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24.05.2012

16:02 Uhr

Türkei-Anleihen

Versteckte Risiken im Gepäck

Türkische Anleihen locken mit hohen Erträgen. Doch es drohen einige Risiken: Die Lira-Bonds sind von Stimmungsschwankungen an den Märkten am stärksten betroffen, so das Ergebnis einer Studie von Standard & Poor's.

Ein Koffer mit türkischen Lira. Die Anleihen aus der Türkei locken mit hohen Erträgen massenhaft Investoren an. dpa

Ein Koffer mit türkischen Lira. Die Anleihen aus der Türkei locken mit hohen Erträgen massenhaft Investoren an.

Die Türkei ist zur Finanzierung ihres Leistungsbilanzdefizits so sehr von ausländischen Investoren abhängig, dass sie von einer schlechteren Stimmung an den weltweiten Märkten unter den europäischen Schwellenländern am stärksten getroffen wird. Zu dieser Einschätzung kam Standard & Poor's in einem Bericht aus diesem Monat. Und der Beweis ließ nicht lange auf sich warten.

Als in der vergangenen Woche die Finanzmärkte weltweit einbrachen fielen die Kurse der Lira-Bonds und die Währung kommt seit dem 4. Mai auf einen Verlust von 4,2 Prozent gegenüber dem Dollar. Die Renditen der zweijährigen Anleihen stiegen auf 9,60 Prozent, das war ein Zwei-Monats-Hoch.

Ausländische Investoren hatten in der Woche zum 11. Mai 1,8 Milliarden Dollar in türkische Lira-Anleihen gepumpt - das entspricht 52 Prozent der gesamten Investments in diesem Jahr und war so viel wie seit April 2011 nicht mehr. Das geht aus Daten der türkischen Zentralbank hervor. Wer am 7. Mai zu Handelsbeginn Lira-Anleihen mit Fälligkeit 2014 im Volumen von eine Millionen Lira kaufte, hatte am 18. Mai bei Handelsschluss 43.000 Dollar verloren, Zinsen nicht eingerechnet.

Die Türkei hat das zweithöchste Leistungsbilanzdefizit hinter den USA. Die in türkischer Lira denominierten Staatspapiere bieten die höchsten Renditen unter den Bonds von 17 Schwellenländern und locken laut Société Générale SA, Amundi Group und Crédit Agricole SA daher Anlagegelder an - zumal die Zentralbank Maßnahmen ergreift, um die Lira zu stärken und die Inflation einzudämmen. Trotz der jüngsten Kursverluste kommt die Lira für dieses Jahr noch auf ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Dollar. Das ist die drittbeste Entwicklung unter 25 Währungen von Schwellenländern.

Die Inflation hat sich im April mehr als erwartet auf 11,1 Prozent erhöht - ein Drei-Jahres-Hoch. Die Zentralbank erwartet, dass dies der Spitzenwert ist und sich die Preissteigerung zusammen mit der Konjunktur abschwächen wird. Die Prognosen der Regierung gehen von vier Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr aus, nach 8,5 Prozent im Vorjahr.

Die Rendite der zehnjährigen Türkei-Bonds ist seit dem 4. Mai um 27 Basispunkte gestiegen und erreichte am 17. Mai mit 9,2 Prozent ein Drei-Wochen-Hoch. Damit erhöhte sich der Risikoaufschlag der Türkei-Bonds gegenüber deutschen Bundesanleihen auf 783 Basispunkte. Grund dafür waren Befürchtungen im Hinblick auf eine Verschlimmerung der Staatsschuldenkrise in der Eurozone und auf einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nach den kommenden Wahlen.

„Der Hauptgrund für Investoren, jetzt in die Türkei zu kommen, ist der Ertrag”, schrieb Ozgur Altug, Chefökonom bei dem Broker BGC Partners in Istanbul, am 17. Mai per Email. Die Investoren fühlten sich aber am längeren Ende der Renditekurve wohler, da die Geldpolitik der Zentralbank eine gewisse „Unsicherheit” für den kurz-und mittelfristigen Bereich schaffe. Bloomberg-Daten zufolge waren die zehnjährigen Lira-Bonds im Mai die meistgehandelten türkischen Staatspapiere und haben damit die Zweijährigen überholt.

Kommentare (1)

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Turkish

24.05.2012, 22:36 Uhr

Hat das Handelsblatt den kein Foto von den neuen Geldscheinen? Das sind ja noch die Scheine vor der Währungsreform von vor ein paar Jahren!

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