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19.04.2012

15:40 Uhr

Staatsanleihen

Sparern drohen „Japanische Verhältnisse“

VonAndrea Cünnen, Martin Kölling

Die Renditen für Bundesanleihen sind mickrig - inzwischen so niedrig wie in Japan. Dort müssen sich die Sparer schon seit langem damit abfinden, dass sie mit Anleihen kein Geld verdienen. Droht das den Deutschen auch?

Ein Japanisches Pärchen aus Tokio stößt im Löwenbräu-Festzelt beim Münchner Oktoberfest mit einer Maß Bier an. dpa

Ein Japanisches Pärchen aus Tokio stößt im Löwenbräu-Festzelt beim Münchner Oktoberfest mit einer Maß Bier an.

Frankfurt/TokioDie Frage, ob bei deutschen Staatsanleihen japanische Verhältnisse – also extrem niedrige Renditen – drohen, beschäftigt Investoren schon lange. Schließlich sind die deutschen Bundespapiere mit Unterbrechungen seit fast vier Jahren als sichere Anlage extrem gefragt. Zuerst trieb die sich abzeichnende schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren die Investoren scharenweise in Bundesanleihen – seither lässt sie die Angst um schwache Euro-Länder, aktuell vor allem um Spanien, zu deutschen Anleihen greifen. Die Folge: Die Renditen fallen immer weiter.

Interview: „Bundesanleihen sind überbewertet“

Interview

„Bundesanleihen sind überbewertet“

Der Chef der Allianz-Lebensversicherung, Maximilian Zimmerer, erklärt im Handelsblatt-Interview, warum er deutsche Staatsanleihen für überbewertet hält und spricht über lohnende Anlagen und Darlehen an Unternehmen.

Jetzt sind die japanischen Verhältnisse bei kurzlaufenden Bundesanleihen Wirklichkeit geworden. Deutschland stockte gestern seine zweijährige Bundesschatzanweisung um fünf Milliarden Euro mit einer historisch niedrigen Rendite von 0,14 Prozent auf. Zu diesem Zeitpunkt lag die Rendite der zweijährigen japanischen Staatsanleihe bei 0,11 Prozent. In der vergangenen Woche war die Rendite des zweijährigen Bundespapiers sogar auf 0,9 Prozent und damit unter die ihres japanischen Pendants gerutscht.
Das erscheint aberwitzig, denn anders als in Japan, das sich seit mehr als einer Dekade letztlich in der Deflation befindet, liegt die Inflationsrate im Euro-Raum bei 2,7 Prozent. Anleger verlieren mit der Anleihe also Geld.

Peter Schaffrik, leitender Zinsstratege bei der Royal Bank of Canada, erklärt diesen Widerspruch so: „Die Investoren am Anleihemarkt sind so verunsichert, dass ihnen egal ist, wie hoch ihr Kapital verzinst wird – es kommt ihnen nur darauf an, dass sie es überhaupt zurückbekommen.“

Gehandelte Bundeswertpapiere

Inflationsindexierte Anleihen

Mit Inflation-Linked Bonds (ILB) können sich Anleger gegen einen Kaufkraftverlust absichern. Die Verzinsung orientiert sich dabei an der Entwicklung eines Inflationsindexes, etwa einem Verbraucherpreisindex.

Anteil ILBs an allen gehandelten Bundeswertpapieren: 2 Prozent
Quelle: Statista (Stand: September 2011)

Unverzinsliche Schatzanweisungen

Anders als der Name vermuten lässt, erhalten auch Besitzer unverzinslicher Schatzanweisungen Zinsen. Da es sich dabei um Diskontpapiere handelt, wird der Zinssatz bereits vom Kaufpreis abgezogen und nicht während der Laufzeit ausgezahlt. Die Rendite sogenannter Bubills ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Nennwert des Papiers am Ende der Laufzeit und dem verringerten Kaufpreis.

Anteil an allen gehandelten Bundeswertpapieren: 6 Prozent

Dreißigjährige Bundesanleihen

Zweimal im Jahr bietet der Bund Anleihen mit einer maximalen Laufzeit von 30 Jahren auf dem Kapitalmarkt an. Diese Schuldverschreibungen sichern dem Käufer eine feste jährliche Zinszahlung (Kupon). Zudem kauft der Bund am Ende der Laufzeit die Papiere zum vollen Nennwert wieder zurück.  

Anteil an allen gehandelten Bundeswertpapieren: 7 Prozent

Bundesschatzanweisungen

Ähnlich wie unverzinsliche Schatzanweisungen oder Bundesanleihen werden auch Bundesschatzanweisungen per Auktion (Tenderverfahren) unter die Käufer gebracht. Die Papiere mit Zinsgarantie werden viermal pro Jahr ausgegeben und haben eine Laufzeit von 24 Monaten.

Anteil an allen gehandelten Bundeswertpapieren: 16 Prozent

Bundesobligationen

Seit 1979 finanziert sich der deutsche Staat teilweise mit Bundesobligationen, die inzwischen eine Laufzeit von 5,5 Jahren haben. Aufgrund der guten Rendite nutzen Privatanleger das börsennotierte Wertpapier nicht selten zur Finanzierung ihrer Altersvorsorge.

Anteil an allen gehandelten Bundeswertpapieren: 19 Prozent

Zehnjährige Bundesanleihen

Im Gegensatz zu Papieren mit 30 Jahren Laufzeit, werden zehnjährige Bundesanleihen in der Regel dreimal pro Jahr ausgegeben. Nach einer zuletzt renditeschwachen Phase stieg der Zins wieder über die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent.

Anteil an allen gehandelten Bundeswertpapieren: 50 Prozent

Institutionelle Investoren wie Banken, Versicherer, Pensionsfonds und Fonds müssen ihr Geld irgendwo anlegen – sie können es nicht einfach auf der Bank liegen lassen. „Das wäre im Zweifelsfall unsicherer, als das Geld dem deutschen Staat anzuvertrauen“, meint Schaffrik. In diesem Umfeld seien Bundesanleihen erste Wahl. Das zeigt sich auch daran, dass die neuen Bundespapiere gestern überzeichnet waren.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

19.04.2012, 16:07 Uhr

Leider droht ganz Europa eine ganz lange Deflation mit verlorenen Dekaden wie im Japan.Das ist eine Folge der gleichzeitige monetäre und fiskalische Restriktion.Das ironische ist, dass man trotzdem sparen muss obwohl man weisst dass wir mittelfristig in eine Deflation laufen.Ich bin weiterhin für Sparen und ich weiss dass die EU und die Wirtschaft einen hohen Preis zahlen wird.Inflation kann man quasi ersticken mit 8% Zinsen und eine kleine Rezession, die Deflation kann man nicht unter Kontrolle bringen-das zeigt uns Japan.Dort sind die Zinsen nahe 0% und zwar seit 15 Jahren und trotzdem haben sie keine gesunde Inflation.Europa hat aber die Grenze überschritten und 'nicht sparen' wird nicht helfen.

Account gelöscht!

19.04.2012, 16:11 Uhr

Na klar 0,9 ist weniger als 0,11, wir sollten wirklich in Bildung investieren.

bjarki

19.04.2012, 16:25 Uhr

@M.Deyanaron: Sie erparen mir das Selbe zu schreiben. 20 Jahre Baisse in Japan und das wird auch in Europa so sein. Der Grund ist schlicht die falschen Parameter im Ansatz. Die japanische Zentralbank ging den fatalen Weg des knappen Geldes. Hochmütig wie die Deutschen, die Bernankes Handeln als kriminell bezeichneten, Geld in den Markt zu pumpen. Wie kann ein normaler Mensch einem Staat wie Griechenland das bankrott ist, höhere Sparquoten und Zinsen abverlangen ????( von was ?) Eine Iditotie !
Wie kann der dumme Politiker-Michel furchtlos einer drohenden Deflation ins Auge sehen und sich freuen, wenn die Cola billiger wird. Gleichzeitig aber die Inflation als Teufel bezeichnen und aktiv zur Unzeit bekämpfen. Schäuble lobte den wahnsinnigen Trichet, als er die Zinsen vor nicht allzu langer Zeit anhob ! Das muss man sich einmal vorstellen. So eine Figur erhält monatlich einen gewaltigen Scheck ????!!!! und hat überhaupt keinen Plan, wie Krisen zu meistern sind.

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