Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2015

10:26 Uhr

Trotz Griechenland-Krise

Unternehmen vergeben lieber Euro- statt Dollar-Anleihen

Die Griechenland-Krise hält die Kapitalmärkte auf Trab. Doch ungeachtet der Unsicherheiten bezüglich der Zahlungsfähigkeit Athens bevorzugen zahlreiche Unternehmen aus Asien und Lateinamerika auf Euro lautende Anleihen.

Auf Euro lautende Anleihen sind bei Unternehmen nach wie vor beliebt. Reuters

Trotz Krise in Griechenland

Auf Euro lautende Anleihen sind bei Unternehmen nach wie vor beliebt.

LondonDie Zukunft Griechenlands im Euro-Raum mag ungewiss sein, aber in Asien und Lateinamerika ist die Gemeinschaftswährung zunehmend beliebt. Unternehmen wie Sinopec Group oder Petroleos Mexicanos sowie die mexikanische Regierung haben in der ersten Jahreshälfte lieber auf Euro als auf Dollar lautende Anleihen begeben und damit bei der Rendite mehr als hundert Basispunkte gespart. Investoren wie Union Investment Privatfonds und AllianceBernstein erwarten, dass in den kommenden sechs Monaten weitere Emittenten dazukommen werden, weil der Lockruf von Mario Draghis Stimuli stärker wirkt als die Auswirkungen des griechischen Dramas.

Kreditnehmer aus Schwellenländern suchen nach Möglichkeiten, sich weiterhin billig Geld zu leihen, während die Federal Reserve das Ende der billigen Dollar-Finanzierung mit einer Zinsanhebung irgendwann in diesem Jahr vorbereitet. Laut Dmitri Barinov von Union Investment wenden sie sich dabei zunehmend dem Euroraum zu, wo schwache Inflation und geringes Wachstum sowie eine zunehmende Geldmenge die Renditen drücken. „Ab September wird das noch zunehmen“, erklärte Barinov am Dienstag. „Die sehr niedrigen Zinsen und das anhaltende QE- Programm in Europa machen die Ablösung von Verbindlichkeiten viel günstiger als in US-Dollar.“

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Während sich die Emissionen von Dollar-denominierten Wertpapieren von Regierungen und Unternehmen in Lateinamerika seit Jahresbeginn halbiert haben, gab es bei auf Euro lautenden Bonds einen Zuwachs um 40 Prozent, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. In Asien haben die Platzierungen in Dollar sechs Prozent zugenommen, während sich das Emissionsvolumen bei Euro-denominierten Papieren verdoppelt hat.

Mehr als 90 Prozent der Anleihen im Volumen von 6,5 Milliarden Euro, die in Asien in der ersten Jahreshälfte begeben wurden, kamen von chinesischen Schuldnern. Darin enthalten sind dreijährige Papiere von Sinopec vom April, die mit einer Rendite von 0,5 Prozent auf den Markt kamen. Dollar-Papiere des Unternehmens mit ähnlicher Laufzeit hatten am Dienstag eine Rendite von 1,72 Prozent.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.07.2015, 19:25 Uhr

Solange sie noch genug Geldgeber finden, die in Euro-Anleihen investieren wollen, ist´s doch gut und schön.

Bei Fälligkeit brauchen die Schuldner dann vielleicht nur noch einen Bruchteil zurück zahlen, weil der Euro zusammen geschmolzen oder sich gar ganz auflöste.

Daß also die Schuldner gern im Euro arbeiten, ist verständlich: das Bare ist in Sachwerten investiert - oder sonst wo und die Rückzahlung kann nach Gusto vorgenommen werden - vermutlich, ja sogar wahrscheinlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×