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05.01.2007

16:40 Uhr

Terminmärkte

US-Plätze hängen Europa ab

VonUdo Rettberg

Europas Terminbörsen haben im Jahr 2006 gegenüber der US-Konkurrenz Federn lassen müssen. Amerikanische Derivatemärkte wie die Chicago Mercantile Exchange (CME) und die Intercontinental Exchange (ICE) warten hingegen mit geradezu gigantischen Wachstumsraten auf. Die beiden Terminmärkte beweisen bei Derivaten hohe Innovationskraft.

FRANKFURT. Während amerikanische Derivatemärkte wie die Chicago Mercantile Exchange (CME) und die Intercontinental Exchange (ICE) mit geradezu gigantischen Wachstumsraten zwischen 44 und 120 Prozent aufwarten, lagen die Steigerungsraten der großen europäischen Terminbörsen Euronext-Liffe und Eurex lediglich bei 21 bzw. 22 Prozent.

Unangetastet bleibt dagegen die Führungsrolle Europas bei strukturierten Produkten, also Derivate-Instrumenten wie Zertifikaten, Optionsscheinen und Aktienanleihen. Denn Europas Emissionsbanken zeigten auch im vergangenen Jahr auf diesem Gebiet nicht nur eine erstaunliche Innovationskraft, sondern auch ein hohes Tempo bei der Umsetzung von neuen Produktideen.

Ein Grund für die im Vergleich zu den USA unterdurchschnittlichen Steigerungsraten europäischer Terminbörsen liegt unter anderem in der monostrukturellen Ausrichtung dieser Märkte. Denn Eurex und Euronext-Liffe verfügen entweder über eine vollständig oder aber überwiegend auf den Finanzsektor ausgerichtete Angebotspalette. Amerikas Derivatebörsen profitieren dagegen seit geraumer Zeit in nicht unerheblichem Ausmaß von der Renaissance der Rohstoffmärkte.

Denn immer mehr Wirtschaftsunternehmen setzten zuletzt Rohstoff-Derivate zur Absicherung von an den Energie-, Metall- und Agrarmärkten existierenden Preisrisiken ein. Auf der anderen Seite investierten auch Hedge-Fonds einen nicht unerheblichen Teil ihres Anlagekapitals in Rohstoffe, indem sie spekulative Engagements in Commodity-Futures eingehen, die an den Börsen in Chicago und New York gehandelt werden.

Darüber hinaus waren die US-Börsen in den vergangenen Monaten im Vergleich zu den großen europäischen Konkurrenten Euronext-Liffe und Eurex wesentlich innovationsfreudiger. So wurden in den USA zahlreiche neue Rohstoff-Futures auf Orangensaft, Zellstoff, Düngemittel, Strom und Kohle kreiert. Die überseeischen Märkte wagten zudem Ausflüge auf neue interessante Gebiete wie Wetter-Derivate. Für CME-Vorstandschef Craig Donohue hat dieser Nischenmarkt langfristig großes Potenzial. Überdies standen in den vergangenen Monaten in den USA neue Märkte im Fokus, an denen Anleger mit Futureskontrakten zum Beispiel „Wetten“ auf US-Konjunkturdaten und auf Sportereignisse eingehen können.

Rich Repetto vom Finanzhaus Sandler O’Neill & Partners ist sich zudem im Hinblick auf das Entstehen neuer Ideen für Derivate-Produkte sicher, dass die geplante Fusion von CME und CBOT zur weltgrößten Terminbörse starke Impulse für das Entstehen von Produkt-Innovationen bringen wird. Der aus der Fusion dieser beiden Märkte entstehende Börsenriese müsse sich künftig weniger um die Konkurrenz vor der eigenen Haustür Gedanken machen. Er könne sich vielmehr wesentlich stärker der internationalen Wettbewerbssituation widmen und dabei den eigenen Innovationskräften freien Lauf lassen, sagt Repetto.

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