Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2006

08:41 Uhr

Tokio steigt in das Geschäft ein

Gegen das Wetter versichern

VonUdo Rettberg

„Alle sprechen vom Wetter – wir nicht.“ Die Deutsche Bahn, die diesen Werbeslogan früher benutzt hat, kann diese Aussage nicht mehr für sich in Anspruch nehmen. Das Wetter beeinflusst nicht nur das Wohlbefinden einzelner Menschen, sondern ganze Volkswirtschaften.

Der Markt mit dem Wetter steckt noch in den Kinderschuhen.

Der Markt mit dem Wetter steckt noch in den Kinderschuhen.

HB FRANKFURT. So haben findige Köpfe der Finanzwelt das derivative Instrumentarium der Finanzmärkte auf die mit dem Wetter verbundenen Risiken ausgeweitet. Banken, Versicherungen, Versorger und Börsen offerieren der Wirtschaft Versicherungen gegen Witterungsrisiken, nämlich Wetter-Derivate wie Swaps und Optionen.

Noch steckt der Markt in den Kinderschuhen. Betrachter sind sich jedoch der zunehmenden Bedeutung sicher. Die Chicago Mercantile Exchange (CME) spricht davon, dass rund 20 Prozent der US-Volkswirtschaft direkt durch das Wetter beeinflusst werden. Auch der US-Kongress misst ihm als ökonomischem Faktor eine große Bedeutung zu. „Zumindest eine Billion Dollar unserer wirtschaftlichen Gesamtleistung ist von Witterungseinflüssen abhängig“, heißt es dort. Kein Wunder: Das zunehmende Auftreten von Wirbelstürmen, der Klimaphänomene El Nino und La Nina, von verheerenden Waldbränden hat das Bewusstsein für Wetter-Risiken erhöht.

Auch in Europa hat man erkannt, dass das Chance/Risiko-Profil von Unternehmen immer stärker durch das Wetter bestimmt wird. Daher nutzen immer mehr Unternehmen den von Brokern und Banken dominierten Freiverkehrsmarkt (OTC) für Wetter-Derivate und die von der Chicago Mercantile Exchange fürs Wetter-Management angebotenen Risikosicherungsinstrumente.

Die CME-Instrumente orientieren sich zum Beispiel in der Sommerzeit (1. April bis 31. Oktober) an „CDD – Cooling Degree Days“ und im Winter (1. November bis 31. März) an „HDD – Heating Degree Days“. Vereinfacht ausgedrückt wird die Größe HDD dadurch errechnet, dass die durchschnittliche Tagestemperatur der Winterzeit von der Fixgröße 65 Grad Fahrenheit abgezogen wird. Zur Erklärung: Bei einer Temperatur von 65 Grad Fahrenheit (18 Grad Celsius) schaltet die Automatik der US-Klimaanlagen ein. Die an der CME gehandelten Derivate bilden auf der Basis von Wetterindizes die Witterungsbedingungen ausgewählter US-Großstädte ab. In den vergangenen Monaten hat die CME ihre Angebotspalette jedoch auch auf Wetterindizes anderer Wirtschaftszentren in der Welt ausgeweitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×