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10.01.2011

10:27 Uhr

Staatsanleihen

Portugal schürt neue Nervosität an den Märkten

VonAndrea Cünnen, Anne Grüttner

Die Lage an den Finanzmärkten spitzt sich weiter zu. Trotzdem will Portugal am Mittwoch seine Anleihen aufstocken. Dabei nähern sich die Renditen kritischen Grenzwerten. Auch die Spanier wollen den Appetit der Investoren testen. Alles deutet auf eine schwierige Anleiheplatzierung hin. Die Investoren suchen lieber das Weite.

Für Portugal dürfte es schwer werden, neue Anleihen an den Mann zu bringen. Reuters

Für Portugal dürfte es schwer werden, neue Anleihen an den Mann zu bringen.

FRANKFURT/MADRID. Die Sorge, dass die europäische Schuldenkrise mit Portugal ein weiteres Opfer fordern könnte, hat die Nervosität an den Märkten zu Wochenbeginn deutlich ansteigen lassen. An den Anleihemärkten flüchten Anleger aus den Schuldpapieren der Krisenstaaten, der Euro fällt im Sog unter 1,29 Dollar und auch an den Aktienmärkten dominieren die Minuszeichen. Der Deutsche Aktienindex verliert 0,5 Prozent und droht unter die Marke von 6 900 Punkten zu fallen. Wie unruhig die Anleger sind zeigt sich am Volatilitätsindex VDax, der zu Wochenbeginn um sieben Prozent anstieg.

Am Wochenende hatten sich die Spekulationen verschärft, dass Portugal als zweites Land nach Irland unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss. Berichte, dass Frankreich und Deutschland das hoch verschuldete Land dazu drängen würden, wurden zwar dementiert. Zur Beruhigung des Marktes hat dies allerdings nicht beigetragen. Am Morgen zogen die Risikoaufschläge portugiesischer Staatsanleihen weiter an.

Trotzdem will Portugal am Mittwoch seine Anleihen aufstocken. Dabei nähern sich die Renditen kritischen Grenzwerten. Investoren verlangen mittlerweile mehr als sieben Prozent Zinsen dafür, wenn sie dem Land längerfristig Geld leihen sollen. Das zeigte sich an der Rendite der portugiesischen Staatsanleihe, die in knapp zehn Jahren zurückgezahlt werden muss: Sie stieg vergangene Woche auf ein Niveau von 7,2 Prozent.

Pikant daran: Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos hatte im Oktober gesagt: Wenn die Zinsen über sieben Prozent stiegen, rücke die Bitte um internationale Kredithilfen in greifbare Nähe. Damals lag die Rendite zehnjähriger portugiesischer Bonds erst bei 5,5 Prozent. Der Finanzminister habe sich im Oktober nicht vorstellen können, dass die sieben Prozent in nicht allzu ferner Zukunft erreicht werden könnten, rudern portugiesische Regierungsvertreter zurück.

Doch jetzt will Teixeira dos Santos es wissen: Am Mittwoch testet die Regierung den Appetit der Investoren und stockt eine 2020 und eine 2014 fällige Anleihe auf. Die WGZ-Bank fragt in einem Research-Bericht, ob dies der "Mut des Verzweifelten" sei. An den Märkten wurde der Mut jedenfalls nicht honoriert. Im Gegenteil: Prompt nach der Ankündigung fielen die Kurse der Anleihen und trieben entsprechend die Renditen nach oben.

Für Sebastian von Koss, Anleiheanalyst bei HSBC Trinkaus, gibt es dafür zwei Gründe: "Schon im vergangenen Jahr kamen Anleihen der Euro-Randländer vor Auktionen unter Druck. Investoren verkauften die Papiere, um in ihren Depots Platz zu schaffen - und gleichzeitig die Renditen für den Neueinstieg höherzutreiben." Außerdem habe Portugal die Anleger mit Abstrichen beim Volumen verunsichert. Noch im Dezember hatte die für Portugals Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur IGCP betont, wenn sie gleichzeitig zwei Anleihen aufstocke, würde sie insgesamt eine bis zwei Milliarden Euro einsammeln. Diese Spanne reduzierten die Schuldenmanager jetzt auf 750 Millionen bis 1,25 Milliarden Euro. "Das erweckt den Eindruck, als zweifle Lissabon selbst am Erfolg der Anleiheauktionen - und das ist kein gutes Signal für den Markt", meint von Koss.

Zudem gab es zuletzt auch von der Wirtschaft keine euphorisierenden Meldungen. Premier José Sócrates betonte am Freitag zwar vor dem Parlament, dass sein Land die Verpflichtung gegenüber der EU-Kommission eingehalten und die Neuverschuldung auf 7,3 Prozent gesenkt habe. Der entscheidende Wermutstropfen ist aber, dass die Regierung die Pensionsfonds des halbstaatlichen Konzerns Portugal Telecom plündern musste, um das Defizit einzuhalten. Da hilft es auch nicht, dass die Wirtschaft laut Sócrates 2010 um etwa 1,4 Prozent wuchs - und damit doppelt so stark, wie die Regierung erwartet hatte.

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