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13.06.2014

07:40 Uhr

„Süßes Gift“

Weidmann warnt vor Anleihekäufen

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält nicht viel von den Plänen, wonach die EZB Staatsanleihen angeschlagener Länder aufkaufen soll. So würden „Risiken von einem Land in ein anderes“ verschoben.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Asset-Käufe dürften auf die Regierungen wie ein süßes Gift wirken.” dpa

Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Asset-Käufe dürften auf die Regierungen wie ein süßes Gift wirken.”

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Aussage von Bundesbankpräsident Jens Weidmann nicht Risiken von einem Land in ein anderes verschieben, indem sie Staatsanleihen aufkauft.

„Ein besonderes Problem mit den Käufen von Staatsanleihen in einer Währungsunion ist, dass sie die Risiken unter den Steuerzahlern der verschiedenen Länder umverteilen”, sagte Weidmann, der auch EZB-Ratsmitglied ist, am späten Donnerstag bei einer Rede in Dubrovnik, Kroatien. „Alle Entscheidungen dieser Art sollten jedoch von den demokratisch gewählten Regierungen und Parlamenten getroffen werden.”

Die in Frankfurt ansässige EZB hat in diesem Monat ein historisches Maßnahmenpaket bekanntgegeben, um die Gefahr einer Deflation abzuwehren.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

Die Währungshüter hatten angekündigt, ihre Vorarbeiten für den Kauf von forderungsbesicherten Papieren (ABS) zu intensivieren. Die Notenbanker verpflichteten sich zwar nicht dazu, Käufe von Staatsanleihen einzusetzen. Die Aussicht darauf schürte jedoch EZB-Präsident Mario Draghi, indem er sagte, weitere Schritte würden eingeleitet, wenn dies nötig sei.

„Asset-Käufe dürften auf die Regierungen wie ein süßes Gift wirken”, sagte Weidmann. „Das böse Erwachen dürfte kommen, wenn die Käufe reduziert oder vollkommen eingestellt werden.”

Kommentare (4)

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13.06.2014, 09:21 Uhr

Herrgott Weidmann! Dann verhindern Sie es doch bitte.

Und dass Mutti, Hollande & Co. das entscheiden sollen, ist doch nicht Ihr Ernst, oder?

Bitte nicht allzu oft & laut sagen, sonst gibts noch nen Bankenrun + Knappheit bei Goldmünzen:-)

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13.06.2014, 09:25 Uhr

Die Warnungen des Bundesbankpräsidenten vor möglichen Staatsanleihenkäufen durch die EZB verdienen uneingeschränkte Unterstützung.Die Argumente sind plausibel und überzeugend. Es besteht im übrigen die grosse Gefahr, dass die Geldpolitik in eine selbst gestellte Falle gerät und sie mehr und mehr als Rettungsanker für die politische Versäumnisse missbraucht wird. Das Risiko ist gross, dass eine einmal getroffene Entscheidung zugunsten QE sehr schwer bzw kaum revidierbar ist.
Die Warnungen Weidmanns sind daher sehr angebracht.Allerdings sollte er dann auch konsequent sein und im EZBRat gegen einen derartigen Beschluss stimmen und dies auch öffentlich vertreten, um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren.

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13.06.2014, 17:53 Uhr

Ein böses Erwachen wird es auch geben, wenn die Inflation wieder anzieht und die EZB nichts dagegen tun kann ohne einen Megacrash am Aktien- und Immobilienmarkt zu auszulösen. Wenn die EZB ihr Mandat noch ernst nimmt, sollte sie dies beunruhigen.

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