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08.06.2015

17:52 Uhr

Türkei und die Märkte

Anleger fürchten zähe Regierungsbildung

Die Wahlniederlage in der Türkei für Staatspräsident Erdogan verunsichert die Märtke: Der türkische Aktienmarkt befindet sich im freien Fall. Die Währung fällt auf ein Rekordtief und sorgt für Unruhe bei den Anlegern.

Nach der Wahlschlappe für die regierende AKP in der Türkei sind die Anleger in Aufruhr. ap

Türkische Lira

Nach der Wahlschlappe für die regierende AKP in der Türkei sind die Anleger in Aufruhr.

FrankfurtNach der Wahlschlappe für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan haben Anleger am Montag einen großen Bogen um den Istanbuler Leitindex gemacht. Auch für die Landeswährung Lira ging es kräftig bergab. Erdogans islamisch-konservative Partei AKP verfehlte am Sonntag das Ziel einer verfassungsändernden Zwei-Drittel-Mehrheit und kann künftig erstmals seit über einem Jahrzehnt auch nicht mehr allein regieren . „Sollten sich die Parteien nicht einigen können, sind Neuwahlen möglich. Und in der Zwischenzeit würde die Wirtschaftsaktivität zum Erliegen kommen“, brachte eine Commerzbank-Studie die Ängste vieler Investoren auf den Punkt.

Die Aktienbörse fiel um bis zu 8,1 Prozent und markierte damit den größten Tagesverlust seit zwei Jahren. Der Dollar stieg zur türkischen Währung in der Spitze um 5,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 2,8085 Lira – seit Jahresbeginn kommt er auf ein Plus von rund 20 Prozent. Ob die AKP einen Koalitionspartner findet, blieb zunächst unklar: von den drei anderen ins Parlament eingezogenen Parteien kamen am Wahlabend ablehnende Signale. Ein solches Wahlergebnis sorge sicherlich für sehr viel Unsicherheit, sagte Manik Narain von der UBS.

Mittelfristig sehen die Experten der Commerzbank den Ausgang der Parlamentswahl dennoch als positiv an, „weil zumindest für den Moment die Hauptängste des Marktes, dass es zu einer zu starken Machtkonzentration unter Präsiden Erdogan oder zu einem Präsidialsystem kommen könnte, erst einmal auf Eis gelegt sind“. Zudem dürfte die türkische Zentralbank die Zinsen anheben, sollte die Währung in den freien Fall übergehen, hieß es in der Kurzstudie.

Erdogan wollte das politische System der Türkei grundlegend verändern, indem der Präsident deutlich mehr Macht bekommt - ähnlich wie in den USA. Dafür wäre aber eine Verfassungsänderung nötig, die nur mit eine Zweidrittelmehrheit im Parlament oder einem Votum des Volkes möglich ist. Bislang hat der Präsident vor allem repräsentative Befugnisse, wobei Erdogan nach Einschätzung der Opposition seine Kompetenzen bereits jetzt weit überschreitet.

Die rasch wachsende Wirtschaft der Türkei hatte jahrelang viel Geld aus dem Ausland angezogen, zuletzt schwächelte die Konjunktur jedoch. Für das laufende Jahr hat die Regierung ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent vorausgesagt, für die darauf folgenden Jahre von jeweils mindestens fünf Prozent. 2014 waren es 2,9 Prozent.

Von

rtr

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