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11.02.2013

10:39 Uhr

Stammtisch mit Dirk Müller

Die kühnen Theorien des Mr. Dax

VonSara Zinnecker

Der IWF hat sich verrechnet, in Griechenland ist die Demokratie gefährdet, die Inflation frisst alle Guthaben auf: Dirk Müller alias Mr. Dax zeichnet ein düsteres Bild von Euro-Land. Seine Zuhörer lieben ihn dafür.

Dirk Müller gestikuliert.

Dirk Müller gestikuliert.

DüsseldorfDirk Müller weiß, wie er Zuhörer in seinen Bann ziehen kann. Der Goldhändler Pro Aurum hatte den als Mr. Dax bekannten ehemaligen Börsenhändler zu einem Vortrag nach Düsseldorf geladen. Doch war der eigentliche Anlass der Veranstaltung, die Beschau der weltgrößten Goldmünze, am Ende Nebensache. Das 1,3 Millionen teure Edelmetall-Scheibe stand abseits neben dem Rednerpult, während Müller zwei Stunden lang mit Europa und der Welt abrechnete.

Europa stehe am Scheideweg, lautet Müllers Ausgangspunkt für alles, was nun folgen sollte. Die geopolitischen Machtachsen würden sich verschieben: Amerika kämpfe verbissen um den Dollar als tonangebende Währung, doch auch China, Russland und die Türkei wollten wirtschaftlich weiter aufsteigen. Die These des ehemaligen Börsenmaklers: „Nach der wirtschaftlichen kommt auch die politische Macht“. Doch tragisch für Europa: „Im Machtgerangel spielt unser Kontinent fast keine Rolle mehr“.

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Die Krise in Europa spitzt sich zu. An der Börse spielen die Kurse verrückt. Handelsblatt Online sprach mit Dirk Müller und Max Otte über die Aussichten für Anleger, die Perspektiven des Euro und Verschwörungstheorien.

Schuld hat, das ist für Müller klar, der Euro. Die Gemeinschaftswährung war Deutschlands Preis für die Wiedervereinigung. Per Handschlag hätten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs damaliger Staatspräsident François Mitterand vereinbart, die einzelnen Staaten Europas wirtschaftlich aneinander zu ketten. Kohl habe sich über den wirtschaftlichen Sachverstand hinweg gesetzt und einer gemeinsamen Währung aus politischer Raison zugestimmt.

„Kohl wusste, dass es falsch war, aber er hatte keine Wahl“, sagt Müller. Die einzelnen Euro-Länder vergleicht Müller mit tektonischen Platten, die sich – durch den Euro fest aneinander geleimt – ständig reiben würden. „Die Länderplatten bewegen sich, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zum nächsten gewaltigen Erdbeben kommt“. Was Müller meint: Die Leistungsfähigkeit der einzelnen Euro-Staaten passt nicht zur gültigen Währung im Land, dem Euro. Was passieren kann, zeigen einige Beispiele aus den vergangenen Jahren.

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Die Schweizerische Nationalbank etwa, musste den Wechselkurs des Franken an den Euro koppeln: Im Zuge der Krise hatten Anleger in 2011 massiv Euro abgezogen und in der Eidgenossenschaft deponiert – die hohe Nachfrage ließ den Franken unnatürlich ansteigen. Fortan konsumierten die Schweizer lieber im Ausland, „ein BMW war plötzlich um ein Drittel billiger – eine einmalige Chance“, sagt Müller. Auch treue Schweiz-Urlauber verbrachten ihre Skiwochenenden nun lieber in Österreich. „Die Nachfrage im Inland brach doppelt weg und Schweizer Exportware konnte niemand mehr bezahlen“. Was aber für die Schweiz stimmt, trifft für Portugal und Griechenland ebenso zu.

Kommentare (171)

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Shorty

11.02.2013, 11:02 Uhr

Was ist der Job eines Börsenhändlers? (Kunden)Aufträge abzuwickeln und eine Auswahl von Werten hin- und herzuhandeln.

Und das befähigt diesen Mann als Experte durch die Medien zu geistern? Zugegeben er ist sicherlich sowas wieder der Einäugige unter den Blinden, aber im Prinzip hatte er doch nur das Glück, dass er einen Platz direkt unter der Daxtafel hatte und so etwas aus der Versenkung aufgetaucht ist.

Also, wenn Du mal nicht weiter weisst, sei einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort...

vandale

11.02.2013, 11:09 Uhr

Dirk Müller ist als Mr. Dax berühmt geworden weil er an Tagen mit hohen Kursverlusten ein besonders betrübtes Gesicht gezogen hat, nicht weil er geniale Erkenntnisse verbreitet hat.

Dass der € ein Preis der Wiedervereinigung war, ist nicht gerade neu. Das diese Währung Deutschlands Problem ist, merkt man seit 2 - 3 Jahren sehr deutlich.

Die "Sparanstrengungen" der südeuropäischen Länder wirken ähnlich einer Währungsabwertung. Im Falle der Währungsabwertung fallen die Löhne und Kosten im internationalen Vergleich, allerdings wird das durch die Arbeitnehmer nicht so empfunden. Eine direkte Kürzung der Zuwendungen, oder Löhne wird dagegen intensiv empfunden. Insofern ist die Währungsabwertung lediglich eine sanftere Methode der Einkommensabsenkung.

Wenn die Währungsunion noch ein paar Jahre funktionieren soll, müssen die Südländer eben solange sparen bis das System wieder im Gleichgewicht ist. Oder, die Zentralbank schöpft soviel Geld, dass die Südländer nominal kontant bleiben und die Nordländer entsprechend inflationieren.

Das realistischste Szenario scheint, dass man bis auf weiteres am € festhält, die EZB reichlich Geld schöpft, die Inflation nicht recht anspringen möchte, bis eine Vertrauenskrise zu einem recht kurzfristigen, intensiven Währungs- und Geldwertverfall führt. Das könnte dann spekulativ das Aus für € und vermutlich auch die EU bedeuten.

Ein reales Wachstum wird von vielen Seiten beschworen. Andererseits handelt man ziemlich genau gegensätzlich. Extrem teure politische Ideen wie soziale Umverteilung, Extremsteuern, "Klimawandel", "Energiewenden", REACH, Nachtflugverbote überkompensieren den technischen Produktivitätsfortschritt. Ein gesundes, reales Wachstum ist derzeit nur in wenigen Staaten Osteuropas zu sehen.

Vandale

Parketthengst_Ffm

11.02.2013, 11:11 Uhr

Er war halt als der Pressefotograf damals (lang ist´s her) ein Motiv suchte zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf dem Parkett, usw. usw. usw. - das heißt nicht das er mehr Sachverstand als der Rest hätte! Nur vielleicht mehr Glück.
Er sagt sicher nichts falsches über die Eurokrise, jedoch auch nichts neues was die Profis nicht schon lange wissen. Das der Dax und ESX50 auf diesem Niveau völlig überbewertet sind weiß doch jeder hier.

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