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11.01.2017

23:26 Uhr

Trend im Aktienhandel

Mensch statt Maschine

VonFrank Wiebe

Die Börse New York erweitert den Handel auf dem Parkett um Tausende von Aktien: Echte Broker aus Fleisch und Blut werden kaufen und verkaufen. Das steht dem allgemeinen Trend zum Computerhandel entgegen.

Steht dem allgemeinen Trend zum Computerhandel entgegen: Broker aus Fleisch und Blut. dpa

New Yorker Börse

Steht dem allgemeinen Trend zum Computerhandel entgegen: Broker aus Fleisch und Blut.

New YorkDie Aktienbörse New York hat angekündigt, die Zahl der handelbaren Wertpapiere auf dem Parkett von derzeit knapp 3.200 auf 8.600 zu erhöhen. Dann soll es möglich sein, alle in den USA handelbaren Aktien und verwandten Papiere wie börsengehandelte Fonds über Broker aus Fleisch und Blut zu kaufen und zu verkaufen.

Das läuft einem langjährigen Trend entgegen, das Aktiengeschäft auf reinen Computerhandel zu verlagern. Die New Yorker Technologie-Börse Nasdaq hat seit ihrem Start 1971 rein elektronisch gearbeitet. Andere große Börsenplätze wie etwa Chicago oder London haben ihr Parkett weitgehend oder ganz geschlossen. An der New Yorker Börse ist zurzeit noch ein einziger, mäßig lebhafter Börsensaal in Betrieb, damit ist sie eine Ausnahme.

„Wir bekennen uns zu unserem bewährten Marktmodell, das High-Tech mit menschlichem Urteilsvermögen verbindet“, heißt es in einer Mitteilung der Intercontinental Exchange (ICE), der Konzernmutter der New Yorker Börse (NYSE). Die NYSE macht nur einen Bruchteil des Geschäfts der ICE aus, und davon läuft nur noch ein Bruchteil auf dem Parkett. Aber ICE-Chef Jeffrey Sprecher möchte an dem Handel mit Menschen festhalten.

Er hat sich zum Ziel gesetzt, den Aktienhandel einfacher und transparenter zu machen und möchte ihn damit von elektronischen Plattformen außerhalb der Börsen zurückholen in sein Unternehmen.

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Mit dem Parketthandel an der NYSE haben Investoren die Möglichkeit, ohne extremen Zeitdruck Gebote beim Broker abzugeben oder Angebote anzufordern. Das kommt Investoren entgegen, die sich dem in Bruchteilen von Sekunden ablaufenden Handel entziehen wollen. Im elektronischen Handel spielen heute die viel kritisierten Hochfrequenzhändler, nach einem Buch des Bestseller-Autos Michael Lewis auch „Flashboys“ genannt, eine wesentliche Rolle. Im Sommer ist mit der IEX eine neue, elektronische Börse gestartet, die künstlich die Bearbeitung von Aufträgen verzögert, um die Flashboys auszubremsen. Sprecher hatte diesen Ansatz hart kritisiert und als „unamerikanisch“ bezeichnet.

Der ICE-Chef ist dabei, die traditionsreiche Börse an der Wall Street rundum zu modernisieren. Er verlagert dazu den Handel mit Aktien einschließlich Optionen auf eine neue, einheitliche Plattform mit dem Namen Pillar. Außerdem wird das traditionell etwas plüschige Gebäude im Inneren umgewandelt in einen modernen Bürobau.

Die ICE hat ihren Sitz in einem nüchternen Zweckbau bei Atlanta. Sprecher, ein gelernter Ingenieur, hat sie 2000 gegründet. Ihr Schwerpunkt ist der Handel mit Derivaten und Rohstoffkontrakten sowie die dazu gehörige Abwicklung. Im Jahr 2013 hat Sprecher die traditionsreiche NYSE übernommen, die 1792 gegründet wurde.

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