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25.07.2012

17:09 Uhr

Transaktionssteuer

Großinvestoren kennen Tricks, Kleinsparer nicht

In Frankreich wird die Transaktionssteuer eingeführt. Doch diese wird die Großinvestoren kaum treffen, denn diese haben schon längst Wege gefunden die Steuer zu umgehen. Private Sparer dagegen nicht.

Ein Boersenhaendler zeigt in der Boerse in Frankfurt am Main mit dem Finger nach oben. Großinvestoren kennen Wege die kommende Transaktionssteuer zu umgehen. dapd

Ein Boersenhaendler zeigt in der Boerse in Frankfurt am Main mit dem Finger nach oben. Großinvestoren kennen Wege die kommende Transaktionssteuer zu umgehen.

Wenn in Frankreich zum ersten August eine Transaktionsteuer auf Aktiengeschäfte in Kraft tritt, sind vor allem die privaten Sparer gekniffen. Institutionelle Großinvestoren haben längst Wege gefunden, um der Steuer zu entfliehen. Sie werden vor allem sogenannte Contracts for Difference (CFD) nutzen.

Diese Derivate werden von Prime-Brokern angeboten und ermöglichen es, auf Kursgewinne oder Verluste bei Aktien zu setzen, ohne die Wertpapiere besitzen zu müssen. Damit entfällt die Transaktionsteuer. Ähnlich haben die Investoren bereits die britische Börsenumsatzsteuer umgangen.

"Wir haben niemals britische Aktien gekauft, ohne CFDs zu benutzen", sagt Fabrice Seiman vom Investmenthaus Lutetia Capital in Paris. "Jetzt werden wir das Gleiche bei französischen Aktien machen. Es werden die Kleinanleger sein, die zahlen müssen."

Frankreich wird als erstes Land der Euro-Zone eine Transaktionsteuer auf Aktienkäufe, einschließlich Hochfrequenzhandel und Kreditausfallswaps, einführen. Die Abgabe, mit der die Spekulation eingedämmt werden soll, umfasst Transaktionen in 109 französischen Aktien mit einem Marktwert von jeweils mehr als einer Milliarde Euro.

"Die Leute werden die Rechnung sehen und sagen: ,Das ist zu viel. Wir müssen nach einem Weg suchen, das zu vermeiden'", sagt Fabrice Couste von CMC Markets France in Paris. Die Gesellschaft bietet CFDs an und ist in Frankreich seit 2010 tätig. Die Einführung der Stempelsteuer habe in Großbritannien zu einem Erfolg der Derivate geführt. Das Gleiche erwarte er für Frankreich.

In Großbritannien, Europas größtem Finanzplatz, gibt es eine sogenannte Stempelsteuer, die einer Börsenumsatzsteuer entspricht und 0,5 Prozent des Transaktionswerts ausmacht.

In Frankreich will die Regierung von Präsident Francois Hollande die Transaktionsteuer auf 0,2 Prozent erhöhen. Sein Vorgänger im Amt, Nicolas Sarkozy, hatte ursprünglich 0,1 Prozent vorgeschlagen. Frankreich erwartet sich aus der Steuer Einnahmen in Höhe von 170 Millionen Euro in diesem Jahr und von 500 Millionen Euro im Jahr 2013.

Maßgeblich für die Abgabe ist die Transaktion in den jeweiligen Aktien. Wo Käufer und Verkäufer ansässig sind, spielt keine Rolle. Marktkenner schätzen, die Transaktionsteuer werde die Flucht aus französischen Aktien bewirken. Die Transaktionsteuer wird auch in anderen Ländern Europas diskutiert.

Kommentare (2)

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Michael

25.07.2012, 21:04 Uhr

Warum wendet man die Transaktionssteuer nicht auch auf Derivate an?

Dann greift sie auch bei CFDs...

MarcSt

26.07.2012, 10:53 Uhr

Die Transaktionssteuer ist vollkommen überflüssig, da sogenannte Arbitrage-Geschäfte unterschiedliche Börsen aneinander anpassen!

Bedeutet: wenn man in Frankfurt die Steuer zahlen muss und in Italien nicht, dann handelt man einfach die deutschen Aktien über die italienische Börse (diese sind dort gelistet), dort gibt es bspw. einen Kursverfall, der sich nahezu 1:1 auf Frankfurt umschlägt, denn wer würde in FfM eine Aktie für 100€ kaufen, wenn er die genau gleiche in Italien für 50€ bekäme???

Wieder einmal politische Logik vom Feinsten... es geht nicht darum die Volatilität unter Kontrolle zu kriegen, sondern man möchte 1. mehr Geld einnehmen und 2. die verlorenen Anleger, welche lieber in einen realen Wert (wie eine Aktie) investieren, den Banken zuschieben. Folge: man ist deren Liquiditätrisiko ausgesetzt, wenn man die Steuer sparen will und schlimmer: auf alle Derivate fallen Zinsen an, die die Bank einstreicht...

Das derartige Vorschläge von gewählten Volksvertretern kommen und von gebildeten Akademikern nicht öffentlich kritisiert werden ist einfach nur traurig! Für mich eine Enteignung der normalen Bürger. Keine Aktien mehr sondern von 100€ 80 auf dem Konto, 20 in CFDs, für welche Zinsen fällig werden, die aufgrund des Hebels jene für die 80€ übersteigen... man zahlt also an allen Ecken und Enden an die Bank! Traurig, dass dies von jenen Leuten kommt, welche uns am nächsten stehen sollten!

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