Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2015

15:14 Uhr

Südeuropa

Mittelmeer-Anleihen werden zu Schnäppchen

Der griechische Schuldenstreit drückt auf die Kurse von spanischen und italienischen Anleihen. Die Anleger fürchten sich vor einer Ausbreitung der Krise. Das freut Großinvestoren. Für sie ist es die Gelegenheit zum Kauf.

Italienische und spanische Schuldentitel verzeichneten in den vergangenen Tagen Renditesprünge. Während sich einige Anleger von den Papieren trennen, schlagen andere Investoren zu. IMAGO

Schuldenstaaten in der Falle

Italienische und spanische Schuldentitel verzeichneten in den vergangenen Tagen Renditesprünge. Während sich einige Anleger von den Papieren trennen, schlagen andere Investoren zu.

DüsseldorfPimco hat die Gelegenheit wohl schon beim Schopf gepackt: Die griechische Schuldenkrise treibe die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen auf „attraktive” Niveaus, sagte der Chef der Abteilung Global Credit der Allianz-Tochter in einem TV-Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Renditen der zehnjährigen Papiere der Mittelmeerländer seien nahe denen von US-Treasuries mit ähnlicher Laufzeit, obwohl die europäische Wirtschaft „deutlich” langsamer wachse als die der USA. So zum Beispiel in Spanien: Dort stieg die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen am Dienstag erstmals seit zehn Monaten über 2,5 Prozent.

Der Grund für die steigenden Renditen ist das Hin- und Her in den Griechenland-Verhandlungen. Die Unsicherheit über den Verbleib des Landes in der Eurozone strahlt auch auf andere südeuropäische Länder ab. Große Fondsverwalter wie Pimco freut das, sie greifen bei den nun besonders günstig bewerteten Staatspapieren zu. „Da gibt es eindeutig eine Gelegenheit”, so Kiesel. „Der Spread zwischen Italien und Spanien zu Bunds ist inzwischen ziemlich attraktiv.”

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die Renditen für die Mittelmeer-Papiere und jene für die als sicher geltenden Bundesanleihen driften dabei immer weiter auseinander. Der spanische Renditeunterschied zu den Bunds lag am Mittwoch bei 150 Basispunkten. Der Spread zwischen italienischen zehnjährigen Anleihen und deutschen Bunds stieg am Dienstag auf 169 Basispunkte – der höchste Wert seit Oktober. Am Mittwoch hat er sich allerdings etwas beruhigt und ging auf 148 Basispunkte zurück. Damit ist er aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie zu seinem Fünf-Jahres-Tief von 84 Basispunkten im März.

Am härtesten trifft der Ausverkauf auf den Anleihenmärkten Griechenland selbst. Anhaltende Verkäufe griechischer Bonds trieben die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Zwei-Monats-Hoch von 13,031 Prozent von 12,93 Prozent. Nur eine Einigung zwischen Hellas und seinen Gläubigern könnte den Ausverkauf stoppen.

Doch eine Lösung ist noch immer nicht in Sicht. „Die Positionen der beiden Verhandlungsparteien scheinen weiter auseinander zu liegen als je zuvor“, sagt Bond-Stratege Nick Stamenkovic vom Brokerhaus RIA Capital. „Sie könnten sich zwar noch in letzter Minute einigen, aber die Zeit läuft bald ab. Wir befinden uns am Scheideweg und das macht Anleger nervös.“

Die Athener Regierung feilscht seit Monaten mit ihren Geldgebern um die Bedingungen für weitere Finanzhilfen. In den vergangenen Tagen verschärfte sich der Ton zwischen den beiden Parteien. Ohne eine Einigung droht Griechenland binnen weniger Wochen die Zahlungsunfähigkeit. Für die ohnehin schon nervösen Märkte wirken solche Nachrichten wie Öl im Feuer. Die Anleger befürchten, dass die griechische Krise auch auf andere südeuropäische Länder überschwappen könnte und trennen sich deshalb von deren Papieren.

Auch SPD-Europaabgeordneter, Martin Schulz, warnte zuletzt davor, die Auswirkungen der Hellas-Krise auf andere Länder zu unterschätzen. Für Italien zum Beispiel sei es schwerer als für Deutschland, auf die milliardenschweren Ansprüche gegen Griechenland zu verzichten. Dagegen sagte der Vorsitzende der größten Fraktion im Europäischen Parlament, der europäischen Christdemokraten, Manfred Weber, am Mittwochmorgen zu Reuters: „Ich sehe keine Ansteckungsgefahr.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×