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30.06.2011

12:07 Uhr

S&P bewertet Siag

Siag-Anleger gehen ein hohes Risiko

VonLaura de la Motte

Anleihe unter der Lupe: Der Windanlagen-Zulieferer Siag lässt seine Anleihe als erster Mittelständler von S&P bewerten. Das Urteil offenbart das sehr hohe Risiko.

Der Vorstandsvorsitzende der SIAG Schaaf Industrie AG, Rüdiger Schaaf. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der SIAG Schaaf Industrie AG, Rüdiger Schaaf.

FrankfurtSo mutig und kompromissbereit wie bisher kein anderer buhlt Siag, ein Hersteller von Stahlträgern für die Windindustrie, um die Gunst der Anleger. Seit Montag läuft an der Börse Frankfurt die Zeichnungsfrist für eine fünfjährige Anleihe des Unternehmens im Volumen von 50 Millionen Euro. Sie wird mit neun Prozent pro Jahr verzinst. Das Besondere: Als erster Mittelständler hat Siag seinen Bond von der amerikanischen Ratingagentur S&P bewerten lassen – und nicht von Creditreform oder Euler Hermes aus Deutschland.

Bei den Investoren kommt das gut an. „Wir ziehen in jedem Fall das Rating einer international agierenden Gesellschaft mit langjähriger Historie und Kompetenz eher national agierenden Ratingagenturen vor“, sagt René Assion, Portfoliomanager bei BN & Partner in Frankfurt. „Gerade weil das Unternehmen nicht so bekannt ist, fördert das S&P-Rating das Vertrauen“, ergänzt Gerhard Rosenbauer, von der Vermögensverwaltung Capital Forum in München.

Das ist allerdings erst einmal bloß Theorie. Denn das Urteil von S&P für die Siag-Anleihe ist vernichtend: Auf der Skala von AAA (beste Bonität) bis D (Ausfall) erhielt das Papier gerade mal das Rating CCC+. Das bedeutet, dass das Unternehmen mit einer Wahrscheinlichkeit von 27 Prozent bereits im ersten Jahr seinen Investoren keine Zinsen wird zahlen können. Über die gesamte Laufzeit liegt die Ausfallwahrscheinlichkeit sogar bei 47 Prozent.

„Wir haben erwartet, dass das Rating von S&P schlecht ausfällt, aber wir wollten mit Klarheit und Wahrheit an die Investoren herantreten“, sagt Vorstandsvorsitzender Rüdiger Schaaf. Er ist optimistisch, dass die Bewertung bei der nächsten Überprüfung in einem Jahr schon besser ausfällt. Das erwartet auch Investor Rosenbauer: „Die Finanzkrise hat Siag hart getroffen. Das hat beim Rating voll durchgeschlagen“, sagt er. Ähnlich sieht das Portfoliomanager Assion: „Das zyklische Tief ist durchschritten. Der Auftragsbestand erreichte Ende April mit 254 Millionen Euro ein Rekordniveau.“ Da Siag ein Lieferant für die größten Windkraftanlagenbauer ist, dürfte das Unternehmen vom Ausbau der Windenergie profitieren, glaubt Assion. Kritisch sieht er allerdings, dass Siag von wenigen Schlüsselkunden abhängig ist. Gerd Häcker von der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen gibt zu bedenken, dass unter dem Kostendruck der Branche auch die Zulieferer leiden. „Das Rating zeigt das Risiko. Anleger sollten nicht versuchen, immer die höchste Rendite zu erzielen, sondern sich auch mal mit weniger zufrieden geben.“

Zur Beruhigung räumt Siag seinen Investoren finanzielle Schutzklauseln (Covenants) ein. Solange die Eigenkapitalquote unter 30 Prozent liegt, darf Siag nicht mehr als 100 Millionen Euro Schulden haben und auch keine Ausschüttungen an die Eigentümer zahlen. Hält sich Siag nicht daran, dürfen die Gläubiger die Anleihe kündigen. Rosenbauer lobt diese Einstellung: „Siag ist ein Newcomer auf dem Kapitalmarkt. Mit der Klausel zeigt das Unternehmen, dass es fair mit den Investoren umgehen will.“

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