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14.06.2011

09:42 Uhr

Staatsanleihen

Ökonomen bezweifeln Bewertung von Sicherheiten

VonMarietta Kurm-Engels

Die Einschätzung der EZB von irischen und deutschen Staatsanleihen in die selbe Risikokategorie hat Ökonomen verwundert. Grundlage für das Rating ist nur die Bewertung der kanadischen Agentur DBRS - das sorgt für Kritik.

Die EZB-Einstufung hat für Verwunderung gesorgt. Quelle: dpa

Die EZB-Einstufung hat für Verwunderung gesorgt.

FrankfurtZur Verwunderung vieler Volkswirte stuft die Europäische Zentralbank (EZB) irische Staatsanleihen als genauso sicher ein wie deutsche, wenn Banken sie als Sicherheiten für Refinanzierungsgeschäfte mit der EZB hinterlegen. „Es ist sehr, sehr eigenartig, dass Irland und Deutschland im Sicherheitenrahmen der EZB in die gleiche Risikokategorie fallen“, sagt Carsten Brzeski, Volkswirt bei der ING Gruppe in Brüssel.

Die Erklärung: Die EZB stützt sich bei der Bewertung der Sicherheiten auf die Ratings von vier Ratingagenturen – Standard & Poor’s, Moody’s Investors Service, Fitch Ratings und die kanadische DBRS. Maßgeblich für die EZB ist dabei das jeweils beste Rating, und zwar unabhängig von der Agentur. Und die DBRS, die kleinste der Ratingagenturen, hat irische Staatsschulden in die beste Kategorie der Sicherheiten eingeordnet. Die drei großen Agenturen haben irische Staatsanleihen dagegen längst herabgestuft. „Wie ist es nur möglich, dass so eine kleine Ratingagentur das Zünglein an der Waage ist?“ wundert sich Brzeski. „Wieso macht sich die EZB von einer einzigen positiven Bewertung so abhängig? Wahrscheinlich sollte sie ihre Politik überdenken.“

In der Tat machen die Regeln der EZB keinen Unterschied zwischen den sichersten Anleihen des Euro-Raums, den deutschen, und den Anleihen Irlands. Dabei schlüpfte das Land im vergangenen Jahr unter den Rettungsschirm der EU, als sein Bankensektor kurz vor dem Zusammenbruch stand. Ohne das positive Rating von DBRS wäre es für irische Banken viel schwieriger, sich Liquidität bei der EZB zu besorgen. Die Notlage der Institute wäre noch größer.

Kommentare (2)

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Grauhut

14.06.2011, 12:11 Uhr

Und ich dachte bisher ja Irland wäre am 31.3. vom Rating ganz ausgenommen worden...

"Der Bonitätsschwellenwert des Eurosystems gilt nicht für von der irischen Regierung begebene marktfähige Schuldtitel. Diese Sicherheiten stellen ungeachtet ihres externen Ratings notenbankfähige Sicherheiten für die geldpolitischen Operationen des Eurosystems dar."


Der Bank of Ireland und den Allied Irish Banks gehts halt gerade nicht so gut, aber der Bankrun auf AIB, von dem die BBC berichtet ist bestimmt bald wieder vorbei. Solche Kleinigkeiten muss man ja in Deutschland nicht berichten.

Und das macht ja auch alles nichts aus, ist doch kein Problem, wenn EU Irish-A und CCC Super-Papiere im TARGET2 System per CCBM hinterlegt werden, aus solchen Salden und deren Besicherung können ja schließlich eigenständigen Risiken entstehen.

Das ist so sicher wie die Renten und niemand hat vor eine Mauer zu bauen!

berkmann

14.06.2011, 18:39 Uhr

Die EZB macht sich immer lächerlicher.
Außerdem hat sie Anleihen von Griechenland und anderen gekauft, was sie nicht darf.
Ach wie schön war das mit unserer Bundesbank. Das waren noch Männer von Ehre, nicht solche Figuren wie Herr Trichet.
Wer befreit uns vom Euro und der EZB?

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