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27.01.2015

09:46 Uhr

Standard & Poor's-Herabstufung

Moskauer Börse rutscht ins Minus

Nachdem die US-Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Russlands herabgestuft hat, ist die Moskauer Börse am Dienstag ins Minus gerutscht. Eine weitere Herabstufung ist nicht ausgeschlossen.

Der in Dollar berechnete, russische Index RTS gab um gut drei Prozent nach. Besser sah es für den Micex aus, der in Rubel berechnet wird und deshalb weniger unter der Krise der russischen Währung leidet. AFP

Der in Dollar berechnete, russische Index RTS gab um gut drei Prozent nach. Besser sah es für den Micex aus, der in Rubel berechnet wird und deshalb weniger unter der Krise der russischen Währung leidet.

MoskauNach der Herabstufung der russischen Kreditwürdigkeit durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ist die Moskauer Börse am Dienstagmorgen ins Minus gerutscht. Der in Dollar berechnete Index RTS gab zum Auftakt um gut drei Prozent nach.

Besser sah es für den Micex aus, der in Rubel berechnet wird und deshalb weniger unter der Krise der russischen Währung leidet. Der Index verlor 0,14 Prozent.

S&P hatte am Montag als erste große Ratingagentur Russland auf Ramschniveau herabgestuft. Die Kreditwürdigkeit des Landes, das mit dem Ölpreisverfall und den Folgen der westlichen Sanktionen in Folge der Ukraine-Krise kämpft, sei um eine Stufe auf BB+ abgewertet worden. Eine weitere Abwertung werde nicht ausgeschlossen.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Nach Bekanntwerden der Entscheidung rutschte der Rubel um rund sechs Prozent ab.

Am Dienstag erholte sich die russische Währung etwas: Für einen Euro mussten 76,27 Rubel bezahlt werden, am Montagabend waren es 77,25 Rubel gewesen. Ein Dollar kostete 67,83 Rubel nach 68,79 Rubel am Montagabend.

Russlands Finanzminister Anton Siluanow erklärte zur Entscheidung von S&P, die Ratingagentur lege einen „übertriebenen Pessimismus“ an den Tag. Es gebe keinen Grund, die Herabstufung zu „dramatisieren“.

Die Herabstufung auf Ramschniveau bedeutet, dass russische Staatsanleihen bei bestimmten Investoren automatisch aus dem Portfolio genommen werden. In der Folge droht eine Zunahme der Kapitalflucht, die bereits im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht hatte.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Peter Noack

27.01.2015, 14:02 Uhr

Deutsche Börse rutscht ins minus. US Börse rutscht ins minus. Was soll das nur alles bedeuten?

Herr walter rehm

27.01.2015, 14:27 Uhr

"Was soll das alles nur bedeuten?"

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