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31.03.2017

19:00 Uhr

Tool der Woche

Wie Fonds versagen

VonIngo Narat

Ein Fondsmanager soll das Geld seiner Anleger vermehren – eigentlich. Doch die Finanzprofis liefern oft maue Erträge ab. Die Anleger haben eine günstigere Alternative. Das Tool der Woche.

Fondsmanager kosten Extra-Gebühren und enttäuschen mit schlechter Performance. dpa

Leere Taschen

Fondsmanager kosten Extra-Gebühren und enttäuschen mit schlechter Performance.

FrankfurtEs ist der große Unterschied zwischen Schein und Sein. Fondsmanager erscheinen gerne als hoch kompetente Geldvermehrer. In der Wirklichkeit liefern sie dagegen viel weniger Ertrag ab als an den Märkten erzielbar wäre und die Kunden es erwarten.

Verschiedene Studien belegen die negative Bilanz. S&P Dow Jones Indices beispielsweise wertete die Aktienfonds in Europa aus. Über die vergangenen zwölf Monate lagen die Renditen der meisten Produkten unter den entsprechenden Indexerträgen für den jeweiligen Markt. In der Zehnjahresbilanz sind in der Regel mehr als drei Viertel der Fondsmanager gescheitert.

Die besten Anlagen 2016

Zucker

Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 deutlich gestiegen. Am deutlichsten stieg der Preis für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.

Aktien Russland

Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. Aus 100.000 in Russland angelegten Euro wurden so im vergangenen Jahr 152.950 Euro. Zum Vergleich: Aus 100.000 angelegten Euro wurden im amerikanischen Dow Jones - inklusive des Dollar-Anstiegs - „nur“ 116.140 Euro, im deutschen Dax waren es 106.780 Euro und im Euro Stoxx 50 der Standardwerte im Euro-Raum 100.770 Euro.

Öl

Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. was sie Ende 2016 tatsächlich machten. Aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro wurden bis am Jahresende 161.080 Euro.

Zink

Zink war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Im vergangenen Jahr stieg der Preis von Zink, das vielfach in der Industrie eingesetzt wird in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.

Aktien Kasachstan

Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Wer 100.000 Euro in den gerade mal neun Werte umfassenden Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent.

Aktien Peru

Die Aktie in Peru profitierte von der Wahl des neuen Präsidenten Pablo Kuczynski, der als liberal und wirtschaftsfreundlich gilt. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Auch die Landeswertung Sol stieg. Das machte bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren.

Aktien Brasilien

Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff trieb Brasiliens Aktienkurse und den Real nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand: 30.12.2016

Relativ gut kommen noch die deutschen Aktienfonds weg. Hier liegen über die beiden genannten Zeiträume 60 und 81 Prozent der Manager unter dem Index. Krass fallen die Ergebnisse bei den global anlegenden Aktienfonds aus. Dort kamen in der Jahresperspektive 88 Prozent der Verwalter nicht über die Indexhürde. Über zehn Jahre steigt die Quote derer, die weniger Ertrag ablieferten als ein internationaler Aktienindex, sogar auf 98 Prozent.

Der negative Ausreißer sind die Depots für die Wall Street. Verwalter für US-Aktien liegen mit ihren Erträgen über die kürzere Zeitdistanz in 94 Prozent der Fälle unter der Wertentwicklung des S&P 500. Auf Zehnjahressicht steigt die Versagerquote auf fast unheimliche 99 Prozent.

Häufig argumentieren Fondsmanager, gerade in wenig analysierten Märkten wie an den Schwellenbörsen könnte aktives Management seine Vorteile ausspielen. „Aber auch diese Zahlen sind ähnlich schlecht“, sagt Daniel Ung von S&P Dow Jones Indices. Für die erwähnten Perioden liegen die Quoten der unterdurchschnittlichen Fonds bei 64 und 97 Prozent. In Kürze legt S&P Dow Jones Indices eine aktualisierte Auswertung vor, die teilweise noch schlechtere Resultate zeigen wird.

Das schlechte Abschneiden der aktiven Manager, die mit einer gezielten Aktienauswahl ihre Markt-Messlatte schlagen wollen, hat auch mit Kosten zu tun. Sie Fondshäuser müssen beispielsweise Analysten bezahlen, die die Aktien analysieren. Dazu kommen Kosten für den Vertrieb. Das schlägt sich in Jahresgebühren von häufig bis zu zwei Prozent nieder.

Diese Kosten hat ein Index nicht. Deshalb geht der Fondsmanager jedes Jahr im Wettbewerb mit dem Index mit diesem Kostennachteil ins Rennen. Das ist umgekehrt ein Vorteil für Indexprodukte mit sehr viel geringeren Gebühren. Börsengehandelte Fonds auf einen Index wie den Euro Stoxx 50 für die größten europäischen Aktien verlangen nur um die 0,1 Prozent Jahresgebühr. Die ETF-Suche auf handelsblatt.com gibt einen Überblick.

Der Vorteil bei den Gebühren und den Leistungsvergleichen mit den aktiven Managern erklärt auch das rasante Wachstum der Produktgruppe. Das Kapital der börsengehandelten Indexfonds in Europa hat sich in zehn Jahren versechsfacht und erreicht jetzt 551 Milliarden Euro. Besonders beliebt sind die Produkte auf die populären Aktienindizes wie S&P 500, Dax und Euro Stoxx 50.

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