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27.01.2015

13:36 Uhr

S&P senkt Russland-Rating

„Sie sind politisch motiviert“

S&P senkte die Bonitätsnote für Russland auf Ramschniveau. Der Rubel reagierte sofort und verlor mehr als fünf Prozent gegenüber dem Dollar. Regierungsvertreter verbreiten Verschwörungstheorien.

„Standard and Poor's“-Logo in New York: Die Ratingagentur stufte Russland herab. dpa

„Standard and Poor's“-Logo in New York: Die Ratingagentur stufte Russland herab.

BangaloreRussland hat die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau als politisch motiviert kritisiert. Die Rating-Entscheidungen hätten nichts mit der wirtschaftlichen Realität zu tun, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Dienstag. Auch Finanzminister Anton Siluanow reagierte mit Unverständnis auf die Senkung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur S&P am Montag.

Nachdem der Rubel zum Dollar in Reaktion auf die S&P-Schelte am Tag zuvor gut sieben Prozent eingebrochen war, ging es am Dienstag an der Moskauer Börse bergab. Gleichzeitig verteuerten sich die Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall Russlands.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) senkte die Bonität des Landes am Montagabend auf „BB+" von "BBB-“. Russische Staatsanleihen haben damit Ramsch-Status, das heißt sie werden als riskante Anlage angesehen und nicht mehr als solides Investment. Zudem bewerteten die Experten den Ausblick als negativ und signalisierten damit eine mögliche weitere Verschlechterung der Note in den kommenden Monaten.

„Sie sind politisch motiviert und deshalb ist es unwahrscheinlich, dass vernünftige Unternehmen sie berücksichtigen sollten.“, sagte Peskow. S&P begründete die Herabstufung mit den abgeschwächten Aussichten für das Wirtschaftswachstum sowie der geringeren Flexibilität in der Geldpolitik. Dem einst boomenden Schwellenland machen insbesondere die westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und der stark fallende Ölpreise zu schaffen.

Finanzminister Siluanow hob dagegen in Moskau hervor, dass der aufgelegte Anti-Krisen-Plan der russischen Regierung keine Mehrausgaben vorsehe und das Ziel habe, den Haushalt bis 2017 auszugleichen. Zudem seien Strukturreformen geplant.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Herr Edmund Stoiber

27.01.2015, 07:48 Uhr

Der S&P-score ist Teil der Strafzahlungen an die US-Regierung!

Herr John Smidt

27.01.2015, 09:08 Uhr

Weiteres Zeichen, dass die ganzen Bewertungen nichts mit der Realität zu tun haben und nur als Druckmittel in der Geopolitik genutzt werden!
Die Verschuldung in Russland liegt seit Jahren zwischen 9% und 11% des BIP. Man erwirtschaftet mehrere Jahre in Folge Handelsüberschüsse in Milliarden, im Jahr 2014 waren es ca. 40 Mrd.

Wenn wir die ganze Situation in der Welt zusammenbetrachten, es herrscht Krieg! Die USA versuchen seinen geopolitischen Gegner Russland in die Knie zu zwingen. Die Rohölpreise werden nach unten gedrückt (das kennen wir schon von früher), auf Rubel wird spekuliert UND, was noch perfider ist, man provoziert einen Krieg an den Grenzen Russlands. Und unsere Regierung lässt sich, wie Marionetten, von unseren Freunden vorführen. Unglaublich, Deutschland pfeift auf ihre Interessen, lässt sich lenken, abhören, … Aber keine Sorge, bald unterschreiben wir TTIP mit USA und Kanada und geben somit komplett die Ruder aus der Hand!

Herr Dim Akk

27.01.2015, 09:19 Uhr

LÄCHERLICH! Diese US-Ratingagenturen haben Ihre Glaubwürdigkeit spätestens jetzt verloren. Schade, dass einige Banken/ Investoren Ihre Investitionsentscheidungen noch immer von diesen Zirkusagenturen abhängig machen.

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