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18.10.2016

16:38 Uhr

Trotz großer Kursverluste

Pimco setzt auf riskante Bankanleihen

Für viele Investoren sind nachrangige Anleihen europäischer Banken ein Schreckgespenst. Nicht für die Allianz-Tochter Pimco. Sie kauft gezielt solche Bonds. Und die Papiere der Deutschen Bank spielen eine große Rolle.

Das Logo von Pacific Investment Management Co (PIMCO) in Newport Beach, Kalifornien. Das Unternehmen setzt verstärkt auf Bankanleihen. Reuters

PIMCO

Das Logo von Pacific Investment Management Co (PIMCO) in Newport Beach, Kalifornien. Das Unternehmen setzt verstärkt auf Bankanleihen.

Der Vermögensverwalter Pimco, der zum Allianz-Konzern gehört, kaufte in diesem Monat einen Teil der vorrangigen Anleihen aus der 4,5 Milliarden Dollar schweren Emission der Deutschen Bank. Pimco hat aber auch das größte bekannte Volumen an sogenannten AT1-Anleihen europäischer Banken angehäuft. Diese Anleihen werden dem harten Eigenkapital (Tier1-Kapital) angerechnet.

Doch AT1-Anleihen sind risikoreich. Diese Papiere zählen zum Kernkapital, sind aber die ersten, die im Falle einer Banken-Schieflage Verluste mittragen müssen. Die Kuponzahlungen auf derartige Anleihen können eingestellt werden, wenn eine Bank in Schwierigkeiten gerät.

Doch das Risiko ficht Pimco nicht an. Die 10 Milliarden Dollar, die der Vermögensverwalter in diese Anleihen investiert hat, sind dreimal mehr als Invesco und fünfmal mehr als Blackrock gekauft haben, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

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Die italienische Volksabstimmung, eine mögliche Zinsanhebung sowie die US-Präsidentschaftswahlen könnten dazu führen, dass eine Belebung am Markt für Unternehmensanleihen ausbleibt. Anleger werden bereits vorsichtiger.

„Wenn wir sehr überzeugt sind, dann bauen wir erhebliche Positionen auf“, sagt Philippe Bodereau, weltweiter Leiter Finanzanalyse bei Pimco in London. Nach seiner Einschätzung werden die Risiken vieler AT1-Papiere und der vorrangigen Deutsche-Bank-Anleihen überbewertet, was der Grund dafür sein dürfte, dass ihre Renditen im Vergleich zu Unternehmensanleihen so hoch sind.

Pimco setzt darauf, dass jegliche Probleme bei den schwächsten europäischen Banken nicht auf das breitere Finanzsystem übergreifen werden. Daher sollten die riskantesten Bank-Bonds sicher sein, selbst wenn sich die Märkte verschlechtern. Andere Investoren wollen nicht auf Chancen mit solchen Papieren wetten, nachdem es Anfang des Jahres zu Kursverlusten von über zehn Prozent kam. Für Gregory Turnbull Schwartz, Investmentmanager bei Baillie Gifford in Edinburgh, können die AT1-Anleihen, die als eine Art Brandmauer zwischen einer in Schieflage geratenen Bank und einer Rettung durch den Steuerzahler dienen sollen, auch Marktinstabilität verursachen.

Pimco kaufte die vorrangigen Deutsche-Bank-Anleihen, nachdem die Bank mitgeteilt hatte, dass ihr eine Forderung des US-Justizministeriums in Höhe von 14 Milliarden Dollar für einen Vergleich im Zusammenhang mit Hypothekenpapieren ins Haus steht. Das führte zu höheren Renditen bei der Emission, die Kurse sind an diesem Tag deutlich gefallen. Die Bank musste eine Verzinsung von mehr als vier Prozent bieten - „eine enorme Prämie“, wie Pimcos Chief Investment Officer Mark Kiesel am vergangenen Freitag in einem Interview mit Blomberg TV sagte. Pimco, mit Sitz im kalifornischen Newport Beach, halte die vorrangigen Anleihen der Deutschen Bank für „viel attraktiver“ als deren AT1-Papiere, sagt Bodereau.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

Bank-Bonds kommen für die Anleihekaufprogramme der Europäischen Zentralbank nicht in Frage. Aber die Renditen von europäischen Unternehmensanleihen sind inzwischen so niedrig, dass Investoren riskantere Anlagen nicht verschmähen. Euro-Unternehmensanleihen der Bonitätsklasse Investment Grade rentieren im Schnitt bei 0,7 Prozent, wie Index-Daten Bank von America Merrill Lynch vom Freitag zeigen, im Vergleich zu rund sechs Prozent bei AT1- und ähnlichen Papieren. Die 10 Milliarden Dollar an AT1-Anleihen, die Pimco hält, umfassen AT1-Papiere und ältere Tier-1-Anleihen.

Invesco, mit Sitz in Atlanta, besitzt AT1-Anleihen der Deutschen Bank im Volumen von 184 Millionen Euro, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Insgesamt halten die Fonds von Invesco rund drei Milliarden Dollar an AT1-Anleihen. Der Fondsanbieter investiert in die Papiere, weil sie „attraktive Renditen bieten, in einem Markt der nach Ertrag lechzt“, wie es in einer Mitteilung heißt. „Die jüngsten Bewegungen spiegeln keinerlei fundamentalen Rückgang bei Solvenz oder Liquidität wider“.

Andere Investoren stimmen zu. „Sie sind attraktiv, weil sie so viel mehr bieten, als man mit anderen Wertpapieren bekommen kann“, sagt William Scapell, Portfoliomanager bei Cohen & Steers Capital Management Inc. in New York. „Die Renditen sind deutlich höher als bei US-Wertpapieren“. Im vergangenen Jahr brachten AT1-Anleihen rund 8,2 Prozent Ertrag ein, womit sie Royal Bank of Scotland zufolge unter den Anleihen die Anlageklasse mit der besten Entwicklung weltweit waren.

Kommentare (3)

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18.10.2016, 16:40 Uhr

 Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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18.10.2016, 16:51 Uhr

 Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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18.10.2016, 16:54 Uhr

 Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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