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09.08.2013

11:32 Uhr

Staatsanleihen

Spanien doppelt so lukrativ wie Italien

Spanische Staatsanleihen haben in diesem Jahr fast doppelt so viel Ertrag gebracht wie italienische. Investoren trauen Spanien eine stärkere Erholung zu als der siechenden italienischen Wirtschaft.

Spanische Euromünze: Investoren schöpfen vertrauen. dpa

Spanische Euromünze: Investoren schöpfen vertrauen.

Beide Länder trifft die Krise hart. Italien durchlebte mehrere Regierungskrisen in den vergangenen Monaten. Dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy machten zuletzt Korruptionsvorwürfe in seiner Regierung zu schaffen.

Obwohl nach Ansicht von Analysten wie Elwin de Groot von Rabobank in Utrecht die Regierungsmehrheit dem spanischen Ministerpräsident im Amt halten dürfte, fielen die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen fielen am Montag auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen.

Anzeichen für eine beginnende Erholung in der Eurozone stützten aber die Nachfrage nach höher rentierenden Anlagen. Die Bonds stiegen auch, als EZB-Präsident Mario Draghi im Juli erklärte, die Zinsen würden für längere Zeit niedrig bleiben, um die Wirtschaft zu stützen.

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

„Zurzeit bevorzugen wir Spanien gegenüber Italien und glauben, dass die Outperformance andauern wird“, sagte Russel Matthews, Vermögensverwalter bei BlueBay Asset Management in London. „Das fundamentale Bild in Spanien wird sich voraussichtlich stärker aufhellen als in Italien. Die Wirtschaft ist etwas dynamischer und hat eine größere Chance, zuzulegen.“ Zwar hält BlueBay mehr spanische und italienische Anleihen als die verwendete Benchmark. Die Firma setzt ebenso auf spanische Wertpapiere.

Investoren griffen zu, als Spanien letzte Woche Anleihen begab. Das Land konnte mehr Bonds verkaufen als geplant und seine Kreditkosten senken. Das Finanzministerium meldete, es habe 73 Prozent seines mittel- und langfristigen Finanzierungsbedarfs für dieses Jahr gedeckt.

“Spanien hat sich um seinen Finanzierungsplan gekümmert, und das gibt Investoren Sicherheit”, sagte David Schnautz, Rentenstratege bei Commerzbank in New York. Die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen könnten bis Ende August noch auf 4,40 Prozent fallen, sagte er. Dieses Niveau hatten sie zuletzt am 31. Mai. “Es gibt Anzeichen, dass sich die konjunkturelle Lage verbessert”, so Schnautz. “Die Renditen haben das Potenzial zu sinken.”

“Der Markt reagiert auf die politischen Unsicherheiten”, sagte de Groot von der Rabobank. “Er signalisiert, dass er immer noch einigermaßen darauf vertraut, dass die derzeitige Regierung an der Macht bleiben wird. In diesem Fall kann die Regierung ihre Reformen fortsetzen und die wirtschaftliche Lage stabilisieren.”

Dennoch bestünden weiter Risiken, fügte er hinzu. So könnte das Wachstum die Investoren enttäuschen, oder die politischen Verwerfungen könnten sich verschärfen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

09.08.2013, 11:43 Uhr

" Investoren trauen Spanien eine stärkere Erholung zu als der siechenden italienischen Wirtschaft"

was sind Investoren?

Inlandsbanken?

Ich kenne persönlich niemanden, der Anleihen aus Südländern hat oder kauft...

Account gelöscht!

09.08.2013, 11:59 Uhr

Was ist der Grund dafür, dass Italiener etwas kleiner sind?
Ihre Mütter sagen immer, dass sie arbeiten müssen, wenn sie mal größer sind.

Gigi

09.08.2013, 12:21 Uhr

Es ist nicht ok Herr DoktorDip, wenn Sie bei einem derart ernsten Thema die Italiener verunglimpfen. Das haben die Italiener nicht verdient, denn die gehören weltweit zur absoluten Kreativabteilung und dass nicht nur in kuli-narischer Hinsicht. Wenn Italien bei dem eingeschlagenen Weg bleibt und die Umstrukturierungen kurzfristig schafft, dann geht es auch in Italien wirtschaftlich wieder auf-wärts.

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