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21.07.2013

12:26 Uhr

Stromleitungen

Experten warnen vor Bürgeranleihe

Das Investment klang zunächst interessant: Bürger im Norden sollten mit einer Anleihe am neuen Stromnetz beteiligt werden. Tatsächlich ist das Konstrukt aber komplizierter und den Kleinanlegern droht ein Totalverlust.

Ausbau des Stromnetzes: Bei der Beteiligung von Bürgern droht der Totalverlust des Kapitals. dpa

Ausbau des Stromnetzes: Bei der Beteiligung von Bürgern droht der Totalverlust des Kapitals.

Kiel/HamburgFinanzexperten warnen vor den Risiken einer „Bürgeranleihe“, mit der zunächst Bürger in Schleswig-Holstein den Ausbau des Stromnetzes mitfinanzieren und daran mitverdienen sollen. Fondsmanager und Analysten stufen das Papier nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ einhellig als „nicht empfehlenswert“ für Kleinsparer ein. Es bestehe die Gefahr eines Totalverlustes des angelegten Geldes.

Anders als einst von der Politik versprochen, beteiligten sich die Bürger im Norden mit der Anleihe nicht am Stromnetz, sondern zeichneten eine Hybridanleihe der niederländischen Holding des Netzbetreibers Tennet. Diese werde im Insolvenzfall „nachrangig bedient“.

Laut „Spiegel“ erweist sich die an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste geplante Verbindung „als schwer verkäuflich“. Obwohl die Zeichnungsfrist schon seit mehr als einem Monat laufe, hätten nach Auskunft von Tennet nur 1500 Anwohner Unterlagen angefordert. In den Kommunen entlang der Trasse laufe der Verkauf äußerst schleppend.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Diese Einschätzung relativierte Tennet am Sonntag. „Bis heute haben rund 2000 Haushalte Interesse an der Anlagemöglichkeit bekundet, und etwa 75 Prozent der Interessenten haben bis heute Zeichnungsscheine angefordert“, sagte Sprecherin Ulrike Hörchens der Nachrichtenagentur dpa. Die Zeichnungsfrist laufe bis Ende August. Es sei noch zu früh, um Rückschlüsse auf die Resonanz zu ziehen.

Tennet baut bis 2018 die 150 Kilometer lange Leitung zwischen Brunsbüttel und Niebüll, die künftig Windenergie aus dem Norden in den Süden transportieren soll. Anleihen sind ab 1000 Euro möglich. Erwerben dürfen sie aber nur Bewohner der Landkreise Nordfriesland und Dithmarschen, durch deren Region die Leitung führen wird.

Von

dpa

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

21.07.2013, 13:15 Uhr

"Das Versprechen der Politik klang interessant"

Danke, reicht schon.... Versprechen von Volksbetrügern, Hochstaplern, Insolvenzverschleppern, Pleitegeiern, Demagogen und Co. muss man sich nicht anhören.

Account gelöscht!

21.07.2013, 13:23 Uhr

Das Versprechen der Politik - dieser Satz gefällt mir gut. Das ist wie "Blühende Landschaften" toll ist auch "unsere Rente ist sicher" oder "Mir kannst Du vertrauen. Lasst endlich den Gustl raus.

Account gelöscht!

21.07.2013, 13:25 Uhr

Im Prinzip ist diese Anleihe nicht anderes als was Rösler und Altmaier in Form ihrer „Bürgerdividende“ vorgestellt haben. Ach hier sollen Betroffene vom Netzbau finanzielle Vorteile erhalten, falls sie investieren.

Diese Anleihen verfolgen aber nur einen Zweck, nämlich den Widerstand vor Ort zu brechen. Eingriffe in den öffentlichen Raum durch finanzielle Zuwendungen an eine bestimmte Klientel, diejenigen die auch Geld übrig haben zum investieren, zu mehr Akzeptanz zu verhelfen. Ein zutiefst undemokragtischer und unliberaler Ansatz, weil er diejenigen die nichts haben, von dieser Partizipation ausschließt. Die übliche Umverteilung von unten nach oben, als ein wesentliches Merkmal der Energiewende, also lustig weitergeht.

http://glitzerwasser.blogspot.com/2013/07/demokratie-und-gleichheit-im.html

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