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17.05.2012

14:24 Uhr

Staatsanleihen

Spanien finanziert sich am Bondmarkt

Knapp 2,5 Milliarden Euro hat Spanien heute mit neuen Anleihen eingenommen. Trotz großer Nachfrage kletterte die Durchschnittsrendite der drei Anleihen jedoch über das Niveau der vorherigen Auktion.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy warnte, dass Spanien den Zugang zu den Kapitalmärkten verlieren könnte. dpa

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy warnte, dass Spanien den Zugang zu den Kapitalmärkten verlieren könnte.

MadridDas hoch verschuldete Spanien hat erfolgreich den Kapitalmarkt angezapft. Die Nachfrage nach den Staatsanleihen war hoch, allerdings ist es für das Land wieder deutlich teurer geworden, sich an den Finanzmärkten Geld zu leihen. Spanien konnte sich am Donnerstag 2,49 Milliarden Euro über die Ausgabe längerfristige Anleihen sichern, die verlangten Zinsen legten aber deutlich zu, wie die spanische Zentralbank mitteilte. Für drei- bis vierjährige Schuldverschreibungen zahlt Spanien demnach nun zwischen 4,375 und 5,106 Prozent Zinsen, bei vergleichbaren Papieren waren es zuvor noch 2,89 bis 4,037 Prozent gewesen.

Grund ist vor allem die Lage in Griechenland, wo nach den Parlamentswahlen vor zwei Wochen keine Regierung gebildet werden konnte und nun am 17. Juni erneut Wahlen bevorstehen. Spanien gilt trotz massiver Sparbemühungen seiner Regierung weiter als Wackelkandidat in der Euro-Schuldenkrise.

Spanien ist nach offiziellen Angaben in die Rezession gerutscht und musste zuletzt seinen angeschlagenen Bankensektor mit Milliarden stützen. Wegen der Griechenland-Krise rückte das Land ebenfalls wieder in den Fokus der Finanzmärkte. Das Land hat eine Gesamtverschuldung von 68 Prozent der Wirtschaftsleistung und hat große Probleme, seine Wirtschaft wieder in Schwung und sein Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen.

Bereits am Mittwoch kletterten die Renditen zehnjähriger spanischer Bonds bis auf 6,5 Prozent. Bei Renditeniveaus um sieben Prozent für zehnjährige Papiere ersuchten Griechenland, Irland und Portugal um Rettungspakete von Europa.

Die spanische Arbeitsmarktreform

Geringere Abfindungen

Bis 2012 mussten einem Angestellten in Spanien bei grundloser Kündigung eine Abfindung von 45 Tageslöhnen pro Jahr im Unternehmen gezahlt werden. Die konservative Regierung reduzierte diese Abfindung auf 20 Tageslöhne und legte für die Zahlungen zudem eine neue Höchstdauer von 24 im Unterschied zu davor 41 Monaten fest.

Flexiblere Kündigungen

Lange unterteilte der Arbeitsmarkt in Spanien sich vor allem in zwei Fraktionen: Eine „Elite“ nahezu unkündbarer Festangestellter und Angerstellten, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelten. Die Einführung eines neuen, flexibleren Kündigungsrecht erlaubte 2012 erstmals auch das Aussprechen betriebsbedingter Kündigungen bei sinkenden Unternehmensumsatz.

Lockere Tarifverträge

Gleichzeitig wurden auch Gehälter variabler gestaltet. Unternehmen erhielten die Möglichkeit, in Absprache mit den Mitarbeitern Löhne und Arbeitszeiten individuell zu vereinbaren - ohne sich an die geltenden Tarifverträge halten zu müssen.

Bonus für junge Angestellte

Weil in Spanien besonders viele junge Menschen arbeitslos sind, zahlt der Staat Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern eine Prämie. Pro eingestelltem 16-30-Jährigen gibt es bis zu 3300 Euro, für Frauen im gleichen Alter bekommt die Firma sogar bis zu 3600 Euro.

Bonus für alte Angestellte

Besonders betroffen von der schlechten Wirtschaftslage sind auch die älteren Arbeitslosen. Die Regierung zahlt daher jedem Unternehmen, das einen über 45-jährigen Spanier einstellt, bis zu 3900 Euro (für Frauen bis zu 4500 Euro). Der neue Mitarbeiter muss in den 18 Monaten vor Vertragsbeginn jedoch mindestens zwölf Monate arbeitslos gewesen sein. 

Zeitverträge mit Limit

Befristete Verträge dürfen nur noch maximal zwei Jahre gelten und nicht mehr verlängert werden. Soll der Angestellte im Unternehmen bleiben, muss der Vertrag in einen unbefristeten umgewandelt werden.

“Spanien ist potenziell das größte Land in der Euro-Zone, wo ein Unglück so gut wie vorprogrammiert ist”, sagte Neil Williams, Chefvolkswirt bei Hermes Fund Management in London. “Solange es nicht eine plötzliche und nachhaltige Verbesserung bei der Wettbewerbsfähigkeit Spaniens gibt, wird die nächste Rettungsrunde in Europa sich auf weitere Länder als die bisher bekannten ausdehnen.”

Am Mittwoch warnte Ministerpräsident Mariano Rajoy, Spanien sei ernsthaft in Gefahr, seinen Zugang zu den Kapitalmärkten zu verlieren. Er forderte die Unterstützung durch europäische Institutionen.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Der Anteil ausländischer Gläubiger bei Spaniens Verschuldung ist auf den niedrigsten Stand seit 2003 gefallen. Ende März hielten ausländische Investoren 219,6 Milliarden Euro oder 37,5 Prozent der umlaufenden spanischen Anleihen, wie aus Daten des Schatzamtes hervorgeht. Ende 2011 waren es noch 281,4 Milliarden. Euro oder 50 Prozent. Dagegen stockten spanische Banken ihre Positionen von 94,4 auf 170,6 Milliarden Euro auf, nachdem die Europäische Zentralbank unbegrenzte Dreijahreskredite angeboten hatte.

Deutschland konnte sich dagegen bereits am Mittwoch zu rekordniedrigen Zinsen neues Geld besorgen. Bei der Aufstockung von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren wurde bei der Versteigerung ein durchschnittlicher Zinssatz von 1,47 Prozent erzielt, wie die Finanzverwaltung des Bundes und Bundesbank mitteilten. Am Donnerstag lag der Zinssatz zeitweise bei sogar nur 1,42 Prozent. Damit lag die Rendite für Anleihen mit dieser Laufzeit so tief wie noch nie.

Kommentare (3)

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Ben

17.05.2012, 10:24 Uhr

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152013

RamonGaluptra

17.05.2012, 11:43 Uhr

Was ein schönes Geschäft für die Banken. 1% bezahlen und 6,5% kassieren. Macht einen Gewinn von 137,5 Millionen pro Jahr. Und wenn Spanien nicht zurückzahlt, zahlt der deutsche Steuerzahler. Einfach genial!

Anleger

17.05.2012, 12:56 Uhr

Es hält Sie niemand davon ab Ihr Erspartes ebenfalls in spanische Staatsanleihen zu investieren. Hier ist Ihre Rechnung dann sogar: 0% bezahlen und 6,5% kassieren. Sie haben also eine um fast 20% bessere Rendite als die Banken! Und wenn Spanien nicht zurückzahlt, zahlt der deutsche Steuerzahler. Was ein schönes Geschäft für RamonGaluptra. Einfach genial! Oder?! ;-)

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