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25.01.2010

14:39 Uhr

Staatsanleihen

Griechenland besteht ersten Härtetest

VonAndrea Cünnen

Das schuldengeplagte Griechenland hat eine Anleihe im Volumen von acht Mrd. Euro an den Märkten platziert – mit Erfolg. Die gestiegenen Risikoaufschläge für Staatsanleihen des Euro-Landes sorgen für reges Interesse. Die Furcht vor einem Staatsbankrott ist damit zunächst gebannt, allerdings muss Athen den Investoren über sechs Prozent Zinsen bieten.

Gute Nachrichten für Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou: Die erste Anleiheauktion des Jahres kam bei Investoren gut an. Reuters

Gute Nachrichten für Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou: Die erste Anleiheauktion des Jahres kam bei Investoren gut an.

FRANKFURT. Das hochverschuldete Griechenland hat gestern eine erste wichtige Hürde am Finanzmarkt genommen.

Athen platzierte seine erste Staatsanleihe des Jahres. Sie war mit einem Volumen von acht Mrd. Euro deutlich höher als erwartet. Die Nachfrage nach den Papieren mit fünfjähriger Laufzeit war mehr als dreimal so hoch wie das Angebot. Über 600 verschiedene institutionelle Anleger wie Fonds, Banken und Zentralbanken zeichneten die Anleihe und gaben Kaufaufträge über rund 25 Mrd. Euro ab.

Allerdings zahlen die Hellenen mit einer voraussichtlichen Rendite von etwas über sechs Prozent einen hohen Preis. Der Aufschlag zur fünfjährigen Bundesanleihe liegt bei rekordhohen 3,8 Prozentpunkten. Auch im Vergleich zu anderen angeschlagenen Euro-Ländern wie zum Beispiel Portugal ist der Renditeaufschlag von knapp drei Prozentpunkten extrem hoch.

Die neu gewählte griechische Regierung hatte im vergangenen Oktober die Neuverschuldung für 2009 über Nacht auf 12,7 Prozent fast verdoppelt und damit die Finanzmärkte geschockt. Seither steht das traditionell defizitäre Land unter scharfer Aufsicht der EU.

Seit Tagen hatten Händler spekuliert, ob Griechenland es vor diesem Hintergrund schaffen würde, genügend Investoren für den Bond zu finden. Die Kurse griechischer Staatsanleihen waren in der vergangenen Woche nochmals massiv unter Druck geraten. Die große Nachfrage nach dem ersten Bond des Jahres sei „ein gutes Signal für Griechenland, und die unmittelbaren Spekulationen über einen Zahlungsausfall sollten damit vom Tisch sein“, sagte Ralph Berlowitz, bei der Deutschen Bank federführend zuständig für die Platzierung für Staatsanleihen. Die Deutsche Bank organisierte den Verkauf der Griechen-Bonds gemeinsam mit fünf anderen Häusern.

Gebannt ist die Gefahr eines Staatsbankrotts nach Ansicht von Christoph Rieger, Zinsstratege bei der Commerzbank, aber noch nicht. So werden im April griechische Staatsanleihen über acht Mrd. Euro fällig. Die sind jetzt vorfinanziert. Insgesamt will Griechenland in diesem Jahr aber neue Anleihen über 53 Mrd. Euro begeben.

Griechische Zinspapiere stehen seit Ende vergangenen Jahres stark unter Druck. Doch nicht nur Griechenland belastet die Finanzmärkte. Zu den Wackelkandidaten gehören auch Portugal, Irland und Spanien. Der Euro reagierte seither mit starken Kursabschlägen zum US-Dollar. Die Regierung in Athen legte kürzlich einen Sparplan vor und will die Defizitquote bis 2012 wieder unter die für Euro-Länder erlaubte Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken.

Volkswirte bezweifeln jedoch, dass dies gelingt, unter anderem wegen der Proteste der Bevölkerung gegen die Sparmaßnahmen. Für den 10. Februar hat die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes zu einem Generalstreik aufgerufen. Gestern demonstrierten Hunderte Landwirte in Athen für höhere Subventionen.

Dass Investoren dennoch so beherzt bei der neuen griechischen Anleihe zugriffen, erklärt Berlowitz von der Deutschen Bank unter anderem mit dem Vertrauen darauf, dass die Europäische Union Griechenland nicht fallen lässt. „Die stärkeren Länder können Griechenland auffangen und werden dies im Zweifelsfall unter strengen Auflagen auch tun“, sagt auch Jörg Warncke, Fondsmanager für Staatsanleihen bei Union Investment. Zudem biete Griechenland eine verlockende Rendite, die viele theoretische Bedenken in den Hintergrund dränge. Andrea Cünnen

Kommentare (7)

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AJ

25.01.2010, 16:59 Uhr

Als "Schnäppchen" würde ich Anleihen mit einer Rendite von etwa 5% und einem maroden Emittenten, der in betrügerischer Absicht jahrelang Statistiken, bilanzen und Haushaltsposten gefälscht hat, nicht bezeichnen. Jeder, der für so eine geringe Rendite so ein Risiko in Kauf nimmt, wird über kurz oder lang mal gegen eine Wand fahren ...

aruba

25.01.2010, 18:44 Uhr

Guten Tag,..... Griechen!!!!??????? besten Dank

euro

25.01.2010, 19:07 Uhr

Die Griechen haben über Jahre EU-Subventionen missbraucht. Extremste Korruption ist Alltag. Und jetzt wil dieses quasi bankrottes Land uns locken mit ein bisschen mehr Zinsen um später die Rückzahlung zu verweigeren!NEiN DANKE!Auch nicht bei 10 % Zinsen!

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