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14.06.2011

14:06 Uhr

Trotz Griechenkrise

Spanien sammelt Milliarden ein

Während es für Griechenland immer enger wird, sammelt Spanien Milliarden am Geldmarkt ein - und muss dafür kaum höhere Zinsen als zuletzt bezahlen. Doch der wahre Test steht erst am Donnerstag bevor.

Spanische Flagge über der Zentralbank. Quelle: Reuters

Spanische Flagge über der Zentralbank.

Madrid, FrankfurtBei der Auktion von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von 18 Monaten verlangten die Investoren eine Rendite von 3,26 Prozent nach zuletzt 3,095 Prozent. Auch für Staatstitel mit einjähriger Laufzeit wurden nur geringfügig höhere Zinsen fällig. Insgesamt sammelte das klamme Spanien rund 5,42 Mrd. Euro ein. "Die Nachfrage zeigt, dass die Investoren auf Spanien vertrauen", sagte Ökonomin Jo Tomkins von 4cast. Das Land habe damit gute Chancen, nicht in den Strudel der Schuldenkrise um Griechenland, Portugal und Irland hineingezogen zu werden.

Dies gilt als gutes Omen für die am Donnerstag geplante Emission von Staatsanleihen, bei der die Regierung in Madrid bis zu 3,5 Mrd. Euro frisches Geld aufnehmen will.

Der Risikoaufschlag für zehnjährige spanische Anleihen zur vergleichbaren Bundesanleihe ging zugleich leicht zurück und fiel unter 2,5 Prozentpunkte. Von solchen Konditionen kann das immer tiefer in den Schuldensumpf sinkende Griechenland nur träumen: Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für Anleihen aus Athen zog weiter an und lag am Mittag bei 1429 (Montagabend: 1413) Basispunkten. Die Rendite auf zehnjährige griechische Papiere stieg auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. In der Spitze warfen die Titel 17,791 Prozent ab.

Prominente Stimmen zur Schuldenkrise

Axel Weber, Ex-Chef der Bundesbank

„Ab einem bestimmten Punkt muss man seine Verluste einschränken und das System neu starten“

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident und einst Chef des IWF

„Die Euro-Gruppe und das ganze europäische Projekt stehen wegen gravierender politischer Versäumnisse in der Vergangenheit vor einer nie dagewesenen Zerreißprobe.“

George Soros, Großinvestor und Präsident von Soros Fund Management

„Seien wir mal ehrlich: Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs, der - sagen wir mal - mit Griechenland anfängt, aber sich leicht ausweiten kann.“

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

„Wir stehen vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Euro-Zone.“

Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pacific Investment Management Co (Pimco)

„Griechenland hat zu viele Schulden und kann nicht wachsen, solange diese Probleme nicht gelöst sind. [...] Das Land wird um eine Umschuldung nicht herumkommen.“

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung

„Also das Geld ist verloren. Die Griechen können ja jetzt schon nicht zurückzahlen. Griechenland war im Grunde schon vor einem Jahr pleite.“

Barack Obama, US-Präsident

„Eine Spirale der Zahlungsunfähigkeit wäre eine Katastrophe.“

Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank

„Solidarität darf nicht in der Weise missverstanden werden, dass die europäischen Partner und die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl hätten, als die Finanzierung fortzusetzen. Niemand ist erpressbar und niemand darf erpressbar sein. [...] Das Schicksal des Euro hängt nicht an Griechenland.“

Warren Buffett, Investmentlegende

„Ein Kollaps des Euro ist nicht undenkbar.“

Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des IWF

„Die EU schiebt das Schuldenproblem nicht nur vor sich her, sondern wie einen Schneeball den Berg hinunter.“

Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premier und Eurogruppenchef

„Es wird keine vollständige Umschuldung Griechenlands geben. Auch der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist niemals ein Thema gewesen“.

Jim Rogers, Börsenexperte

„Lasst Griechenland pleitegehen!“

Jim O'Neill, Chef der Vermögensverwaltung bei Goldman Sachs

„Es wäre besser für die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Währungsunion, die Restrukturierung Griechenlands schnell über die Bühne zu bringen. Wenn nicht, wird die Krise immer schlimmer und breitet sich womöglich auch auf andere Länder aus.“

Bill Gross, Manager des größten Anleihefonds der Welt

„Die Währungshüter versuchen, das Ungleichgewicht von zu hohen Schulden und zu attraktiven Zinsen auf Ersparnisse auszugleichen. Man könnte das als finanzielle Repression bezeichnen. Wir nennen es Taschendiebstahl.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Wenn der Euro als Ganzes in Gefahr ist, ist es das deutsche Interesse zu helfen, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu gefährden.“

Anleger warteten auf Ergebnisse des informellen Treffens der EU-Finanzminister in Brüssel. Dabei sollte auch über neue Milliarden-Hilfen für Griechenland beraten werden, da das Land nicht wie ursprünglich erhofft 2012 mit Anleiheemissionen an die Kapitalmärkte zurückkehren kann. Die Positionen der Teilnehmer liegen teilweise weit auseinander.

Griechenland selbst wagte sich unterdessen trotz der erhöhten Unsicherheit wieder an den Geldmarkt: Mit der Ausgabe von sechsmonatigen Papieren nahm die Regierung in Athen dabei 1,625 Mrd. Euro ein. Das Ägäisland muss allerdings fast fünf Prozent Zinsen zahlen und damit noch einmal mehr als zuletzt.

Die Skepsis gegenüber griechischen Anleihen ist durch eine erneute Herabstufung der Bonität Athens durch die Ratingagentur S&P verstärkt worden. Diese hatte am Pfingstmontag für einen Paukenschlag gesorgt und die Bewertung für langfristige Hellas-Staatsanleihen um drei Stufen auf CCC zurückgestuft. Damit ist Griechenland nun das Land mit dem weltweit schlechtesten Kreditrating von S&P. An den Finanzmärkten zogen im Schlepptau der griechischen Papiere auch die Prämien für Staatsanleihen aus anderen schuldengeplagten europäischen Staaten wie Portugal und Irland an.

Spanien steht nach Ansicht von 4-cast-Expertin Tomkins wesentlich besser da und kann sich zunehmend von den Hochschuldenländern Griechenland, Irland und Portugal absetzen. Das größte Land auf der Iberischen Halbinsel war im Sog der Schuldenkrise in den Randstaaten der Euro-Zone Ende vorigen Jahres von den Märkten verstärkt ins Visier genommen worden. Spanien gilt wegen seines konsequent eingeleiteten Sparkurses jedoch derzeit nicht als Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm, unter den der Nachbar Portugal sowie Irland geflüchtet sind.

Von

rtr

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