war diese PR-Anleihe doch von Anfang an durchgefallen.
Immerhin haben Soros und seine Hedgefonds-Freunde ein wenig Taschengeld dazu verdient, kindly guaranteed by German Taxpayer. lol.

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