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05.12.2016

13:13 Uhr

Staatsanleihen

Italiens Gläubiger lassen sich nicht schockieren

VonAndrea Cünnen

Das Ergebnis der Volksabstimmung in Italien sorgt an den Anleihemärkten kurz für Wirbel. Mittlerweile jedoch erholen sich die Kurse italienischer Staatsanleihen. Eine Spurensuche.

Nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum will Italiens Premier zurücktreten. Imago

Matteo Renzi bei einem Besuch von Italiens Börse

Nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum will Italiens Premier zurücktreten.

FrankfurtMit dieser Reaktion hätte kaum jemand gerechnet: Die Italiener haben ihren Premier Matteo Renzi abgestraft und klar gegen dessen geplante Verfassungsreform votiert. Doch von Unsicherheit ist an den Märkten keine Spur. Im Gegenteil: Die Aktienmärkte steigen, und Investoren verabschieden sich von den als sicherer Anlagehafen geltenden deutschen Bundesanleihen. Im Gegenzug zum fallenden Kurs steigt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wieder über die Marke von 0,3 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 0,04 Prozentpunkten gegenüber dem Freitag.

„Vor dem Referendum in Italien waren die Bund-Renditen bereits deutlich gesunken, von daher war das Potenzial für weitere Renditerückgänge begrenzt“, meint Christoph Rieger, Leiter der Zins- und Kreditstrategie bei der Commerzbank. Zudem hätten die Investoren inzwischen Erfahrungen mit überraschenden Wahlausgängen. „Nach dem Brexit-Votum und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hielten die Schocks und die Flucht in die sicheren Anlagehäfen schließlich nur kurz an“.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Mit Blick auf die Bundesanleihen sind 0,3 Prozent Rendite für zehnjährige Papiere nicht viel. Auch bei italienischen Anleihen hält sich der Renditeanstieg in Grenzen. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe klettert zwar um 0,11 Prozentpunkte auf zwei Prozent. Mitte November hatte sie aber sogar noch etwas höher gelegen. „Italiens Anleihemärkte hatten die Ablehnung der Verfassungsreform schon größtenteils eingepreist“, meint Adrian Hilton, Anleiheportfoliomanager bei Columbia Threadneedle Investments.

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Dennoch sind die Renditeanstiege bemerkenswert – gerade bei Bundesanleihen. Denn bis zum Herbst kannten die Bundesanleihen nur eine Richtung: Die Kurse stiegen und die Renditen fielen immer weiter. Ihr historisches Tief hatte die Rendite der zehnjährigen Bundesanliehe im Juli mit minus 0,2 Prozent markiert. Auch im September lag sie immer noch 0,15 Prozent im Minus. Anleger, die damals eine zehnjährige Bundesanleihe kauften und sie bis zur Fälligkeit halten, machen somit einen kleinen Verlust.

Der Wind hat sich aber gedreht. Immer mehr Experten sprechen davon, dass der mehr als 35-jährige Bullenmarkt mit weltweit steigenden Anleihekursen und fallenden Renditen zu Ende geht. Das verunsichert Investoren.

Für den Umschwung gibt es mehrere Gründe: Zum einen machen sich Anleger wieder Sorgen über die Inflation. Die Ursachen dafür sind der gestiegene Ölpreis und die angekündigte Politik des designierten US-Präsidenten Donald Trump. Trump will die Wirtschaft über ein Konjunkturprogramm und Steuersenkungen ankurbeln. In den USA ist herrscht aber schon jetzt nahezu Vollbeschäftigung. Die Folge: „Mit Trump ist das Schreckgespenst der Inflation nach Amerika zurückgekehrt“, sagt Brian Tomlinson, Fondsmanager bei Allianz Global Investors.

Kommentare (20)

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Herr Percy Stuart

05.12.2016, 13:24 Uhr

Neue Schulden bedeuten bei den „Investoren“ gleichzeitig neue Vermögenszuwächse.
Schulden und Vermögen sind immer zwei Seiten der gleichen Medaille.
Entweder es kommt der ITAEXIT, inkl. Neu-Lira und einer Abwertung, oder die Verschuldung steigt im Euro weiter bis zur endgültigen Banken- und Staatspleite an - ist doch so!

Account gelöscht!

05.12.2016, 13:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Percy Stuart

05.12.2016, 13:31 Uhr

@ Marc

Deutschland haftet für die Eurozone mit ca. 27%.

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