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01.04.2015

14:50 Uhr

Staatsanleihen

Verzerrter Markt

VonNiklas Dopheide

Bekanntlich stellen Staatsanleihen in der aktuellen wirtschaftlichen Situation keine gute Geldanlage dar. Die Bedingungen am Markt sind zu schlecht. Doch es gibt noch Gründe für einen Kauf.

Die Situation für europäische Staatsanleihen wird immer ernster, immer mehr Anleihen weisen nicht nur geringe sondern gar negative Zinsen auf. dpa

Negative Zinsen in der Euro-Zone

Die Situation für europäische Staatsanleihen wird immer ernster, immer mehr Anleihen weisen nicht nur geringe sondern gar negative Zinsen auf.

DüsseldorfStaatsanleihen stellen einen Traum für viele Anleger und Sparer dar. Für die festverzinslichen Wertpapiere gilt: niedrige Rendite bei maximaler Sicherheit. Mit Aktien kann eine höhere Rendite erzielt werden, diese gelten allerdings als risikoreich. Viele Altersvorsorgeprodukte in Deutschland basieren deshalb auf den Bonds. Gerade bei der in Geldthemen eher konservativ agierenden Bevölkerung in Deutschland ist die Anlageklasse beliebt.

Aber auch institutionelle Investoren und Rentenfonds greifen gerne zu, um mit den sicheren Papieren ihre Investitionen in volatilere Asset-Klassen zu unterlegen. Selbst bei den Emittenten, also den Staaten, wird die Möglichkeit sich Geld am Markt zu leihen gerne genutzt. In den 90er Jahren, als die Deregulierung der Finanzmärkte einsetzte, liehen sich die Staaten viel Geld. 1990 lag die Staatsverschuldung der Bundesrepublik Deutschland noch bei 538 Milliarden Euro, fünf Jahre später waren es schon 1,019 Billionen Euro und 2013 2,030 Billionen Euro.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Da auch andere Eurostaaten und die USA viele Anleihen begaben, waren für jede Altersvorsorge genug Anleihen verfügbar. Die Situation für festverzinsliche Wertpapiere hat sich in den vergangenen vier Jahren radikal verändert. Die Schuldenkrise in Europa hat eine Schwäche der als sicher geltenden Staatsanleihen offenbart-das politische Risiko. Genau wie eine Unternehmensanleihe sind auch Staaten davon abhängig, wie sie geführt werden und somit auch die Bedienung der Anleihen.

Staatspleiten hat es in der Historie zwar schon gegeben-man denke an Argentinien-dass es aber Länder aus der Euro-Zone trifft war für Anleger lange undenkbar. Die Krise in Griechenland, die 2011 zu Tage trat, offenbarte auch in Ländern wie Italien, Spanien oder Irland Zahlungsprobleme. Die Anleihen der Länder gerieten ebenso unter Druck wie die Währung. Die europäische Zentralbank (EZB) reagierte mit massiver Leitzinssenkung und einem eine Billionen Euro teuren Anleihekaufprogramm (QE).

Die Folge für den Markt der Staatsanleihen? Er wird „massiv verzerrt“, erklärt Stefan Schilbe, Chefökonom bei HSBC Trinkaus, gegenüber Handelsblatt-Online. Staatsanleihen können heute nicht länger mit den Worten Sicher, großes Angebot und kleine Rendite beschrieben werden. „Die Situation am Staatsanleihemarkt ist massiv verzerrt: Dass aktuell schrumpfende Angebot an deutschen Staatsanleihen wird durch die Aufkäufe der Zentralbanken zusätzlich verknappt“, sagt Schilbe zu der neuen Situation.

Der Eingriff der Zentralbanken in den Markt für Staatsanleihen führt zu zwei zentralen Veränderungen. Zum einen ist der Anleihemarkt durch die Aufkaufprogramme der Zentralbanken nicht mehr so liquide wie vorher.
Außerdem flacht die Zinsstrukturkurve durch die niedrigen Leitzinsen immer weiter ab. „Dieser künstliche Eingriff führt dazu, dass sich die Zinsstrukturkurve weiterhin verflacht, aktuell sind die Renditen für Bundesanleihen bis sieben Jahren Laufzeit negativ“, erklärt der Experte.

Kommentare (1)

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Jupp Zocker

01.04.2015, 15:21 Uhr

Und die Moral von der Geschicht? Dividenden sind die neuen Zinsen und Aktien sind alternativlos.

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