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17.06.2013

13:08 Uhr

Staatsanwaltschaft ermittelt

Verdacht auf manipulierte Kurse in Frankfurt

Wurden an der Frankfurter Börse die Kurse künstlich aufgebläht? Dieser Frage geht die Staatsanwaltschaft nach und ermittelt gegen mehrere Börsen-Akteure. Ausgelöst hatte die Ermittlungen die Deutsche Börse selbst.

Dax-Tafel in Frankfurt. Marktteilnehmer sollen die Umsätze manipuliert haben. dpa

Dax-Tafel in Frankfurt. Marktteilnehmer sollen die Umsätze manipuliert haben.

FrankfurtDie Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts künstlich aufgeblähter Aktienumsätze an der Frankfurter Börse. Eine Sprecherin der Behörde in der Main-Metropole bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der „Wirtschaftswoche“ vom Wochenende. Demnach sollen Marktteilnehmer Aktien zwischen dem Xetra-System und den Spezialisten auf dem Parkett im Kreis gehandelt haben, um die Börsenumsätze mit bestimmten Papieren künstlich in die Höhe zu treiben. Die Liquidität einer Aktie ist eines der entscheidenden Kriterien für die Aufnahme in einen bestimmten Index, womit Unternehmen wiederum mehr große institutionelle Investoren anlocken können.

Ausgelöst hatte die Ermittlungen die Deutsche Börse. Sie machte im November 2012 in einem internen Schreiben an Marktteilnehmer darauf aufmerksam, dass es Auffälligkeiten im Handel gebe. In dem Brief, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, heißt es: „Das beschriebene Handelsverhalten wiederholt sich regelmäßig, ohne dass Aufträge Dritter zur Ausführung gelangen.“ Auch wenn diese Aktivitäten nur in Einzelfällen festgestellt worden seien, seien sie „grundsätzlich geeignet, das Vertrauen in die Ordnungsmäßigkeit des Börsenhandels und der Integrität des Marktes zu beschädigen, da hier Marktteilnehmern maßgebliche falsche oder irreführende Signale (Umsatzvolumen) gegeben werden“.

Die größten Börsenpannen

Nasdaq lahmgelegt

Ein Softwarefehler führt dazu, dass die US-Börse Nasdaq im August 2013 einige Stunden den Handel komplett einstellen muss. Nach der Wiederaufnahme des Handels steigt der Markt – die Aktie des Börsenbetreibers aber verliert.

Dow Jones (2013)

Am 23. April 2013 meldete der Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur eine Explosion im Weißen Haus. Die Meldung war jedoch falsch – Hacker hatten das Nutzerkonto übernommen. Dennoch brach die Börse innerhalb von Sekunden um mehr als ein Prozent ein. Möglicher Grund: Computer werteten die Meldung als wahr und lösten Verkaufssignale aus.

Kraft-Aktie (2012)

4. Oktober 2012: Die Nasdaq und mehrere andere Börsen haben nach einem ungewöhnlichen Kurssprung von Kraft Foods einen Teil des Handels mit der Aktie annulliert. Grund für den plötzlichen Anstieg der Papiere von 45,55 auf 58,54 Dollar war nach Angaben der US-Technologiebörse der Fehler eines Börsenmaklers. Nähere Angaben machte sie nicht. „Die Systeme von Nasdaq haben normal funktioniert und der Prozess der Industrie zum Umgang mit solchen Angelegenheiten verlief wie geplant“, hieß es in einer Erklärung.

Software-Panne bei Knight Capital (2012)

Durch einen Fehler hatte die Knight-Software enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Dem Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde ein Ende gesetzt werden. In dieser Zeit hatten sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus fast zum Zusammenbruch brachten.

Das Facebook-Desaster (2012)

Die Erfolgsstory von Facebook bekam an der Börse einen starken Dämpfer. Nach gravierenden Pannen im Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq in New York stürzte der Kurs des Börsenneulings rapide in die Tiefe. Beteiligte Firmen erlitten Millionen-Verluste. Die Schweizer Großbank UBS, die 290 Millionen Euro verlor, drohte sogar mit einer Klage gegen die Börse.

Pannen-Start für BATS (2012)

Die Erstnotiz der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets im März 2012 endete mit einem Totalschaden. Die neuen BATS-Aktien sackten innerhalb weniger Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent. Schuld daran war eine neue Software. BATS musste die falschen Transaktionen zurücknehmen - und nahm dabei die eigenen Aktien gleich mit von der Börse

Fünf-Minuten-Chaos bei der Citigroup durch Kursrutsch

Die Aktien der Citigroup fielen im Juni 2010 nach Massenverkäufen durch elektronische Handelssysteme zeitweise um 17 Prozent. Doch da die Börsenaufsicht SEC nach dem „Flash Crash“ bereits zuvor beschlossen hatte, Aktien aus dem Index S&P 500 vom Handel auszusetzen, falls diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent steigen oder fallen, stoppte das Sicherungssystem den Kursrutsch. Der Handel stand fünf Minuten lang still. Am Ende des Tages lag die Citigroup-Aktie sieben Prozent im Minus.

Flash Crash, 2010

Der „Flash Crash“ wurde im Mai 2010 durch den Hochfrequenzhandel ausgelöst: Durch einen blitzartigen Kurseinbruch lösten sich innerhalb weniger Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auf. Der Kurs des Dow Jones fiel um rund 1.000 Punkte. Einige Aktien verloren in der Zeit rund die Hälfte ihres Wertes. Der Spuk dauerte eine halbe Stunde lang an. Der sogenannte Hochfrequenzhandel, bei dem Tausende Transaktionen binnen Millisekunden durch Computer ausgelöst werden, stand schon vorher in der Kritik.

Strafe für Morgan Stanley (2007)

Morgan Stanley musste im Februar 2007 für den Fehler eines Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Der Banker wollte einen Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah aber automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar. Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.

Football vermasselt 50 Millionen Dollar Deal

Ein äußerst ungewöhnliches Missgeschick passierte einem Händler der Bank of America im September 2006. Er wartete auf die Anordnung seines Vorgesetzten, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen. Es fehlte nur noch der Druck auf die Enter-Taste. Während er wartete, warf ein Trainee einen Football durch den Raum und traf die Tastatur, inklusive der Enter-Taste.

Milliarden statt Millionen, 2002

Ein Händler von Bear Stearns verzählte sich im Oktober 2002 beim Verkauf von Aktien bei den Nullen und handelte sie für vier Milliarden Dollar anstelle von vier Millionen. Bevor der Vertipper auffiel, gingen bereits Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar an neue Besitzer. Dadurch sank der Leitindex Dow Jones um 2,3 Prozent.

100 Millionen für Verdreher

Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte statt 16 Dentsu-Aktien zu 600.000 Yen 610.000 Aktien zu je 6 Yen. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte die USB dadurch 61.915 Aktien, was etwa der Hälfte des Emissionsvolumens entspricht. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.

Lehman Banker verkauft zu viel (2001)

Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers verkaufte 2001 aus Versehen hundertmal mehr Aktien als er wollte. Darunter waren auch Schwergewichte wie AstraZeneca und BP. Der Banker vernichtete damit zeitweise 30 Milliarden Pfund an Börsenwert.

Tippfehler mit Folgen (1999)

Ein Aktienhändler der UBS gab im Januar 1999 zu viele Nullen in seinen Rechner ein und handelte damit innerhalb von nur zwei Minuten zehn Millionen Aktien des Pharmakonzerns Roche, obwohl nur sieben Millionen Stück existierten. Das Handelsvolumen überstieg die Marktkapitalisierung von Roche um knapp die Hälfte.

Der Schwarze Montag (1987)

Am 19. Oktober 1987 bricht der Dow Jones um fast 23 Prozent auf 1.728 Punkte ein, der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Index. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - hat den Absturz noch verschlimmert.

Die Deutsche Börse alarmierte die Finanzaufsicht BaFin, die nach eigenen Angaben Ende 2012 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattete. In einem Fall wurden die Ermittlungen gegen Zahlung von Geldstrafen bereits eingestellt, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. Dabei handele es sich um Mitarbeiter der Bank Close Brothers Seydler, die jeweils zwischen 2.250 und 9.900 Euro zahlen mussten. Von Close Brothers Seydler war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Gegenüber der „Wirtschaftswoche“ hatte die Bank erklärt, mit der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage sei „keine Schuldfeststellung“ verbunden.

In einem zweiten Fall dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch an. Wer im Zentrum dieses Verfahrens steht, war zunächst nicht zu erfahren.

Die Deutsche Börse betonte am Montag, der Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse sei streng reguliert und transparent. „Eine Aufnahme in Auswahlindizes der Deutschen Börse alleine basierend auf dem Kriterium 'Umsatz' ist nicht möglich. Die Deutsche Börse AG lässt sich zudem bei allen Indexentscheidungen durch ein unabhängiges Fachgremium beraten - den Arbeitskreis Aktienindizes.“

Von

rtr

Kommentare (17)

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Nie_im_Leben

17.06.2013, 12:07 Uhr

"Verdacht auf manipulierte Kurse in Frankfurt"

Manipulation???

Neeee, so was machen Bankster nicht.

Der_ewige_Spekulant

17.06.2013, 12:48 Uhr

Es ist in der Tat so, dass die Anleihen der Länder Spanien/Portugal/Italien auf einem Niveau notieren, bei dem ein Laie denken würde, diese Länder durchlaufen gerade Blütezeit.

Die EZB hat die Anleihekurse bis zu Unkenntlichkeit manipuliert. Die Risiken sind deswegen nur schwammig schätzbar. Am besten wohl mit einer Indikatorfunktion, dass die EZB als "Kursmanipulator" ausfällt. Diese Wahrscheinlichkeit besteht. Zum einen wegen rechtlichen Gründen und zum anderen wegen reinen Marktgründen (z.B. Zahlungsunfähigkeit).

Account gelöscht!

17.06.2013, 12:51 Uhr

Ist doch egal. Es hat dabei ja niemand einen materiellen Schaden erlitten, sondern nur die Umsätze in die Höhe getrieben. Also who cares ?!

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