Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2017

16:29 Uhr

Steigende Renditen bei Anleihen

Kehrt die Euro-Krise zurück?

VonAndrea Cünnen, Jürgen Röder

Aus Angst vor einem Zerfall der Euro-Zone wird die Gemeinschaftswährung verkauft, griechische Staatsanleihen bieten fast wieder zweistellige Renditen. Auch in Frankreich und Italien steigen die Risikoaufschläge rasant.

Die Rückseite einer deutschen Ein-Euro-Münze: Steigende Risikoaufschläge bei französischen und italienischen Anleihen sind ein Zeichen, dass die Euro-Krise wieder zurückkommen könnte. dpa

Euro-Krise

Die Rückseite einer deutschen Ein-Euro-Münze: Steigende Risikoaufschläge bei französischen und italienischen Anleihen sind ein Zeichen, dass die Euro-Krise wieder zurückkommen könnte.

Frankfurt/DüsseldorfDie Wahlen in Europa werfen ihre Schatten voraus: In Frankreich sorgen die immer geringer werdenden Chancen des konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon, dem vorgeworfen wird, auf Kosten der Steuerzahler seine Ehefrau und deren Kinder im Parlament beschäftigt zu haben, für eine steigende Risikofurcht der Anleger. Und auch bei italienischen Staatsanleihen verlangen Investoren einen deutlichen Risikoaufschlag.

Dramatisch ist die Lage bei den Renditeabständen französischer zu deutschen Staatsanleihen: Sie sind so hoch wie zuletzt Anfang 2014. An diesen Risikoaufschlägen zeigt sich, dass Anleger mit Blick auf Frankreich zunehmend unsicherer werden. Seit Ende Dezember ist der Risikoaufschlag für zehnjährige französische Bonds von 0,3 auf 0,75 Prozentpunkte in die Höhe geschnellt. „Die Ausweitung der Renditeabstände ist spektakulär“, urteilte David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank: „Einen so schnellen Anstieg gab es in dieser Form seit dem Jahr 2012 nicht mehr.“ Dabei hielten sich die französischen Bonds in den vergangenen Tagen recht stabil. Die Renditen deutscher Bundesanleihen sanken aber.

So liegt die Rendite von französischen Anleihen aktuell bei 1,11 Prozent. Noch im Dezember des vergangenen Jahres lag dieser Wert bei 0,7 Prozent. Dahinter steckt die Furcht, dass möglicherweise Marine Le Pen mit ihrer rechtsextremen Partei Front National die französischen Präsidentschaftswahlen gewinnt. Sie will Frankreich aus der Euro-Zone herauslösen, wieder den Franc, die ehemalige französische Währung, einführen und offenbar nach britischem Vorbild eine Volksabstimmung über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union durchführen.

„Die Frage, welche zwei Kandidaten es in die Stichwahl schaffen, ist extrem spannend geworden, da die Hürde, um die zweite Runde der Wahl zu erreichen, aufgrund der Schwäche Fillons nur noch bei knapp über 20 Prozent liegt“, betonte Felix Herrmann, Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Die Analysten von JP Morgan rechnen damit, dass der Euro im Falle eines Wahlsiegs der 48-Jährigen um rund zehn Prozent zum Dollar abwerten könnte. „Dunkle Wolken also für das Europa, das wir kennen?“, schrieben die Experten der Metzler Bank in einem Kurzkommentar. „Ein potenziell europafeindlicher Wahlausgang lässt die Anleger wohl doch nicht kalt.“

Der Renditevergleich zwischen zehnjährigen Bundesanleihen und italienischen Staatsbonds mit gleicher Laufzeit zeigt ein ähnliches Bild. Die Spreizung (Spread) liegt bei 1,97 Prozent und damit so hoch wie in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr. Die Rendite der entsprechenden Bonds aus dem südeuropäischen Land hat die Marke von 2,33 Prozent erreicht. Zuletzt lag sie im November 2014 höher.

Französische Anleihen: Die Rückkehr der Risikofurcht

Französische Anleihen

Die Rückkehr der Risikofurcht

Investoren sehen Frankreich zunehmend kritisch. Seine neuen Anleihen wird Paris zwar gut los, aber Anleger verlangen dafür deutlich mehr Rendite. Die hat sich seit Dezember fast verdoppelt. Kommt die Euro-Krise zurück?

Dabei steht in Italien noch kein Termin für eine Neuwahl fest. Doch wenige Wochen nach seiner Niederlage beim Verfassungsreferendum hat Matteo Renzi klargemacht, dass er eine Schlacht verloren hat, nicht den Krieg. „Die Regierung von Paolo Gentiloni“, sagt Renzi da über seinen gerade frisch gewählten Nachfolger als Italiens Ministerpräsident, „wird stark und stabil sein – so lange sie im Amt ist.“ Um dann gleich zu ergänzen: „Wir sollten so schnell wie möglich neu wählen – im April, spätestens im Juni.“

Somit ist in Italiens stets unsicherer politischer Lage wohl nur eines sicher: Die stärkste Partei im Parlament, die Sozialdemokraten, streben unter ihrem Vorsitzenden Renzi, der so krachend Anfang Dezember verlor, eine kurze Übergangszeit an. An deren Ende soll der neue Regierungschef der alte sein: Renzi. Der 62-jährige Paolo Gentiloni wäre nur ein Platzhalter.

Mit Renzi konkurriert der Ex-Komiker Beppe Grillo, Anführer der Fünf-Sterne-Bewegung, um die Stimmen der Unzufriedenen; er ist vor allem bei der Jugend und im akademischen Protestmilieu beliebt. Beide sind erklärte Anti-Europäer und Globalisierungsgegner.

Kommentare (30)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Max Marx

07.02.2017, 17:04 Uhr

Die EU ist tot ... toter geht nicht. Die Hirngespinnste von Kohl lösen sich in Wohlgefallen auf. R.I.P..

Rainer von Horn

07.02.2017, 17:08 Uhr

Hatte der Kohl nicht gesagt "Dieses Geld wird eine große Zukunft haben!"? Und nun finde ich für den Fall des Falles nicht mal einen aktuellen Haftungspegel, der beim ifo ist von 2015. Hat noch einer den Überblick, was es kostet?

https://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/policy/Haftungspegel/Eurozone-countries-exposure.html#losses

Herr Gerd Hohn

07.02.2017, 17:13 Uhr

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es dem politischen Establishment gelingt, das Euro-Problem aus den Schlagzeilen herauszuhaten.

Doch die Finanzmärkte lassen sich nicht von wirtschaftspolitischen Dilettanten neppen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×