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01.08.2013

17:11 Uhr

Staatsanleihen

Gewinnmitnahmen drücken Bund-Future

Die Bonds der großen Euro-Staaten waren vor der Bekanntgabe der EZB-Zins-Entscheidung gefragt. Danach sah es deutlich anders aus: Der Markt war enttäuscht darüber, dass es kein neues, noch billigeres Geld geben wird.

Eine spanische Ein-Euro-Münze: Die Zinsen für die Anleihen des Landes gaben moderat nach. dpa

Eine spanische Ein-Euro-Münze: Die Zinsen für die Anleihen des Landes gaben moderat nach.

FrankfurtDie Beibehaltung des derzeitigen geldpolitischen Kurses der EZB hat am Rentenmarkt beim Bund-Future Gewinnmitnahmen ausgelöst. Hinzu kamen Konjunkturdaten aus den USA, die als Signal für eine letztlich doch zügige Drosselung der Wertpapierkäufe durch die Fed ausgelegt wurden. Der Terminkontrakt rutschte leicht ins Minus, nachdem er vor der EZB-Entscheidung noch über 70 Ticks im Plus gelegen hatte.

Die EZB hatte ihren Leitzins wie erwartet bei 0,5 Prozent belassen. Zentralbank-Chef Mario Draghi bekräftigte bei der anschließenden Pressekonferenz seine „Forward Guidance“ und erklärt, die Zinsen würden für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder niedrigeren Niveau bleiben.

Die umstrittenen Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB

10. Mai 2010

Als die Schuldenkrise zum ersten Mal in Griechenland eskaliert, beschließt der EZB-Rat den Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder. Damit wirft die EZB erstmals in ihrer Geschichte de facto die Notenpresse an, um Krisenländern zu helfen und das politische Projekt der Gemeinschaftswährung nicht zu gefährden. In der Folge kauft sie für mehr als 200 Milliarden Euro Papiere von Griechenland, Irland und Portugal.

8. August 2011

Die EZB dehnt unter dem Druck der sich verschärfenden Schuldenkrise ihre Staatsanleihen-Käufe auf Spanien und Italien aus. Zudem wird bekannt, dass der damalige Notenbankchef Jean-Claude Trichet Briefe an die Regierungschefs dieser Länder, Silvio Berlusconi und Jose Luis Zapatero, geschrieben hat, in denen er ihnen Ratschläge für eine nachhaltige Finanzpolitik und Haushaltsführung erteilt. Der Brief an Berlusconi, den auch Trichets designierter Nachfolger - Italiens Notenbankchef Mario Draghi - unterzeichnet, wird zum Politikum.

2. August 2012

Draghi, mittlerweile EZB-Präsident, kündigt angesichts der immer weiter eskalierenden Krise ein neues Anleihen-Kaufprogramm an. Wenige Tage zuvor hatte er in London völlig überraschend erklärt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Heftiger Widerspruch kommt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

6. September 2012

Der EZB-Rat beschließt das von Draghi einen Monat zuvor angekündigte Anleihe-Kaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions). Es ist an Bedingungen geknüpft, etwa dass ein Land, um in den Genuss der Hilfe durch die Notenpresse zu kommen, unter den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen muss. Im Gegenzug erklärt sich die EZB bereit, theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Begründet wird das Programm, das im EZB-Rat gegen den Widerstand Weidmanns durchgesetzt wurde, mit einer Störung der Geldpolitik in den 17 Euro-Ländern.

12. September 2012

Das Bundesverfassungsgericht gibt in einem Eilverfahren grünes Licht für den ESM. Das Gericht kündigt zudem an, bei der Hauptverhandlung auch die Rettungspolitik der EZB unter die Lupe zu nehmen - und damit vor allem das Anleihe-Kaufpogramm OMT.

Offenbar sei im EZB-Rat aber über eine Zinssenkung aktuell nicht gesprochen worden, erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf zu den Aussagen Draghis. „Der Markt ist darüber ein wenig enttäuscht. Die EZB scheint nicht bereit zu sein, die Zinsen weiter zu senken und trägt damit den besseren Konjunkturdaten aus der Euro-Zone Rechnung.“ Die Anleihen aus Spanien und Italien behaupteten dagegen ihre Gewinne, so dass sich die Renditen kaum veränderten.

Die US-Daten signalisierten eine Konjunkturerholung in der weltgrößten Volkswirtschaft. Der ISM-Einkaufsmanagerindex war im Juli auf 55,4 Punkte von 50,9 Zählern geklettert. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf 52,0 Zähler gerechnet.

Von

rtr

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