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30.11.2011

13:20 Uhr

S&P-Herabstufung

Großbanken unter Beschuss

Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Kreditwürdigkeit von 15 Großbanken herunter. Deutsche Geldhäuser kommen zwar glimpflich davon, einen Warnschuss feuerte S&P allerdings in Richtung Deutscher Bank.

Die Senkung der Kreditwürdigkeit trifft die Geldinstitute in einer Zeit großer Unsicherheit. dpa

Die Senkung der Kreditwürdigkeit trifft die Geldinstitute in einer Zeit großer Unsicherheit.

New York 15 der 37 größten Banken der Welt müssen eine grundlegend veränderte Sicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) auf die Finanzbranche mit schlechteren Bonitätsnoten bezahlen. Die mächtige Agentur reagiert mit der Generalüberholung ihrer Rating-Kriterien auf massive Kritik an ihren oft zu positiven Bewertungen vor und in der Finanzkrise. S&P beleuchtet verstärkt das Umfeld, in dem die Banken arbeiten: die wirtschaftliche Lage in ihrem Heimatland oder den Konkurrenzdruck in der Branche. Das war bisher nur als „weiche Kriterien“ für die Kreditwürdigkeit ins Kalkül gezogen worden. Die Deutsche Bank und die Commerzbank wurden nicht herabgestuft, der Ausblick für das Rating des deutschen Branchenprimus ist nun aber „negativ“ und nicht mehr „stabil“.

Die meisten der betroffenen Banken kommen aus den USA und aus Europa. Eine Stufe schlechter bewertet werden unter anderem die großen US-Banken Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan und Bank of America, die britischen Banken Barclays und HSBC sowie die UBS aus der Schweiz. 20 Ratings behielt S&P bei, höher eingestuft als bisher werden nur die beiden chinesischen Bankriesen Bank of China und China Construction Bank.

Standard & Poor's hatte die neuen Kriterien zwar schon vor einem Jahr angekündigt, dennoch drückte der Auftakt zu einer Welle von Neubewertungen in den nächsten Wochen am Mittwoch Bankaktien in aller Welt. Eine schlechtere Bonitätsnote bedeutet für die Banken in der Regel, dass sie sich teurer Geld leihen müssen - in einer Zeit, in der das mangelnde Vertrauen unter den Kreditinstituten die Refinanzierung für einige von ihnen ohnehin verteuert hat. „Anleihekäufer und die Teilnehmer am Handel mit Kreditderivaten handeln die großen Banken seit einiger Zeit so, als wären sie schon herabgestuft worden“, sagte Tony Smith von Moody's Analytics, einer Tochter des S&P-Konkurrenten Moody's. „Wirklich überraschen sollte sie niemanden mehr“, sagte ein Börsianer.

Insgesamt sieht S&P die Großbanken offenbar kritischer als andere Institute: Von den mehr als 750 weltweit beleuchteten Banken sollen nach Angaben von S&P nur 20 Prozent herabgestuft werden, 20 Prozent könnten sogar mit höheren Ratings rechnen. Ein weiterer Trend, den die neuen Kriterien zeigen: Banken in Entwicklungs- und Schwellenländern stehen im Vergleich zu den Finanzkonzernen in Westeuropa und den USA im Großen und Ganzen besser da.

Den Banken in Deutschland attestiert S&P eigentlich gute Grundvoraussetzungen. Das wirtschaftliche Risiko in Deutschland erhält von den Ratingexperten die Bestnote „1“, das Risiko für die Branche liegt immerhin bei „3“ - das ergibt ein „Anker-Rating“ für die deutsche Kreditwirtschaft von „A-“. Die Deutsche Bank wird mit „A+“ sogar um zwei Stufen besser bewertet. Sorgen macht sich S&P aber über die Kapitalausstattung der Bank. Diese sei im Moment zwar „angemessen“. Doch die starke Abhängigkeit des Geldhauses vom Investmentbanking berge das Risiko, dass es sein Kapital aus eigenen Gewinnen weniger stark aufbessern können werde als geplant, wenn sich die Kapitalmärkte auf Dauer eintrübten. Deshalb sei die strategische Bedeutung der Tochter Postbank mit ihren Millionen von Privatkunden noch gestiegen. Die Postbank-Bauspartochter BHW wurde auf „BBB“ von „A-“ herabgestuft.

Deutschlands zweitgrößte Bank, die Commerzbank, wird mit „A“ noch um eine Drittel-Note besser bewertet als das Bankensystem in Deutschland, mit einem negativen Ausblick. S&P attestiert ihr nach der elf Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung im Frühsommer nun ebenfalls eine „angemessene“ Kapitalausstattung, ihre Ertragskraft liege aber unter dem Branchendurchschnitt. „Unsere Ratings für die Commerzbank werden auch die nächsten ein bis zwei Jahre unter Druck bleiben“, erklärte die Ratingagentur. Die Bank müsse sich wegen der Konjunktur-Abschwächung und dem Abwärtstrend an den Kapitalmärkten auf höhere Kredit- und Marktwert-Verluste einstellen. Schlüssel für ein besseres Rating wären Erfolge beim Abbau des Portfolios an nicht-strategischen Beteiligungen. Dazu gehört vor allem der Immobilienfinanzierer Eurohypo, der aber am Markt derzeit als nicht verkäuflich gilt.

 

Von

rtr

Kommentare (3)

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bankentotto

30.11.2011, 05:37 Uhr

hütchenspieler bewertet hütchenspieler...

Schindler

30.11.2011, 11:39 Uhr

Seit Monaten können wir nur über Herabstufungen lesen. Welche Länder oder Firmen sind in den letzten Monaten hochgestuft worden?

Account gelöscht!

30.11.2011, 11:39 Uhr

Ganz sicher sind die Ratingagenturen keine Engel, aber ohne sie würde die abgehobene Polit-"Elite" völlig ungebremst ihre Schuldenpolitik fortsetzen. Jäger sagen: "Der getroffene Hund bellt." Die Reaktion der Polit-Schranzen auf jede Herabstufung der Agenturen spricht klar für sich.

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