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10.07.2013

15:18 Uhr

S&P-Urteil für Italien

Herabstufung kommt Italien teuer

Das Euro-Krisenland Italien muss nach der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit durch S&P bei der Platzierung ihrer jüngsten Anleihe höhere Zinsen bezahlen. Die Regierung in Rom schimpft auf die Ratingagentur.

Die Herabstufung durch S&P lässt die Refinanzierungskosten der Italiener steigen. dpa

Die Herabstufung durch S&P lässt die Refinanzierungskosten der Italiener steigen.

RomItalien muss nach der Ratingabstufung durch Standard & Poor's höhere Zinsen zahlen. Bei einer Versteigerung von Geldmarkttiteln mit Fälligkeit in sechs und zwölf Monaten stiegen die Renditen am Mittwoch, wie aus Zahlen der italienischen Notenbank hervorgeht.

Italien nahm aber mit 9,5 Milliarden Euro so viel Mittel auf wie geplant. Das kürzerlaufende Papier rentierte mit 0,6 Prozent und damit etwa 0,2 Punkte höher als bei der vergleichbaren Auktion Mitte Mai. Die Rendite des einjährigen Schuldtitels stieg verglichen mit Mitte Juni um 0,38 Punkte auf knapp 1,1 Prozent an.

Der Renditezuwachs dürfte aber nicht nur auf die jüngste Ratingabstufung durch Standard & Poor's, sondern auch auf das allgemein höhere Zinsniveau zurückgehen, ausgelöst durch die absehbare geldpolitische Wende in den USA.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Italiens Regierung kritisierte die Senkung der Kreditbewertung des Euro-Krisenlandes durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) als falsch und kleinlich. Die Analysten der Agentur berücksichtigten die bereits vorbereiteten Maßnahmen der neuen Regierung unter Enrico Letta nicht, hielt das Wirtschaftsministerium in Rom am Dienstagabend der Herabstufung der Bonität Italiens entgegen.

Auch das Basel Institute of Commons and Economics hält die weitere Abwertung von Italien nach aktuellen Berechnungen nicht für gerechtfertigt. So seien die Staatsschulden in Italien zwischen 2009 und 2012 um nur 12,4 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Deutschlands seien die Schulden im gleichen Zeitraum um 22,4 Prozent und in Frankreichs um 26,14 Prozent gestiegen.

Im Gegensatz zum Maastricht-Kriterium betrachtet das Basel Institute of Commons and Economics das Verhältnis von Staatseinnahmen und Staatsschulden. Italien, das nach dem Maastricht-Kriterium zu den am schlechtesten bewerteten Staaten der EU gehört, schneidet im Basel Kriterium sehr gut ab.

„Denn obwohl die Italiener 2012 einen Wachstumsrückgang von 2,2 Prozent verbuchen mussten, konnten sie ihre Staatseinnahmen um 2,47 Prozent steigern und ihre Schulden im letzten Quartal 2012 als einziger der großen Industriestaaten sogar leicht reduzieren“, sagt Alexander Dill, Vorstand des Instituts. Wie der Vergleich insbesondere auch mit den USA zeige, habe Italien 2012 eine hervorragende Finanzpolitik betrieben. „Da in Italien auch ein sehr erfolgreiches Programm von sogenannten „Patriotenanleihen“ läuft und die meisten Anleihen innerhalb von Italien gehalten werden, ist eine Herabstufung der Bonität Italiens insbesondere im Vergleich zu den USA nicht gerechtfertigt“, sagt Dill.

S&P hatte das Rating für das Land wegen der schwachen Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung von „BBB+“ auf „BBB“ gesenkt. Italien steckt in einer anhaltenden Rezession. An den Finanzmärkten sorgte die Aktion für Verstimmung. Die Zinsen zogen an: Zehnjährige Bonds warfen 4,497 Prozent ab nach 4,399 Prozent am Dienstag. Die Börse in Mailand fiel zeitweise um 1,4 Prozent.

Die Verstimmung schwappte auch auf spanische Anleihen über: Die Rendite der zehnjährigen Titel lag bei 4,819 Prozent nach zuvor 4,690 Prozent. "Die Herunterstufung Italiens signalisiert, dass weitere Ratingveränderungen möglich sind und auch Spanien besorgt sein sollte", sagte Jan von Gerich, Analyst bei Nordea. Spanien wird bei S&P bereits mit "BBB-" bewertet, eine weitere Senkung der Bonitätsnote würde das Abrutschen auf Ramschniveau bedeuten.

Kommentare (30)

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Frankie

10.07.2013, 11:25 Uhr

Norditalien hat nach wie vor hervorragende Firmen, der Süden ist hingegen seit Jahrzehnten ein hoffnungsloser Fall.

Aber dass die italienische Politik auf Ramschniveau agiert, ist wohl unumstritten, nicht erst seit Tangentopoli. Das Problem der privaten Firmen ist, dass auch ihre Bonität vom Staat und den von ihm gesetzten Rahmenbedingungen abhängt. Ich würde heute weder in Italien, noch in Frankreich investieren - dafür hat der debile Staat in beiden Ländern gesorgt. Aussicht auf Besserung gibt es nicht.

oha

10.07.2013, 11:30 Uhr

Wie engherzig Rom seit langem mit Italien umgeht, das wurde ja nicht nur erst mit Berlusconi offenkundig.

Account gelöscht!

10.07.2013, 11:39 Uhr

Diese Herabstufung ist noch extrem milde und kommt eigentlich 10 Jahre zu spät!

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