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12.10.2011

00:09 Uhr

Südeuropäische Banken

Fitch schließt sich dem Abstufungs-Trend an

Die Ratingagentur Fitch schließt sich der negativen Sichtweise von Standard & Poor's an. Auch sie stuft die Kreditwürdigkeit europäischer Banken herab. Doch diesmal geht es nicht nur spanischen Banken an die Bonität.

Die Ratingagentur Fitch wertet spanische und italienische Banken ab. dapd

Die Ratingagentur Fitch wertet spanische und italienische Banken ab.

New YorkDie beiden Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch haben ihren Daumen über einige südeuropäische Banken gesenkt. Während sich S&P auf Spanien konzentrierte, nahm Fitch sowohl spanische als auch italienische Banken ins Visier.

Bei den spanischen Banken stufte Fitch Santander, Banesto, BBVA, Popular und Sabadell herab. In Italien mussten Sanpaolo, Unione di Banche Italiane und Banca Monte dei Paschi di Siena Federn lassen. Zudem stellte Fitch die italienische UniCredit unter Beobachtung.

In der vergangenen Woche hatte Fitch die Kreditwürdigkeit Spaniens und Italiens herabgestuft und der Euro-Zone den nächsten Schuss vor den Bug verpasst. Die italienische Regierung habe mit einer zunächst zögerlichen Reaktion das Marktvertrauen beeinträchtigt, hieß es dazu laut der Nachrichtenagentur Bloomberg bei Fitch. „Das Rating der italienischen Banken spiegelt zudem den zunehmenden Druck auf Banken in ganz Europa wieder.“

Es ist wahrscheinlich, dass die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone nun höhere Kreditzinsen zahlen müssen. Italien sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Zusätzliche Sorgen verursacht das chronisch niedrige Wirtschaftswachstum.

Wie die Krise die europäischen Banken trifft

Die Geschichte wiederholt sich

Schon einmal mussten die Europäer ihre Banken 2008 retten. Nun steht die nächste Runde an. Finanzexperten begrüßen die Pläne der Europäer, die Kapitalpolster ihrer Institute zu stärken. Doch der Bedarf ist nicht überall gleich hoch: Die Krise trifft die Banken der Krisenländer unterschiedlich hart.

Portugal

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von neun Banken gerade erst herabgestuft. Moody’s begründet das mit den Folgen, die eine portugiesische Staatspleite für die Banken haben könnte. Die bisherige Finanzkrise haben die Banken gut gemeistert und trotz der schwierigen Situation bislang keine staatlichen Kapitalspritzen benötigt. Stabilisiert hat die Banken, dass sie einen großen Teil ihres Finanzbedarfs durch Kundeneinlagen decken können. Die Einlagen sind laut der Ratingagentur Fitch bislang stabil geblieben.

Spanien

Eigentlich ist die Sanierung und Rekapitalisierung der Banken gerade abgeschlossen. Das gilt insbesondere für die Sparkassen, die zu viele Kredite an Bauträger vergeben hatten und die nach dem Platzen der Immobilienblase auf ihren unverkauften Wohnsiedlungen und unbezahlbaren Kreditschulden sitzen geblieben waren. Griechenland-Anleihen sind für die Banken zwar kein Thema, doch sie besitzen viele spanische Anleihen – und sind so durch die Ausweitung der Schuldenkrise bedroht.

Griechenland

Die Banken haben zwar die Finanzkrise 2008 gut überstanden, doch seit der Schuldenkrise hängen sie dennoch am Fliegenfänger. Würde es in Griechenland einen Schuldenschnitt geben, hätte das Land kein Geld für die Rettung seiner Banken. Zudem wird es für die Banken schwerer, EZB-Kredite zu erhalten. Dazu bräuchten sie neue Staatsanleihen, doch Griechenland finanziert sich nur noch über die EU und nicht mehr über Anleihen.

Italien

Die erneute Bonitätsherabstufung des Landes durch eine Ratingagentur trifft die Banken zur Unzeit. Sie sind zunehmend auf Notenbankkredite angewiesen, da auch gute Ergebnisse beim europäischen Stresstest die Nervosität der Investoren nicht zerstreuten. Zu schwer wiegt die Angst vor einer Insolvenz Italiens und den Folgen für dessen Banken. Das ist ungünstig, weil zumindest die Großbank Unicredit noch eine Kapitalerhöhung plant. Das hatte die Notenbank von allen Instituten eingefordert, und bis auf Unicredit sind dem auch alle gefolgt. Kein Wunder, dass der designierte Zentralbankchef Italiens, Fabrizio Saccomanni, nach dem Ratingurteil extra betonte, dass Italiens Banken solide seien und ihre Kapitalausstattung dem europäischen Vergleich standhalte.

Großbritannien

Nach Meinung des britischen Finanzministers George Osborne sind britische Banken „liquide und gut kapitalisiert“. Von Moody’s wurden die Institute dennoch herabgestuft. Die Regierung werde zwar wohl weiterhin wichtige Banken unterstützen, aber unter Umständen das Zusammenbrechen kleinerer Finanzinstitute zulassen, heißt es zur Begründung. Für Aufregung sorgt auch ein Bericht der „Financial Times“, wonach die Royal Bank of Scotland einem Regierungsvertreter zufolge wohl auch noch einmal Staatshilfen bekäme, „wenn es in Europa einen breit angelegten Vorstoß zur Rekapitalisierung von Banken gibt“.


Die Ratingagentur Standard & Poor's wertete derweil zehn spanische Banken herab, darunter die beiden führenden Banken des Landes Santander und BBVA. Zur Begründung hieß es, die Agentur sei pessimistisch hinsichtlich der „Verlangsamung der spanischen Wirtschaft“ und des „geschädigten Immobilienmarkts“.

Die Ratingagentur Fitch hat am Dienstag zudem die Kreditwürdigkeit des belgischen Zweigs der angeschlagenen Dexia-Bank herabgestuft. Das Schuldenrating der französisch-belgischen Bankengruppe bleibe bei A+, die Kreditwürdigkeit des belgischen Zweigs werde aber um eine Stufe auf A herabgesetzt, teilte die Agentur mit. Grund sei die am Montag verkündete Umstrukturierung der Bank. Ohne Staatshilfen hätte die Bank ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, hieß es.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

12.10.2011, 04:34 Uhr

In meinem Geldbeutel sind nur noch 5,87 €.

Hoffentlich merkt Fitch das nicht; sonst stufen sie mich auf BBB-, Aussicht negativ, herunter.

Account gelöscht!

12.10.2011, 07:53 Uhr

Sieht so aus , als wuerde Geithner und Co Ihre "Agenturen" weiterhin zu missbrauchen um Stoerfeuer in Europa zu fahren. Gleichzeitig zettelt man einen weiteren Streit mit China an - so ist man abgelenkt von der Misere in den USA. Es scheint auch noch zu gelingen. Unsere Politiker werden immer nervoeser und fahren die Kiste immer weiter in den Sand. Big Ben (UK) und Uncle Sam halten sich den Bauch vor Lachen!

Neutral

12.10.2011, 08:00 Uhr

Schnell ausgeben und auf Null fahren, dann weiss die Agentur nicht mehr was machen!

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