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28.07.2015

19:34 Uhr

Standard & Poor's

Ratingagentur droht Brasilien mit Herabstufung

Brasilien befindet sich in der schwersten Rezession seit 25 Jahren. Zudem steckt das Land in einer tiefen politischen Krise. Nun droht Standard & Poor's dem Land mit einer Herabstufung der Bonitätsnote.

Umfragen zufolge wollen zwei Drittel der Bürger, dass Rousseff gestürzt wird. Ihr wird vorgeworfen, eine verfehlte Wirtschaftspolitik zu betreiben und für Wahlkämpfe Schmiergeld eingesetzt zu haben. Reuters

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff

Umfragen zufolge wollen zwei Drittel der Bürger, dass Rousseff gestürzt wird. Ihr wird vorgeworfen, eine verfehlte Wirtschaftspolitik zu betreiben und für Wahlkämpfe Schmiergeld eingesetzt zu haben.

BangaloreWegen der politischen und wirtschaftlichen Krise in Brasilien hat sich die Ratingagentur Standard & Poor's über die weitere Entwicklung des Schwellenlandes skeptisch geäußert. Zwar bestätigte das US-Unternehmen am Dienstag seine Bewertung „BBB-“. Zugleich senkte S&P aber den Ausblick auf negativ von stabil. Die Korruptionsermittlungen gegen Politiker und Firmen wirkten sich immer mehr auf die Haushalts- und Konjunkturprognosen aus, erklärten die Experten. Die Affären erschwerten zudem die Verabschiedung von Gesetzen.

Südamerika: Das Ende des Booms

Sinkende Rohstoffpreise belasten

Noch vor fünf Jahren war Südamerika eine der am schnellsten wachsenden Regionen weltweit. Sechs Prozent legten die Ökonomien südlich des Panamakanals 2010 zu. Doch dann begannen die Rohstoffpreise zu sinken: Eisenerz, Öl und Kupfer beendeten ihren Superzyklus, der Südamerika über Jahre hohe Exporteinnahmen und Kapitalzufuhren gesichert hatte. Inzwischen sieht es düster aus: Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) rechnet damit, dass Südamerika dieses Jahr stagnieren wird. Die ausländischen Investitionen haben sich im vergangenen Jahr um 16 Prozent verringert. In einigen Staaten verstärken eine chaotische Wirtschaftspolitik und politische Krisen die Rezession.

Venezuela

Dort ist die Lage am schlechtesten: Die Wirtschaft des Öllandes schrumpft seit 2013, dieses Jahr wohl um ganze sieben Prozent laut IWF-Prognose. Die Inflation dürfte dieses Jahr auf über 100 Prozent steigen. Mit immer neuen Verstaatlichungen und Preiskontrollen versucht die diktatorisch agierende Regierung die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern zu sichern – das gelingt immer weniger. Wenn der Ölpreis weiterhin so niedrig bleibt, könnte Venezuela sich bald gezwungen sehen, die Zahlungen der Auslandsschulden einzustellen. Der politische und wirtschaftliche Zusammenbruch wäre da kaum noch zu vermeiden.

Argentinien

Das Land ist nun schon seit über einer Dekade von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen. Der Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner bleibt nur noch wenig Zeit vor den Wahlen im Oktober. Bis dahin wird sich am protektionistischen Kurs und der harten Haltung gegenüber den Gläubigern nichts ändern. Die Wirtschaft stagniert dieses Jahr, könnte sich aber unter einer neuen Regierung erholen, weil die Agrarindustrie hochproduktiv ist. Entscheidend für eine Erholung ist neben einer neuen Wirtschaftspolitik vor allem die Höhe des Sojapreises.

Chile

Es galt seit Jahrzehnten als Musterland Lateinamerikas: Geringe Korruption, starkes Wachstum und Regierungen mit wirtschaftlicher Kompetenz. Doch nun sind Staat und Unternehmen in mehrere große Korruptionsskandale verwickelt. Und auch die Wirtschaft schwächelt. Weniger als drei Prozent dürfte Chile dieses Jahr wachsen – viel zu wenig für das Land in den Anden, das seit zwei Dekaden durchschnittlich um 4,5 Prozent wächst. Mit dem vorläufigen Ende des Rohstoffbooms wird die weiterhin hohe Abhängigkeit der chilenischen Wirtschaft vom Exportprodukt Kupfer deutlich. Positiv wirken sich jedoch die weiterhin hohen ausländischen Direktinvestitionen von 22 Milliarden Dollar 2014 aus – fast so viel wie im viel größeren Mexiko.

Peru

Die dortige Wirtschaft hält sich trotz seiner dominierenden Bergbauindustrie überraschend stabil, trotz der sinkenden Rohstoffpreise. Die Binnenkonjunktur brummt weiterhin. 3,8 Prozent wird das Land dieses Jahr wachsen, 2016 vielleicht sogar um 4,5 Prozent schätzt Cepal.

Kolumbien

Das Land entwickelt sich in Südamerika zunehmend als Stabilitätsinsel, obwohl die Wirtschaft des Landes auch stark abhängig ist von den sinkenden Ölexporten. Ausländische Investoren setzen weiterhin auf das Land, welches immer noch unter schlechter Infrastruktur nach dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg leidet. Dieses Jahr dürfte Kolumbien um 3,4 Prozent wachsen.

Eine Herabstufung der Bonitätsnote könnte das Vertrauen von Investoren gefährden und die Zinskosten für den südamerikanischen Staat steigen lassen. Die Regierung hatte in der vergangenen Woche ihre Sparziele für dieses und das kommende Jahr wegen sinkender Steuereinnahmen kassiert.

Brasilien befindet sich in der schwersten Rezession seit 25 Jahren. Zudem steckt das Land in einer tiefen politischen Krise. Hintergrund ist ein Bestechungsskandal beim staatlichen Ölkonzern Petrobras, in den Dutzende Verbündete von Präsidentin Dilma Rousseff verwickelt sind. Umfragen zufolge wollen zwei Drittel der Bürger, dass Rousseff gestürzt wird. Ihr wird vorgeworfen, eine verfehlte Wirtschaftspolitik zu betreiben und für ihre Wahlkämpfe 2010 und 2014 Schmiergeld eingesetzt zu haben.

Von

rtr

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