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13.06.2012

08:44 Uhr

Südeuropa im freien Fall

Rekordrendite Spaniens verheißt nichts Gutes

Angesichts der Rekordrenditen, die die Anleihen südeuropäischer Länder abwerfen, rechnen Ökonomen damit, dass weitere Kandidaten unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen. Italien wäre der nächste Dominostein der Krise.

Zwei Frauen stehen bei Regenwetter in Sevilla unter einem Schirm. dpa

Zwei Frauen stehen bei Regenwetter in Sevilla unter einem Schirm.

LondonMit seinen Anleiherenditen auf Rekordniveau wächst die Wahrscheinlichkeit von Rettungsmaßnahmen der EU auch für den spanischen Staat - und anschließend womöglich auch für Italien. Die Kapazitäten der Europäischen Union für Hilfszahlungen wären damit auf das Äußerste angespannt.

Am Vortag hatten zehnjährige Staatsanleihen aus Spanien in der Spitze die Rekordrendite von bis zu 6,83 Prozent erreicht und damit den höchsten Wert seit 1997. Fitch Ratings hatte zuvor eingeschätzt, dass der spanische Regierungschef Mariano Rajoy seine eigenen Defizitziele wohl nicht erreichen wird. Auch die maßgeblichen Zehnjährigen aus Italien erreichten die höchsten Renditen seit nahezu sechs Monaten.

Der Rentenmarkt hat mit diesem Verlauf die Effekte der etwa 1,1 Billionen Euro vernichtet, die die EZB im Dezember und im Februar den Banken in der Eurozone ausgegeben hatte und die bislang die Renditen in Grenzen gehalten hatten. Die Rendite der spanischen Zehnjährigen nähert sich derzeit jenem Niveau von sieben Prozent, das Griechenland, Irland und Portugal unter den Rettungsschirm der EU gezwungen hatte. Laut dem Chefökonomen James Nixon von der Société Générale SA in London könnte sich Italien „innerhalb von Monaten“ gezwungen sehen, um Rettung nachzusuchen.

„Die Krise wird unvermeidlich dem nächsten Dominostein zulaufen und das ist eben Italien“, sagte Nixon im Gespräch mit Bloomberg News. Die Konjunktur in diesen südeuropäischen Ländern befinde sich „praktisch im freien Fall“ und die Nachfrage am Markt für diese Papiere schrumpfe entsprechend schnell.

„Ich kann nichts erkennen, was diese Dynamik umkehren soll“, sagte Nixon. Seine Einschätzung wird noch in der laufenden Woche auf den Prüfstand gestellt werden, wenn Italien kurz- und langlaufende Anleihen im Umfang von bis zu 9,5 Mrd. Euro am Markt platzieren will.

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